Gustav-Regler-Preise2026 im Schloss Fellenbergverliehen
Die Kreisstadt Merzig und der Saarländische Rundfunkluden am vergangenen Freitag, den 12. Juni,zurfeierlichen Verleihung der Gustav-Regler-Preisein dasMuseumSchloss Fellenbergein.Gefördert durch das Ministeriumwürdigendie beiden Literaturpreiseseit 30 Jahrendas Werk und das Andenken des Merziger Schriftstellers Gustav Regler.Der Hauptpreis ehrtbesondereliterarischeVerdienste umdieinternationale und interkulturelle Verständigung, während der FörderpreisdieStimmen junger Talenteunterstützt.
DenGustav-Regler-Hauptpreis2026, dotiertmit10.000 Euro,erhieltdie tschechisch-deutsche Schriftstellerin, Publizistin und Literaturhistorikerin AlenaWagnerová.Der Saarländische Rundfunk zeichnete Maryam Arasfür ihren Essay „Dinosaurierkind“mit dem Gustav-Regler-Förderpreisund damiteinem Preisgeld in Höhe von4.000 Euroaus.Beide Autorinnen vereint mit dem Andenken Gustav Reglerseine Besinnung auf MenschlichkeitübernationaleGrenzen hinwegsowiediedifferenzierte BetrachtungderErinnerungskulturen, welche durch persönliche oder familiäre Exilerfahren und daraus entstehende Brüche in der (Familien-)Biografie fußt.
Musikalisch wurde die Preisverleihungvon Nino Dedabegleitet. Herr Deda begeisterte das Publikum im Laufe des Abends mit seinenDarbietungenam Klavier undamAkkordeonund sorgtesofür einenharmonischenÜbergangzwischen denProgrammpunkten.
Oberbürgermeister Marcus Hoffeld freute sich,zusammen mit SonjavonStruve, der Programmdirektorin des SR,alleGästezur zehnten Verleihung der Gustav-Regler-Preise begrüßen zu dürfen.Mit einem Blick auf das politische Wirken von Gustav Regler mahnte Herr Hoffeld, dasseswiedermehr denn jegelte, sich aktiv für dieDemokratie stark zu machenundder Verbreitung menschenfeindlicher Ideologien entgegenzutreten. Dabei spiele Literatur eine wichtige Rolle, umUrteilsfähigkeit, Empathie und Mut zu fördern. In der Kreisstadt Merzigzeigten Menschen aller Generationenund unabhängig der Herkunftdiese Haltung – beispielsweise durchinterreligiöse Zusammenarbeit,das Netzwerk der „Courage-Schulen – Schule ohne Rassismus“oderauchdurch den aktivenAustausch mitdeutschen und internationalenPartnerstädten.MarcusHoffeld und Sonja von Struvedanktenunter anderemderLandrätin Daniela Schlegel-Friedrich als Hausherrin,demMinisterium für Bildung undKulturvertreten durchJörg Sämann, der Jurysowieden Angehörigen derFamilieRegler-Repplingerfür die gute Zusammenarbeit.WeitererDank galt für die Vorbereitung der Veranstaltungdas Bibliotheksteam rund umAnja Schoppe,Heike Wagnervom Referat für Soziales und Familie sowie die LiteraturredakteurinTilla Fuchsdes SR.
Sonja von Struve schloss sichdiesenGrußworten an und betonte, dassLiteratur in der Tradition Gustav Reglerseinegrenzüberschreitende Funktion einnehmen kann.Wie Homi K. Bhabhaesin„dieVerortung der Kulturen“beschreibt:Durch das Aufeinandertreffen mehrerer Kulturen entsteheetwas Neues;einfruchtbarerRaum, derPolarisierungentgegenwirkt. Dieser„dritte Raum“des neuen Verstehensfindesichsowohl im Saarland alsGrenzregionals auch in den Biografiender diesjährigen Preisträgerinnenwieder.
Jörg Sämannüberbrachtedie Glückwünscheim NamendessaarländischenMinisteriumsfür Bildung und Kulturund wardarüber hinausgernewegen seiner Affinität zuMerzigund Gustav Reglerangereist.Bereits bei der ersten Verleihung des Gustav-Regler-Preiseshatte er vor 30 Jahrenmitwirkendürfen.Als Süd-Saarländer wünschte er den Anwesenden ein traditionelles „Glück auf“.
Die SchriftstellerinShida Bazyarhielt die Laudatio für Maryam Arasundgratulierte der Preisträgerinvon Herzen. Frau BazyarhobdieFurchtlosigkeit undden„unbeirrbarenliterarischen Kompass“von Maryam Arashervor.Durch diesen moralischen Kompass scheue sichdie Autorinnicht davor,von vorgesehenen Wegen abzuweichen undunbequeme Wahrheitenzu beleuchten.Deutschland sei–inden Worten Gustav Reglers – auch heute noch ein „schönes und seltsames Land“, das Denkerinnen wie Maryam Aras brauche.Die Laudatorinbeschrieb die Lektürevon Aras Werken als„Moment des Aufatmens und Entspannens“. Das Essay „Dinosaurierkind“sei ein„literarischerAkt der Fairness“ gegenüberAras‘ Vater,derwie vieleseinerexil-iranischenMitstudierendengegen das Regime Schah Mohammad Reza Pahlavisprotestierteund sein Leben lang gegen faschistische Strukturenkämpfte. Dennochgingen weder ernochseine Wegbegleiterin die deutsche Geschichtsschreibung ein, während die deutsche Studentenbewegung als intellektuellerSieger gefeiert wurde.Die biografische Spurensuche über ihren Vater verbinde Aras mit den politischen Entwicklungender Zeitund der geschichtlichen Aufarbeitung.Mit einerzerbrechlichenund doch radikalenErzählstimmebleibtGerechtigkeit nichtnurdas Ziel, sondernebenso einStilmitteldes Textes:Aras Vater tritt in selbst verfassten Kommentaren mit seiner Tochter in einen Dialog und kann damit das Geschriebene hinterfragen, korrigieren oder reflektieren.
