Tag 7 M(askenpflicht)

Pfarrer auf dem Autogottesdienst in St. Wendel
Foto: (c) Gerald Wind

Zum Wort Gottes Messlatte genau angelegt

(gew). Dass am Sonntagmorgen (und den ganzen Tag über) der Regen ausblieb, muss wohl „Chefsache“ im Himmel gewesen sein. Kein einziger Tropfen fiel bei den ersten (und vielleicht einzigen) Auto-Gottesdiensten der Gesamtkirchengemeinde, der Freien Kirche St. Wendel (ab 9:30 Uhr) und der katholischen Pfarreiengemeinschaft St. Wendel (ab 11 Uhr). Ungewohnte Situation – unter freiem Himmel anstatt im Gotteshaus versammelten sich die Gläubigen.

 

Wo sonst Schausteller Karussels und Kirmesbuden aufstellen, wo einst das Vorfeld der St. Wendeler Open-Airs war, wo auch schon mal anlässlich einer Auto-Rallye Benzingespräche stattfanden, dort reihte sich im erforderlichen 2-Meter Abstand Auto an Auto – eingewiesen und von Helfern des THW, die auch die Zufahrtsbescheinigungen kontrollierten. Auf dem Platz selbst wurde die Messlatte genau angelegt, der Zwei-Meter-Abstand wurde haargenau eingehalten. 

Jeweils 60 Fahrzeuge waren (gemäß städtischem Auflagenbescheid) zugelassen (es passten in eine Reihe sogar 62), eine Anmeldung war vorher erforderlich. So mussten ca. 300 Gläubige nicht auf den sonntäglichen Kirchgang verzichten. Es waren aber nicht nur regelmäßig praktizierende Christen anwesend, sondern – wie Saarland Today aus Gesprächen entnahm – auch viele neue BesucherInnen. „Wir wollten uns das mal anschauen, haben uns gefallen.“ „Mal was Anderes, ungewohnt, aber unter freiem Himmel eine schöne Atmosphäre.“ „So was kennt man nur vom Autokino her.“ um nur drei Anwesende zu zitieren. Obwohl eigentlich ohne Fahrzeug keine Teilnahme möglich war, hatten sich zahlreiche „Zaungäste“ (Fußgänger, Radler) am Rande der Absperrungen eingefunden und verfolgten die Gottesdienstabläufe. Und wie der Chronist gestern schon anmerkte: Joe Ludwig, der Mainzer Alt-Karnevalist, wurde widerlegt: Im Rahmen der Eucharistiefeier konnte die heilige Kommunion, empfangen werden, sitzend im Fahrzeug, dargereicht in einem Behältnis. Für alle Beteiligten war diese Form des Gottesdienstes ein besonderes Erlebnis.

Den Chronisten treibt es nach solch einem Tagesbeginn und bei diesen angenehmen Witterungsverhältnissen (siehe „Chefsache“) mit dem Drahtesel auf die Piste. Dort sind diejenigen unterwegs, die sich alternativ weder nach einem Segen noch nach einer Oblate gesehnt hatten. Lauschten hatten den Geistlichen auf dem Kirmesplatz ca. 300 Gläubige gelauscht, so waren auf dem Radweg Richtung Tholey gefühlte 3.000 Leute zu Fuß, mit dem Rad oder auf Skatern unterwegs – die „Hölle“. Was Lockerungen doch alles bewirken!

Zu Hause lacht mich „Poldi“ lacht mich an, ja, der Lukas („Haut den Lukas!“ – diese Kirmesattraktion gibt es seit eh und je, aber hauen wollen wir den Podolski nicht.). Er präsentiert mehr oder weniger lachend, so wie wir ihn vom Fußballfeld her kennen, auf dem Prospekt eines Discounters eine Sportkollektion. Sorry, „Poldi“, auch wenn die Sportsachen seit fast 60 Tagen mehr strapaziert werden als die feinen Zwirne, so besteht dennoch kein  Bedarf.

Apropos Prospekt(e): In  den Briefkasten gequetscht findet der Chronist ein Wochenblatt mit sage und schreibe 12 Beilagen vor – fast dick wie ein Schmöker. Und dies, obwohl deutlich am Briefkasten zu lesen ist „Keine Reklame“. Der Austräger muss jedoch wohl gerade in Corona-Zeiten Mitleid mit Hausbewohnern haben, die längere Zeit „eingeschränkt“ waren und wenig Teilhabe am Leben draußen hatten. Außerdem muss ja ab Montag die Wirtschaft wieder angekurbelt werden, will heißen: Leute, lest die Werbung, geht in die Geschäfte, kauft, macht Umsatz! (Nebenbei bemerkt: Vor einem Wohnhaus mit sechs Bewohnern stieg der Papierpegel in der blaubedeckelten Tonne am Sonntagabend sehr schnell.)

