Woche 1 im „Social Distancing“

Radwanderung
Foto: (c) Gerald Wind

Immer schön locker bleiben!

Eine ganze Woche neuer Lockerungen liegt hinter uns. Während noch immer Demos veranstaltet werden (Leute, die Grundrechte wurden Euch nie genommen!), liegen in europäischen und deutschen Häfen zig Tonnen Waren in Containern und warten auf ihre Abnahme. Corona hat den Rhythmus des einst so reißenden Geschäftsflusses zunächst gestoppt, dann sehr zähflüssig werden lassen. Nichts geht mehr so flott wie vor fast einem halben Jahr. Welch eine Diskrepanz – man erinnere sich! Vor wenigen Wochen geisterte die Vokabel „hamstern“ durch alle Medien, weil weder Toilettenpapier noch Desinfektionsmittel im Handel erhältlich waren. Nun liegen zumindest die einst so begehrten Rollen wie Blei in den Regalen.

Die vom Einzelhandel erhofften Einkaufsinvasionen bleiben aus. Man selbst stellt ja fest, dass der Aufwand an Bekleidungswechsel gedrosselt ist, zumal ja berufliche und gesellschaftliche Termine viele Wochen auf Sparflamme gestellt waren und es noch sind. Für die Videokonferenz muss man sich nicht schnieke machen, da kann man mit feinem Hemd und der Badebux sitzen – keine/r merkt das … man kann schlecht duften oder gut stinken, durch die Kamera kommt das (Gott sei Dank) nicht rüber.

Ab heutigem Montag dürfen sich auch wieder mehr Kunden in Geschäften aufhalten. Pro 15 Quadratmeter (bisher pro 20 Quadratmeter) ist nun eine Person zugelassen.  Ob das den Umsatz erhöht? Ketzer meinen, dass wegen des wochenlangen Müßiggangs und der damit verbundenen Gewichtszunahme manche Mitmenschen mehr Platz benötigen, deshalb sei die Quadratmeterzahl pro Person erhöht worden.

Immerhin: Man wagt sich seit einer Woche wieder raus. Montagmorgen vor acht Tagen, Saarlouis Innenstadt, ein Gastwirt wischt Stehtische im Freien, legt noch mal Hand an die eingeschränkte Sitzordnung und hält einem Gast im Innebereich einen Zettel vor die Nase: „Das musschde ausfille, die wolle das so!“, vernimmt der Chronist und erblickt gleichzeitig an der Theke einen anderen Gast, der entspannt vor seiner Bierflasche sitzt – und das schon um 8:50 Uhr! Zwei Gäste, genügend Abstand, der Wirt ohne Mundschutz, ein durstiger Gast entgegen den Bestimmungen an der Theke. Steigerung hoch sieben: Samstags drauf musste die Polizei in der Altstadt ein Lokal schließen, weil weder Wirt noch Gäste sich an die Vorschriften hielten und zudem auch noch uneinsichtig waren.

Calypso war der Sage nach eine schöne Dame, die den auf Irrfahrten befindlichen Odysseus aus Liebe sieben Jahre lang auf einer Insel festgehalten haben soll, um ihn von der Weiterreise zu seiner geliebten Gattin Penelope abzuhalten; doch der einstige Troja-Kämpfer blieb standhaft und konnte heimreisen. Im Gegensatz zum Sagen-Helden hielt das Saarbrücker Badeparadies „Calypso“ ganze 19 Jahre seinen Geschäftsbetrieb aufrecht – bis zum „Vatertag“ 2020. Das für 24 Millionen Euronen erbaute Schwimmbad ist wegen seit März fehlender Einnahmen schlichtweg pleite. Traurig: 130 Arbeitsplätze gehen auf einen Schlag verloren, deren Erhalt die zuständige Gewerkschaft (NGG) fordert. Doch bitteschön, wie soll das realisiert werden? Und ein neuer Betreiber dürfte auch nicht so bald anbeißen, da zunächst einmal bis Ende Mai alle Schwimmbäder geschlossen bleiben.

Apropos „Vadderdaach“: Von der Bollerwagenidylle, wie man sie bisher kannte, war in diesem Jahr nichts zu sehen. Verhalten bewegte sich hier und da manches Grüppchen auf stiller Flur, restriktiv im Proviant.