In ihrer emotionalen Dankesrede nutzte Maryam Aras die Gelegenheit, um nicht nur ihre eigene Stimme zu erheben, sondern auch anderen Befreiungsbewegungen ein Ohr in Form einer Version der ursprünglich chilenischen Befreiungshymne „Elpueblounido“ zu leihen. Aras nannte sich selbst „das Kind eines lebenslangen Kämpfers“ und die Auszeichnung mit dem Gustav-Regler-Förderpreis bedeute für sie, Teil eines Stück antifaschistischer Literaturgeschichte zu sein. Sie fand Parallelen in den Kämpfen ihres Vaters, von Gustav Regler und auch von Alena Wagnerová und hinterfragte die Bedeutung der „zwei Seiten“ eines Konflikts. Nicht jede Person habe das Privileg, sich eine Seite auswählen zu können. Sie selbst, als politische Tochter ihres Vaters, habenur in gewissen Rahmen eine Wahl: In einer Wirklichkeit, in der ihre bloße Existenz politisch ist und rechtsextreme Ideologien erstarken. Ihre Danksagung beendete Maryam Aras mit einem Aufruf an die Anwesenden: „Wählen Sie – wenn Sie können – Ihre Seite weise“.
Peter Königwürdigte in der zweiten Laudatio des AbendsdasLeben und Lebenswerkvon Alena Wagnerová.Erresümierte wichtige Stationen, dieWagnerová zu ihrer eigenen unverwechselbaren Perspektive verhalfen–vor dem Hintergrund des NS-Regimes, Exil und Vertreibung.Literatur im Sinne des Gustav-Regler-Preises seifür die SchriftstellerinZeugnis und Verantwortung zugleich: Ein „Bekenntnis zur Wahrhaftigkeit“, wie Gustav Regler im „Das Ohr des Malchus“ schrieb.Ähnlich wie Maryam Aras scheue Wagnerová keine unbequemen Wahrheitenund arbeitet mit Präzision, Mut und großer sprachlicher Disziplin.So baueWagnerovávor allem Brücken: Brücken zwischen der Vergangenheit und Gegenwart, zwischenTätern und Opfern,zwischenSchuld undLeid.Dabei blicke sie in tiefe Abgründe, um dieVerflechtungen deutscher,tschechischer undjüdischer Erinnerungskulturen aufzuarbeitenund zu versöhnen. Im Mittelpunktstündehierbei nie bloß abstrakte Geschichte, sondern konkrete Schicksale undBrüche inindividuellenBiografiendurch Gewalt- oder Zwangserfahrungen.Ihre Ideologieseidabeivölligder Empathieverschrieben,ohnedie Geschichte zu revidieren oder die Wahrheit zu relativieren.Darüber hinaussei Wagnerová in ihrerliterarischenArbeit, aber auch im Rundfunk undin Podcasts,bemühtBiografienmitmarginalisiertenStimmen zu verstärken.So bei derSchreibungeiner Biografie vonMilena Jesenská:einer großartigen und klugen Journalistin, diegeschichtlichauf die Rolle derGeliebtenvon Franz Kafkareduziert wurde.LautPeterKönigtrugWagnerovásBiografiedazu bei,JesenskásWirkenaus dem Schatten eines berühmten Manneszubefreien.Im letzten Jahr feierte Alena Wagnerová ihren 90. Geburtstag undsosprach Herr König im Namen der Jury des Gustav-Regler-Preises einen Dank für das Lebenswerk der Autorin aus.
Auch Alena Wagnerovástellte sich in ihrer Danksagung nicht selbst in den Mittelpunkt, sondernbetontedieWerteund Leitgedanken ihres literarischen Schaffens.Beim Schreiben über die Biografien anderer Menschen dürfe man nichtallzu sehrüber sich selbst nachdenken.Mit derVerleihungdes Gustav-Regler-Preisesresoniere ein Zitat von Gustav Regel in besonderer Weise als Lebenseinstellung:„Wir alle sind Menschen“–unddas sei das Wichtigste.Des Weiteren hieltenWortedie Machtinne, als Mittel der Wahrhaftigkeit genutzt oder aber als Waffe missbraucht zu werden.
Abschließend dankte Oberbürgermeister Hoffeldallen Mitwirkenden und lud die Gäste ein, den Abendbei einem kleinen Empfangmit einem Getränk undGesprächen ausklingen zu lassen.
Falls Sie noch weitere Einblicke in diePreisverleihung erhalten wollen, sosendetdas„SR-Kultur“ imRahmen der Reihe „Literatur im Gespräch“am 24. Juni 2026 um 19:15einen MitschnittderLesung beiderPreisträgerinnen im Gespräch mitSR-LiteraturredakteurinTilla Fuchs.Darüber hinausfinden Sie die vollständigen Begründungen der Juryauf dem Online-PortalfürPressemitteilungen der Kreisstadt Merzig(https://www.merzig.de/rathaus-buergerservice/pressemeldungen/).
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