Pfarrer Rudolf Renner hat im Laufe seines Berufslebens viele Aufgaben übernommen. Dahinter stand immer wieder die Frage: Wie kann Kirche nah bei den Menschen sein? Nun tritt er zum Ende des Schuljahres in den Ruhestand. Zuletzt saarland.de wirkte er als evangelischer Schulpfarrer am Saarbrücker Willi- Graf-Gymnasium. 20. Juli 2026
Aufgewachsen als Sohn eines Pfarrers und späteren Superintendenten in der lutherischen Landeskirche Hannovers im Süden von Niedersachsen, erlebte er von klein auf die ganze Bandbreite an kirchlichen Angeboten. Schon in der 10. Klasse auf dem Gymnasium wusste er, dass er wie sein Vater Pfarrer werden wollte. Trotzdem ging es für ihn nach dem Abitur nicht direkt zum Studium. „Ich wollte offiziell als Kriegsdienstverweigerer registriert werden“, erklärt Renner, warum er erst seinen Zivildienst absolvierte. Denn in jener Zeit wurden angehende Pfarrer in der Regel vom Wehrdienst freigestellt. Sein Studium absolvierte er dann in Bethel, Tübingen und Hamburg, wo er auch sein erstes Examen ablegte. In Erinnerung sind ihm vor allem die Wochenseminare, die er am Ökumenischen Institut in Bossey in der Nähe von Genf besuchen durfte. „Ich war total beeindruckt von dem Austausch mit aller Welt“, schwärmt er noch heute.
Nach seiner Heirat und der Geburt der beiden Söhne übernahm er 1999 gemeinsam mit seiner damaligen Frau eine Pfarrstelle in Dresden. Nur ein Jahr später kam es zu einer Katastrophe, die sein weiteres Berufsleben prägen sollte. Während der Jahrhundertflut in Dresden und Umgebung fing er mit der Notfallseelsorge an, knüpfte enge Kontakte zu den Einsatzkräften, insbesondere zur Polizei. Die Arbeit wurde über die Jahre zu seinem Steckenpferd. Als seine Ehe 2010 in die Brüche ging, wusste Renner, dass es an der Zeit war für einen beruflichen Wechsel. Es sollte aber noch ein paar Jahre dauern, bis er zufällig die Ausschreibung der Stelle als Landespolizeiseelsorger im Saarland sah. „Ich war noch nie im Saarland gewesen, aber ich wusste: Das ist genau das, was ich machen will“, blickt er zurück
Nun wurde Rudolf Renner im Rahmen eines Schulgottesdienstes der Willi-Graf- Schulen entpflichtet und verabschiedet. Für den Ruhestand hat er bereits einige Pläne. Neben seinem Dienst entdeckte er in der Partnerschaftsarbeit des damaligen Kirchenkreises Saar-West mit Goma im Kongo sein Interesse für ökumenische Beziehungen noch einmal neu. Im Saarland möchte er wohnen bleiben, aber er könnte sich vorstellen, im Rahmen eines „Senior Expert“-Programms der Vereinten Evangelischen Mission für einige Monate die Kirchen in einem afrikanischen Land zu unterstützten. „Am liebsten in einem Land mit Bezügen zur deutschen Geschichte“, sagt er, denn das Thema Kolonialismus und dessen Folgen hat ihn stets interessiert und begleitet. Daneben möchte er gern im Bereich der Notfallseelsorge aktiv bleiben.