„Großen entsteht immer im Kleinen.“ So lautet das Motto einer Marketingkampagne des Saarlandes. Dieses Motto kann auch für die Aktivitäten einer besonderen weltweiten und deutschlandweiten Handelsinitiative gelten, Fairtrade-Initiative genannt. Kernpunkt ist: Die Wahrnehmung für die soziale Lage in den Schwellen- und Entwicklungsländern soll stärker Berücksichtigung finden, und das auf unterschiedliche Weise. So soll beispielsweise mit alltäglichen Kaufentscheidungen die Welt ein Stück verbessert werden. Ob das funktioniert? Ja, meinen mit Nachdruck die Befürworter dieser Aktion. Sie entscheiden sich vermehrt für den Kauf von fairen Lebensmitteln und fairen Erzeugnissen aus dem Einzelhandelssortiment. Sie bevorzugen beim Besuch der Gastronomie Kaffee oder Tee, Wein oder Orangensaft aus fairem Anbau.

Wie kam der Fairtrade-Gedanke nach Ottweiler? Nach einem Besuch der Fairtrade-Botschafterin Fleurance Laroppe und –botschafter Kofi Okantah im Büro des Ottweiler Bürgermeisters Holger Schäfer brachte der Verwaltungschef den entsprechenden Vorschlag in den Stadtrat ein, dem einstimmig gefolgt wurde. Ottweiler soll Fairtrade-Stadt werden und auch das begehrte Siegel erlangen. Dafür sind verschiedene qualifizierte Voraussetzungen zu erfüllen. Die entsprechenden Kriterien sind fast vollständig abgehakt. Die meisten Hürden sind genommen. Inzwischen kann man in Ottweiler mit Stolz auf eine Reihe von Veranstaltungen zurückblicken – auf Informationsveranstaltungen, auf Fairtrade-Frühstücke in der Kita der Stadt und an der Grundschule Lehbesch, auf Fairtrade-Kunst- und -Kulturevents in der Sparkasse Neunkirchen, auf schulische Bildungsangebote und auf die Verleihung von Fairtrade-Auszeichnungen an beiden Grundschulen. Eine Juniorfirma an der Anton-Hansen-Schule bietet ein textiles Fairtrade-Sortiment an. Weiteres soll folgen.

Für das Meiste, was gelaufen ist, zeichnen die Mitglieder einer lokalen Steuerungsgruppe mitverantwortlich, die der Ottweiler Bürgermeister Holger Schäfer einberufen hat. An der letzten Sitzung nahmen teil: Sascha Abriß, Leiter der Grundschule Neumünster, seine Kollegin, Sylvia Beaurepère, Leiterin der Grundschule Lehbesch, Ralf Hoffmann für die Stadtverwaltung Ottweiler, Thomas Lafontaine für die Wirtschaft, Fleurance Laroppe und Peter Weichardt für Fairtrade Saarland. In der Regel kommt zu den Treffen ein Team der Kita Lehbesch dazu – vertreten durch die Erzieherinnen Natalie Bechtel, Sandra La Vecchia und Iris Schulz, die Kita-Leiterin ist. In der Lenkungsgruppe wirkt mit Kofi Okantah, zugleich Ottweiler Bürger. Bei Bedarf bringen sich Ingrid von Osterhausen und Diana Rode ein, beide von Fairtrade Saarland.

„Ich bin zuversichtlich, dass die Stadt Ottweiler schon bald zur Fairtrade-Kommune ernannt werden kann und das Fairtrade-Siegel erhalten wird“, sagte Fleurance Laroppe im Rathaus. Von dort soll der Antrag für die Qualifizierung an Fairtrade Deutschland gestellt werden.

Wie sieht es mit dem Angebot in Ottweiler aus? Fairtrade-Produkte werden im örtlichen Einzelhandelssortiment angeboten, so inzwischen in allen Supermärkten, aber auch teilweise in etwas kleineren Geschäften. Eine gute Auswahl an Schokoladen, Kaffee und Tee ist gegeben. Vereinzelt unterstützen gastronomische Einrichtungen die Fairtrade-Idee, in dem sie entsprechenden Getränke oder Snacks auf ihre Karte nehmen. Vor allem aber in der Bildung kann Ottweiler punkten: Die Teilhabe der Vor- und Grundschulen funktioniert in größerem Umfange, und dies seit einiger Zeit. Die Kinder zeigten sich durchweg von Fairtrade begeistert.

Eine größere Teilhabe bleibt wünschenswert

„Aber auch nach der Verleihung des angestrebten Siegels sollten wir uns der Verantwortung stellen und im Kleinen für etwas Großes eintreten und Initiativen wie Fairtrade unterstützen – privat, öffentlich, auch stärker an den weiterführenden Schulen, in den Vereinen und in den Kirchen“, hielt Bürgermeister Schäfer fest.

Informationen zu Fairtrade

Fairtrade versteht sich als kontrollierter Handel, bei dem den Erzeugern für die gehandelten Produkte oder Produktbestandteile meist ein von Fairtrade-Organisationen bestimmter Mindestpreis bezahlt wird. Damit soll den Produzenten auch bei niedrigeren Marktpreisen ein höheres und verlässlicheres Einkommen als im herkömmlichen Handel ermöglicht werden. Dazu wird bei dieser Handelsform außerdem versucht, langfristige Beziehungen zwischen Händlern und Erzeugern aufzubauen. In der Produktion sollen außerdem internationale sowie von den Organisationen vorgeschriebene Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden.

Die Fairtrade-Bewegung konzentriert sich auf Waren, die aus Entwicklungsländern in Industrieländer exportiert werden. Fairtrade umfasst landwirtschaftliche Erzeugnisse ebenso wie Produkte des traditionellen Handwerks und der Industrie und weitet sich auf neue Bereiche wie den Tourismus unter der Bezeichnung „faires Reisen“ aus. (Hof)

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