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Arzneimitteltherapie in der Erprobung

BARMER erprobt mit saar­län­di­schen Kli­ni­ken siche­re­re Arzneimitteltherapie

Saarbrücken, 28. September 2022

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Wie sich die Sicher­heit der Arz­nei­mit­tel­the­ra­pie an der Schnitt­schnel­le von Kli­nik und Arzt­pra­xis opti­mie­ren lässt, wird im Saar­land künf­tig beim Pro­jekt „TOP“ getes­tet. TOP steht für „Trans­sek­to­ra­le Opti­mie­rung der Pati­en­ten­si­cher­heit“ und wird vom Inno­va­ti­ons­fonds des Bun­des mit rund 9,3 Mil­lio­nen Euro für vier Jah­re geför­dert. Bei dem Pro­jekt arbei­ten im Saar­land die BARMER, das Kli­ni­kum Saar­brü­cken und die SHG-Kli­ni­ken Völk­lin­gen zusam­men. Bei TOP sol­len Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten durch das Schlie­ßen von Infor­ma­ti­ons­lü­cken vor Scha­den auf­grund unzu­rei­chend abge­stimm­ter Wirk­stoff­kom­bi­na­tio­nen geschützt wer­den. „Zu neu­en Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten im Kran­ken­haus feh­len oft Anga­ben zur Behand­lung von Krank­hei­ten und dazu ver­ord­ne­ten Arz­nei­en. Gera­de bei meh­re­ren Erkran­kun­gen und einer Ver­sor­gung durch ver­schie­de­ne Ärz­tin­nen und Ärz­te steigt das Risi­ko für gesund­heits­ge­fähr­den­de Feh­ler“, sagt Dun­ja Kleis, Lan­des­ge­schäfts­füh­re­rin der BARMER in Rhein­land-Pfalz und im Saarland.

Aktu­el­les Wis­sen sichergestellt

Das Pro­jekt ermög­licht, alles Wich­ti­ge zur medi­zi­ni­schen Vor­ge­schich­te aus Rou­ti­ne­da­ten der Kran­ken­kas­se ohne Zeit­ver­zug den behan­deln­den Ärz­tin­nen und Ärz­ten im Kran­ken­haus zu über­mit­teln. Sie erhal­ten eine Lis­te aller ver­ord­ne­ten Arz­nei­en und wer­den durch eine Soft­ware auf Risi­ken der Arz­nei­mit­tel­the­ra­pie hin­ge­wie­sen. „In der ambu­lan­ten Ver­sor­gung wer­den 1.860 Wirk­stof­fe in 445.000 Kom­bi­na­tio­nen ver­ord­net. Die­se Viel­falt kann nie­mand ohne elek­tro­ni­sche Unter­stüt­zung beur­tei­len. TOP erhöht die Sicher­heit für Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten, die meh­re­re Arz­nei­en ein­neh­men“, sagt Kleis. Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten, die eine kom­ple­xe und ris­kan­te Arz­nei­mit­tel­the­ra­pie erhiel­ten, wür­den in chir­ur­gi­schen Abtei­lun­gen durch eine Sta­ti­ons­apo­the­ke­rin oder einen ‑apo­the­ker mit­be­treut. Sie unter­stütz­ten auch den Ent­las­sungs­pro­zess, damit beim Wech­sel zurück in die haus­ärzt­li­che Betreu­ung kei­ne Infor­ma­tio­nen ver­lo­ren gin­gen. „TOP ist Teil der Gesamt­stra­te­gie der BARMER für mehr Sicher­heit bei der Arz­nei­mit­tel­the­ra­pie und wird in bun­des­weit 14 Kli­ni­ken prak­tisch erprobt“, erläu­tert Kleis. Pro­jekt­part­ner sei auch die AOK Nordost.

