„Mister Inklusion“ hat seine Sport-Karriere noch einmal vergoldet
Louis Kleemeyer ist erfolgreicher Tennisspieler, gefragter Coach, Mentor und Reporter. Bei den Special Olympics Nationalen Spielen im Saarland hat er Gold und Bronze geholt. Jetzt hofft er auf einen Startplatz bei den Special Olympics Weltspielen 2027 in Chile.
Louis Kleemeyer ist nicht zu übersehen. Zum einen, weil er mit seinen 2,05 Metern Körpergröße die meisten anderen Menschen überragt. Zum anderen, weil er immer wieder um ein Selfie gebe- ten wird und auch selbst gern Selfies macht. Digital ist er ebenfalls sehr präsent: In den sozialen Netzwerken Instagram und LinkedIn hat er tausende Follower*innen.
„Mister Inklusion“ ist ein Titel, den sich der 25-Jährige in den vergangenen Jahren in Deutschland mit viel Engagement und Öffentlichkeitsarbeit erarbeitet hat. Er ist ein erfolgreicher Sportler mit einer geistigen Behinderung und respektierter Unternehmer. Er hat erfahren, wie es ist, in der Schule gemobbt zu werden und kennt den Weg zum Erfolg. Firmen, Institutionen, Medien und Parteien buchen ihn für Schulungen und Veranstaltungen, weil er zum Experten für Barrierefrei- heit, Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe geworden ist.
Seit Ende Mai hat er sich mit einem „Power-Training“ auf die Wettbewerbe in Merzig vorbereitet. "Ich habe gespielt und gespielt und gespielt, um fit zu werden“, sagt Louis Kleemeyer. Das wurde nun belohnt. Im Unified-Doppel gewann er Gold mit seinem Bruder Ben. Beide spielen für den NTC Stadtwald e.V. 1980 Neuss. Im Einzelwettbewerb erreichte er den 3. Platz.
Bei den Nationalen Spielen 2022 in Berlin gewann er zwei Goldmedaillen: Im Einzel und im Dop- pel ebenfalls mit seinem Bruder. Nach dem sehr guten Abschneiden im Saarland hofft er nun auf einen Startplatz für die Special Olympics World Games im Oktober 2027 in Chile. Doch nach den Spielen wartet erst einmal der Arbeitsalltag auf ihn. „In Deutschland haben rund zehn Prozent der Menschen eine Behinderung. Nur bei drei Prozent ist die Behinderung angeboren. Bei den anderen sieben Prozent ist es Folge von Unfällen oder Krankheiten. Diese Zahlen lösen bei meinen Zuhörern immer einen Aha-Effekt aus. Sie merken: Oh, es könnte auch mich treffen“, erklärt Louis Kleemeyer. Er hofft, in seinen Kursen ein größeres Verständnis zu schaffen für die Belange von Menschen mit einer Behinderung und im Besonderen mit einer geistigen Behinderung.
Positiv denken und die Welt positiv sehen, das ist sein Motto fürs Leben. Wenn andere das Glas halbleer sehen, ist es für ihn halbvoll. Mit seinem freundlichen Auftreten, seinem breiten Lächeln im Gesicht und seiner Empathie anderen Menschen gegenüber lebt er genau diese Einstellung.
Mit Lernbehinderung zum Unternehmer und Coach.
Der 25-Jährige aus Neuss hat eine Lernbehinderung. Bis zu seinem 10. Lebensjahr konnte er kaum sprechen. Seine Eltern reagierten, schickten ihn auf ein Internat. Später besuchte er Förderschulen und machte den Hauptschulabschluss, erzählt er. Doch wie nun weiter?
Neues zu wagen, das gehört zur DNA von Familie Kleemeyer. Seine Eltern haben gemeinsam mit der IHK und einem Unternehmen eine Ausbildung für Sohn Louis maßgeschneidert: Drei Jahrelang lernte er den Beruf eines Fachpraktikers IT-Systeme und bestand die Prüfungen mit 1. „Schon während meiner Ausbildung habe ich mit meinem Vater meine erste Firma Unique United gegründet“, erzählt er stolz. Menschen mit einer Behinderung können sich beraten lassen. Aber auch Firmen erhalten Informationen zum Thema Inklusion.
Jetzt wartet auf Louis Kleemeyer noch eine weitere interessante Aufgabe, auf die er sich sehr freut. „Ich werde sechs Monate lang in der Firma Adidas coachen. Das Ziel ist, zwei Mitarbeitende mit Behinderung in einer Filiale in Herzogenaurach zu beschäftigen. Ich kenne die Herausforderungen und wir bereiten das gemeinsam vor“, erklärt er. Wenn das Projekt positiv verläuft, dann soll es bundesweit ausgerollt werden.