 

Abfall ganz anderer Art entsorgen manche Mitmensch/inn/en nicht in der Tonne vor dem Haus, nein, sie legen ihn in städtischen Abfallbehältern ab. Gretchenfrage: Müllgebühren gespart oder eigene Tonne schon voll? Auffallend war allerdings während der Pandemie, dass vor Glas- und Papiercontainern kaum etwas davor bzw. dahinter lag. Dies ist wohl so zu interpretieren, dass gerade aus dem Gastronomiebereich viel Papier und Pappe entsorgt wird, und da a) der Container voll ist und b) keiner was wieder mit nach Hause nimmt, wird’s an Ort und Stelle „abgelegt“.

 

Wie schon mehrfach erwähnt, muss die Gastronomie bis Monatsende den Kraftakt der zwangsweisen Schließung bewältigen. Immer mehr Betriebe bieten Lieferservice oder Essen to go an. Der Fantasie dafür zu werben, sind keine Grenzen gesetzt, wie man am Beispiel des Café Journal in St. Wendel sehen kann.

Kopfschütteln kommt auf, wenn man liest, dass am WE in Friedrichsthal ein Wanderer von acht (Jugendlichen) zusammengeschlagen und schwer verletzt wurde, dass sich in Illingen ein bekiffter Autofahrer mit der Polizei eine Verfolgungsjagd geliefert hat und dass Aktivisten in Hanweiler bzw. Bedersdorf Grenzbarrieren „symbolisch“ zur Seite geschoben haben. So stellt man sich als NormalbürgerIn Lockerungen nicht vor! Als Argument führten die Aktivisten übrigens an, „Grenzschließungen seien wissenschaftlich nicht begründbar und antieuropäisch“ (Quelle: SR). Leute, Sprühkreide, mit denen Ihr die Straße verhunzt habt, ist umweltschädlich, wissenschaftlich ist die Gefahr des Corona-Virus belegt und antieuropäisch verhalten sich ganz andere Nationen in der EU.

Am Montag rücken tausende von SchülerInnen (nur bestimmte Klassenstufen!) wieder in die Schulen ein. Während manche Eltern und Alleinerziehende aufatmen dürften, richtet sich das Augenmerk des (um Risikopatienten reduzierten) Lehrpersonals auf die Schülerschar, ob Hygiene- und Abstandsbestimmungen eingehalten werden. Es gibt PRO und CONTRA zur Wiederaufnahme des Schulbetriebes. Fakt ist: Ungetestet treten SchülerInnen und LehrerInnen an. Man wird sehen, wie sich das Ganze entwickelt.

Nahezu 60 Tage Ein- und Beschränkungen, seit einer Woche Maskenpflicht. . Die Lebensgewohnheiten haben sich geändert. Wer mangels Hobby und Hund der Langeweile entfliehen wollte, der musste die Zeit zwischen aufstehen – essen – fernsehen – essen – - Handyaktivität - schlafen irgendwie ausfüllen. Das Aufräumen/Umräumen des Arbeitszimmers, des Kellers, das (zweimalige) Renovieren der Wohnung, Autowaschen war schnelle erledigt. Anders erging es Mutter und Sohn in einer saarländischen Kleinstadt. Sohn: „Hab‘ meiner Mutter gesagt, dass sich 9.738 Körner Reis in einer Packung befinden.“ – Mutter: „Hör auf, ich hab‘ mir aus Paniermehl wieder Brötchen zusammengepuzzelt.“

In einem Beitrag von Ulrike Scheuermann las der Chronist, dass es (gemäß einer Studie) seine Zeit braucht, sich auf neue Gewohnheiten umzustellen. „Im Durchschnitt 66 Tage vom bewussten Ausführen einer Tätigkeit bis zur automatisierten Gewohnheit.“ Man darf jedoch getrost konstatieren, dass (Zitat) die „vorherige Lebenszufriedenheit wieder erreicht“ wird.

20:30 Uhr: Christian, Freund des Frohsinns an der Havel, schreibt: „Heute wäre das 141. Baumblütenfest zu Ende gegangen….unter normalen Umständen …hätte es um 22 Uhr an der Regattastrecke vermutlich so ausgesehen…“ und im Anhang zeigt er das Feuerwerk aus 2019.

„Nostalgie.“, meinte der Chronist trocken.  
„Panik“-Alt-Rocker Udo meint: „Hinter’m Horizont geht’s weiter!“

 

Guten Wochenstart!

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