Andernorts dagegen großer Besucherandrang, wobei man es mit dem Abstand nicht so genau nahm – leuchtende Beispiele zuhauf, der Chronist möchte hier in der Rangordnung weder bevorzugen noch benachteiligen.                   

Christi Himmelfahrt (in den neuen Bundesländern übrigens nicht „Vatertag“, sondern „Herrentag“ genannt) gilt als ein wichtiger Tag für gläubige Polen. So kam es, dass am langen WE viele von dort stammende, hierzulande Lebende oder Arbeitende in ihr Heimatland reisen wollten. So war denn die A12 Richtung polnische Grenze mit sage und schreibe 55 Kilometer zum Tag des Herrn gesegnet – macht bei einer Anreise aus dem Saarland für 1000 km eine Fahrtzeit von 9 Stunden plus Wartezeit von vier bis fünf Stunden – bis dahin ist der Herr Jesus noch einige Male gen Himmel gefahren. 

Apropos „Pleite“: Die wird der Borussia aus Gladbach nicht drohen. Denn das Vereinsmanagement bewies Einfallsreichtum und verkaufte für 19 Euro knapp 13.000 lebensgroße Fan-Doppelgänger mit eigenem Konterfei als Pappkameraden, die im Geisterstadion aufgestellt wurden (Scherzbolde hatten die SPD-Politiker Karl Lauterbach und Kevin Kühnert „druntergeschmuggelt“). Half nix, die Fohlen-Elf verlor zu Hause gegen Leverkusen mit 1.3. Dieser Phantom-Anregung könnte manches Landesparlament folgen und so Sitzungsgelder oder an der Diätenerhöhung sparen.

Der Fußball rollt vor geisterhaft leeren Rängen, vor denen werden auch Tore von Torgaranten wie Müller und Lewandowski geschossen, Punkte eingefahren, Meisterschaftsambitionen gewahrt, sogar die Berliner Hertha siegt plötzlich in Serie. Während in der zweiten Liga ebenfalls das Leder rollt, herrscht in der dritten Liga ein wenig Chaos und Ratlosigkeit. Abbruch oder Re-Start? Ein außerordentlicher Bundestag heute (25.05.) wird klären, wie’s weitergeht. Zumindest steht fest, dass der VfB Lübeck erster Aufsteiger ist.

Wen das alles nicht interessiert, weil er Lokalpatriot ist und lieber in Völklingens Hüttendunstkreis den FCS sehen möchte, der muss sich in vieler Hinsicht gedulden: Das Pokal-Halbfinalspiel findet vielleicht in Völklingen statt, vielleicht nicht. Und erst wenn Spieltermin wie auch Spielort gefestigt sind, hängt alles noch von der zu mietenden Flutlichtanlage ab – und die steht in Manchester (England), wo sich derzeit wegen der dort geltenden Restriktionen wenig bewegt.  

Schließlich bleibt noch festzuhalten, dass das Ludwigspark-Stadion auch noch nicht zu Beginn der kommenden Saison fertig sein wird. Nun, für 46,5 Millionen Euronen kann der Viert-Liga-Fan schon etwas erwarten!

Deutschland, Deine Heimat: Geografie ist gewiss nicht das Hauptfach bei der Ausbildung von Bundespolizisten.  Zur Lachnummer geriet der Einsatz von Frankfurter Einsatzkräften im Dreiländereck. Anstatt den freien Grenzübertritt nach Luxemburg zu gewähren, wurde dieser verwehrt, weil man in Unkenntnis geografischer Gegebenheiten Frankreich und Luxemburg verwechselte. Erst nach dem Protest vieler Autofahrer änderte die (schlecht vorbereitete) Einsatzleitung den Dienstauftrag. Am (im Diensteinsatz verbotenen und auch nicht in Schengen verkosteten) „Äppelwoi“ kann’s nicht gelegen haben. Wie dichtete einst der Mainzer Humorist Jochen Kunz? „Fritzchen und der kleine Klaus, kennen sich auf Mallorca aus, doch fragt der Lehrer nach der Eifel, gerät die ganze Klass‘ in Zweifel.“

Apropos Grenze: Die Corona-bedingten Kontrollen führten zu mehreren Tausend Fahndungserfolgen. Die Pandemie hat auch positive Nebeneffekte.

