
Endometriose-Diagnosen legen kräftig zu
Kernergebnisse
- Die Zahl der Frauen mit Endometriose-Diagnose ist im Saarland innerhalb von 20 Jahren um 72 Prozent gestiegen.
- Die Zahl der saarländischen Endometriose-Betroffenen lag im Jahr 2024 bei 6.500.
- Endometriose kommt bei saarländischen Frauen am häufigsten im Alter von 30 bis 34 Jahren vor.
Saarbrücken, 28. Mai 2026 – Die Zahl der Frauen im Saarland mit der Diagnose Endometriose ist kräftig gestiegen. Das zeigt der BARMER-Arztreport.
Demnach wuchs die Zahl der Betroffenen in dem Bundesland von 734 je 100.000 Frauen im Jahr 2005 auf 1.260 je 100.000 Frauen im Jahr 2024. Das entspricht einer Zunahme von 72 Prozent. Die Zahl der saarländischen Betroffenen dürfte nach Hochrechnungen der gesetzlichen
Krankenkasse im Jahr 2024 bei 6.500 gelegen haben nach 4.000 im Jahr 2005. „Endometriose ist eine chronische, meist schmerzhafte Erkrankung, bei der außerhalb der Gebärmutterhöhle Gewebe wächst, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt. Endometriose ist viel
stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen, wodurch die Diagnose öfter gestellt wird und für betroffene Frauen Jahre der Ungewissheit entfallen“, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Für Frauen
mit Endometriose sei eine passgenaue und langfristige Therapie wichtig, die sich stets an den individuellen Umständen orientiere.
Endometriose: Frauen im Saarland meist zwischen 30 und 34 Jahren
Laut Arztreport kommt Endometriose bei saarländischen Frauen am häufigsten im Alter von 30 bis 34 Jahren vor. In dieser Altersgruppe
war im Jahr 2024 eine von 31 Frauen im Saarland von der Erkrankung betroffen (3,2 Prozent). Über alle Altersgruppen hinweg wies im Jahr 2024 Berlin den Höchstwert bei der Diagnose Endometriose auf. Hier kamen auf 100.000 Frauen 1.618 Betroffene. In Thüringen
kamen dagegen im gleichen Jahr auf 100.000 Frauen nur 939 Frauen mit Endometriose-Diagnose, was der niedrigste Wert im Vergleich aller Bundesländer war. Der Bundesdurchschnitt lag im Jahr 2024 mit 1.212 Betroffenen je 100.000 Frauen leicht unter dem Wert des
Saarlands. „Die Folgen einer Endometriose reichen von Blutungen außerhalb der Gebärmutter, Entzündungsreaktionen und Schmerzen im Unterbauch bis hin zu chronischen Schmerzen und einer verminderten Fruchtbarkeit. Die Therapie von Endometriose muss nicht nur
die Symptome im Blick behalten, sondern auch mögliche Organschäden etwa am Darm oder den Kinderwunsch betroffener Frauen“, fordert Kleis. Ziel müsse sein, die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern.
Jüngst deutlich mehr Erst-Diagnosen als erwartet im Saarland
Auffallend ist, dass die Zahl der Erst-Diagnosen bei Endometriose im Saarland jüngst überraschend hoch war. So ist in dem Bundesland
die Erkrankung in den Jahren 2022 bis 2024 laut Arztreport 20 Prozent häufiger erstmals diagnostiziert worden, als aufgrund der Altersstruktur der saarländischen Frauen zu erwarten war. „Laut der im vergangenen Jahr aktualisierten medizinischen Leitlinie zur
Diagnostik und Behandlung von Endometriose liegt in der Diagnostik nun ein größerer Schwerpunkt auf bildgebenden Verfahren anstatt auf der Gewebeentnahme per Bauchspiegelung, die zuvor hauptsächlich erfolgte. Zudem werden bei der Planung der Behandlung psychosoziale
Aspekte und eine multimodale Schmerztherapie stärker als bisher berücksichtigt“, berichtet Kleis. Der multimodale Behandlungsansatz, der bei Bedarf mehrere medizinische Fachrichtungen einbeziehe, sei bei Endometriose-Patientinnen besonders wichtig, denn betroffenen
Frauen hätten deutlich öfter Begleiterkrankungen als in ihrem Alter üblich.
Fragen und Antworten
Was ist Endometriose?
Bei einer Endometriose findet sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut sehr ähnlich ist, außerhalb der Gebärmutterhöhle. Oft lassen sich derartige Herde am Bauchfell nachweisen, aber auch an den Eierstöcken oder dem Darm.
Warum entsteht Endometriose?
Bis heute ist nicht vollständig geklärt, weshalb es außerhalb der Gebärmutterhöhle zum oft schmerzhaften Gewebewachstum kommt. Verschiedene
medizinische Erhebungen benennen unter anderem eine Störung des Immunsystems, genetische Faktoren und hormonelle Einflüsse als mögliche Ursachen, die im Zusammenspiel zur Erkrankung führen.
Welche Symptome verursacht Endometriose?
Diese chronische Erkrankung entwickelt sich typischerweise erst ab oder nach der ersten Regelblutung. Das Hauptsymptom einer Endometriose
sind Unterleibsschmerzen. Sie treten oft zusammen mit der Regelblutung auf, aber auch während oder nach dem Geschlechtsverkehr. Die Schmerzen können mal stärker, mal schwächer sein und in den Unterbauch, den Rücken und die Beine ausstrahlen. Sie werden oft
als krampfartig erlebt und können von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall begleitet sein. Über längere Zeiträume können sich die Schmerzen chronifizieren. Endometriose kann sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken.
Wie wird Endometriose behandelt?
Die Behandlung hängt stark von Beschwerden, Alter, Kinderwunsch und Ausbreitung ab. Eine Möglichkeit ist die medikamentöse, symptomorientierte
Schmerztherapie, um die Symptome zu lindern. Zudem kann eine Hormontherapie erfolgen, um den Zyklus oder Eisprung zu unterdrücken und auf diesem Weg auch Endometriose-Herde einzudämmen. Möglich ist auch eine meist minimal-invasive Operation, um diese Herde
zu entfernen oder zu veröden und Verwachsungen zu lösen. Das kann bei starken Schmerzen und Kinderwunsch sinnvoll sein, oder auch wenn Organe wie zum Beispiel der Darm befallen sind.
Wie wurden die Daten erhoben und ausgewertet?
Die Analyse basiert auf den anonymen Abrechnungsdaten von BARMER-Versicherten in den Jahren 2005 bis 2024 bei ambulanten und stationären
Behandlungen. Im Jahr 2024 hatte die BARMER 116.000 Versicherte im Saarland. Die Ergebnisse wurden standardisiert und auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet.
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