Akti­ve Rol­le des Win­ter­bergs bei Arzneimitteltherapiesicherheit

Der Geschäfts­füh­rer und Ärzt­li­che Direk­tor des Kli­ni­kums Saar­brü­cken, Dr. Chris­ti­an Braun, beton­te die bereits seit Jah­ren akti­ve Rol­le des Win­ter­bergs beim The­ma Arz­nei­mit­tel­the­ra­pie­si­cher­heit (AMTS): „AMTS ist seit fast 20 Jah­ren ein wich­ti­ges The­ma auf dem Win­ter­berg. Als ers­tes Kran­ken­haus in Deutsch­land haben wir elek­tro­ni­sche Ver­ord­nungs­un­ter­stüt­zung ein­ge­setzt, den ers­ten Kon­gress für AMTS 2005 mit dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um ver­an­stal­tet. Auf natio­na­ler Ebe­ne geben wir seit­dem durch Vor­bild­funk­ti­on und Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge dem The­ma Schwung.“ Das Kli­ni­kum erhof­fe sich von dem Pro­jekt Ver­än­de­run­gen auf der Sys­tem­ebe­ne: „Die­se sind not­wen­dig, damit Kran­ken­häu­ser bes­ser sek­tor­über­grei­fend zusam­men mit den nie­der­ge­las­se­nen Kol­le­gen für eine siche­re Arz­nei­mit­tel­the­ra­pie der Pati­en­ten sor­gen können.“

Bei vier von fünf Not­fall­pa­ti­en­ten feh­len wich­ti­ge Informationen

Pro­fes­sor Dani­el Grandt, Chef­arzt der Inne­ren Medi­zin I am Kli­ni­kum Saar­brü­cken, sag­te: „Eine vom Deut­schen Kran­ken­haus­in­sti­tut durch­ge­führ­te Befra­gung von Kran­ken­häu­sern in Deutsch­land hat gezeigt, dass bei vier von fünf Not­fall­pa­ti­en­ten für Behand­lungs­ent­schei­dun­gen wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen zum Pati­en­ten feh­len. Stu­di­en zei­gen, dass die­se Infor­ma­ti­ons­de­fi­zi­te häu­fig Ursa­che von Medi­ka­ti­ons­feh­lern sind. Obwohl Kran­ken­haus­ärz­te im Durch­schnitt 22 Minu­ten pro Pati­ent auf­wen­den, um feh­len­de Infor­ma­tio­nen zu recher­chie­ren, bleibt die Über­sicht über Erkran­kun­gen und aktu­el­le Arz­nei­mit­tel­the­ra­pie oft lücken­haft. Arz­nei­mit­tel-the­ra­pie im Blind­flug aber ist ein unkal­ku­lier­ba­res Risi­ko! Das Pro­jekt TOP behebt die­ses Problem.“

„Bau­stein zur Ver­bes­se­rung der Pati­en­ten­si­cher­heit im Krankenhaus“

Pro­fes­sor Harald Schä­fer, Chef­arzt Medi­zi­ni­sche Kli­nik II an den SHG-Kli­ni­ken Völk­lin­gen, sag­te: „Das Pro­jekt ist ein wei­te­rer wich­ti­ger Bau­stein zur Ver­bes­se­rung der Pati­en­ten­si­cher­heit im Kran­ken­haus. Krank­heits- und medi­ka­men­ten­re­le­van­te Vor­in­for­ma­tio­nen der Pati­en­ten ste­hen für die Kran­ken­haus­ärz­te bei Auf­nah­me zur Ver­fü­gung. Kri­ti­sche Medi­ka­men­ten­in­ter­ak­tio­nen kön­nen ver­mie­den wer­den. Pati­en­ten und Haus­ärz­te erhal­ten bei Ent­las­sung wich­ti­ge Zusatz­in­for­ma­ti­on bezüg­lich der Arzneimitteltherapie“.

Bild­un­ter­zei­le (Bild im Anhang): 

Wol­len die Sicher­heit der Arz­nei­mit­tel­the­ra­pie an der Schnitt­schnel­le von Kli­nik und Arzt­pra­xis opti­mie­ren (v.l.n.r.): Pro­fes­sor Dani­el Grandt, Chef­arzt der Inne­ren Medi­zin I am Kli­ni­kum Saar­brü­cken, Dr. Chris­ti­an Braun, Geschäfts­füh­rer und Ärzt­li­cher Direk­tor des Kli­ni­kums Saar­brü­cken, BAR­MER-Lan­des­ge­schäfts­füh­re­rin Dun­ja Kleis und Pro­fes­sor Harald Schä­fer, Chef­arzt Medi­zi­ni­sche Kli­nik II an den SHG-Kli­ni­ken Völklingen.

Foto: BARMER/J. Weyland

Quelle:

Pressestelle der BARMER Rheinland-Pfalz/Saarland

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