Sind wir doch mal ehrlich: Der Terminkalender ist überflüssig geworden. Keine eigenen Notizen mehr, nur die Vorgaben über Mond- und Sonnenauf- und --untergänge, Feiertage, Wochentage und Wochenzahl zieren die leeren Blätter, sofern man noch einen konventionellen Terminer benutzt. Wer mehr der PC-gesteuerten Terminvergabe vertraut, schaut auch hier seit Wochen auf leere Felder und Terminspalten. Alles ist überschaubarer geworden, man hat die „Termine“ im Kopf. Zwischen Einkäufen und Mülltonne-Rausschieben bewegt sich bei vielen Leuten nicht viel. Außer, man hat wieder seine Arbeitstätigkeit aufgenommen, aber auch hier reduziert sich bei vielen Werktätigen der Bewegungsradius, schließlich ist Home-Office angesagt.  

Wer einen Behördengang zu tätigen hat, der schätzt die persönliche Vorsprache, bei der das Anliegen des Bürgers/der Bürgerin schnell und unkompliziert erledigt werden kann. Corona hat jedoch für Kompliziertheit gesorgt. „Es nervt“, teilt uns ein kürzlich ins Saarland zugezogener Leser mit, „einen Behördengang nun per Internet abwickeln zu müssen.“ Der gute Mann wollte ein privat gekauftes Auto anmelden. „Bisher hat das immer der Händler gemacht, für mich ist das Neuland.“, reklamiert der Käufer, der jetzt zwar Besitzer, aber noch ohne Zulassung ist.  Für seinen Wohnbezirk Stadtverband Saarbrücken musste er sich erst einmal durchwurschteln, welche Zulassungsstelle für ihn zuständig ist – am Internet.  Für die Zulassung muss er Kennzeichen vorlegen; die bekommt er wegen Schließung nur auf Bestellung – per Internet. Vorher suchte er sein Wunsch-Kennzeichen aus –per Internet. Nächster Schritt ist eine Terminvereinbarung – per Internet. Kuriosum: Auf der Website der Landeshauptstadt Saarbrücken wie auch beim zuständigen Bürgeramt wird die Telefonnummer 0681-905-0. „Dort hängt man jedoch stundenlang in der Warteschleife“, weiß unser Spezie zu berichten. „Also erkundigte ich mich vor Ort beim Amt.“ Einem Aushang ist die obige Nummer zu entnehmen wie auch eine Terminvereinbarung – per Internet. Der freundliche Pförtner beschied jedoch dem Mann, dass die ausgehängte Nummer nichts besage, sondern die Nummer 115 anzurufen sei. Alles klar? Wie meinte Kanzlerin Merkel? „Corona ist eine Zumutung!“

Urlaubsfotos erreichen uns aus Norddeutschland von Familie Langer aus Merchweiler. Die Nordsee war am lange®n WE mit dem Wohnmobil das Reiseziel. Quartier- und Abstandsprobleme gab’s nicht. „Die Stellplätze sind voll, in Greetsiel, Hooksiel und Umgebung viele Leute unterwegs“; kabelt uns Nicole Langer.

Alternativ dazu verbrachte Kollegin Mona mit Familie in Ensdorf die heißen Tage der vergangenen Woche am und im Swimmingpool. Zur Nachahmung empfohlen, wer die Sommertage zu Hause verbringen möchte!

Für die Klassenstufen 5 und 6 an den Gemeinschaftsschulen und Gymnasien ist ab diesem Montag Drei-Tage-Lern-Schicht angesagt. Ab 2. Juni folgen dann die Klassenstufen 7 und 8. Bis zu den Sommerferien sollen alle Klassenstufen soweit durchgeschleust sein, dass es für die Notengebung reicht. Und allen Abi-Prüflingen, die schon vergangene Woche angerückt sind, drückt SaarlandToday die Daumen!

 

Zu guter Letzt: „Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mit Make-Up aussehe.“, schrieb eine Leserin.

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