Tag 6 der Ausgangseinschränkungen

Musiker mit Saxofone
Foto: (c) Saarland Today/Richard Martin

Bewegungsdrang contra Ausgangbeschränkungen

(gew). 9:00 Uhr: Am Morgen Stippvisite aus dienstlichen Gründen in Saarlouis, beim L-Discounter großes Kundenaufkommen. Woran das liegt? Aha, Donnerstag, Neuware!  Es bildet sich am Eingang eine kleine Kundenschlange, ein genauer Blick bringt Aufklärung: Ein freundlicher Herr, entsprechend uniformiert, mit Papierhandtüchern und Desinfektionsspray bewaffnet, besprüht die Handgriffe der Einkaufswagen und wischt sie ab; das Mitführen eines privaten Einkaufstrollies ist nicht erlaubt. Beim A-Discounter bzw. beim G-Supermarkt (wenig Kunden) gibt’s diesen Service nicht.

Rückfahrt nach St. Wendel, unterwegs in Fraulautern auf der Hauptstraße Richtung Saarwellingen ist für einen Donnerstagvormittag Himmel und Hölle fernab vom Einkaufszentrum. Bewegungseinschränkung sieht anders aus!

Rückblende: Der nach Iserlohn zu seiner Familie „als Überraschung“ gereiste junge Mann aus Saarbrücken wurde kurzerhand von seiner Mutter wieder nach Hause geschickt. Diese musste nach eigenen Angaben die gesamte Wohnung desinfizieren; ob der Herr des Hauses inzwischen informiert ist? Er hatte als  Arzt (!) Nachtdienst. Man muss sich fragen: Hat der Knabe (25 Jahre) etwas von Saarbrücken nach Iserlohn oder umgekehrt geschleppt. Kontrolle von Bewegungseinschränkungen sieht anders aus!

P.S.: Nach den Worten von NRW-Innenminister Reul „haben wir alles im Griff“.

9:30 Uhr: Heike aus Falkensee, ja, die Karnevalspräsidentin am Fließband bei Siemens, meldet verärgert, dass sich viele Mitarbeiter/innen krank gemeldet hätten. „Die können doch nicht alle infiziert sein!“

10:00 Uhr: Lebach Landesaufnahmestelle – niemand auf der Straße zwischen den trist aussehenden Wohngebäuden. Es scheint, dass die hier Lebenden, die an Krisensituationen bis hin zum Krieg gewohnt sind, die Einschränkungen anders als manche Einheimische angenommen haben. Selbst im nahegelegenen Einkaufszentrum ist kein einziger Ausländer anzutreffen, zumindest um diese Uhrzeit.  

Der Bundespräsident sendet eine Botschaft als „Gebot der Stunde“: „Nicht dauerhaft verlieren, was wir lieben!“ Bewegungseinschränkungen und Verzicht machen nachdenklich.

12:44 Uhr: Virologe Drosten, derzeit der TV-Star unter den Experten erklärt, dass die niedrige Totenzahl in Deutschland auf die zahlreichen Tests zurückzuführen ist.

13:03 Uhr: Gesundheitsminister Jens Spahn: „Das ist die Ruhe vor dem Sturm.“

13:53 Uhr: Bundesinnenminister Seehofer ist dagegen, „aus wirtschaftlichen Gründen die strengen Ausgangsbeschränkungen vorzeitig wieder zu lockern“.

Die neue Situation bringt nach Aussagen von Experten „neue Arten von Kriminalität mit sich, so z. B. Betrügereien. Kinder seien durch das ständige Surfen im  Internet gefährdet, da hier dunkle Elemente ausgiebig Zeit hätten Kinder zu mobben oder sie sexuell zu belästigen. Einschränkungen bergen Gefahren.

14:53 Uhr: Mindestens 5900 Patienten wieder genesen

Die Bevölkerung bewegt sich also nun weniger, verraucht weniger Kalorien. Aus dem Einkaufs- bzw. Hamstererverhalten muss man schließen, dass mehr gegessen wird, mehr aus Langeweile als aus Hungerbedürfnis. Nach saarländischem Sprachgebrauch ist das Volk wohl bald „fett wie e Otter“. Da passen die Klamotten nicht mehr, neue gibt’s vorläufig nicht, denn die zuständige Branche hat ihren Läden geschlossen. Also doch Bewegung?! Sportliche ja, zu sozialer Kontaktpflege nein! 

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