Tag 4 L(ockerung)

Ente an einem See
Foto: (c) Gerald Wind

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

(gew) Alles, was wir derzeit zum Thema „Verhalten während der Pandemie“ lesen oder hören, sind weder Zeitungsenten oder Latrinenparolen (abgesehen von unseriösen Rundbriefen oder Werbungen auf Internetplattformen). Deshalb ist noch immer der Ernst der Lage zu verinnerlichen – wir sind noch nicht über den Berg!

Wenn man’s bei rechtem Licht aus dem Blickwinkel des seit nunmehr über einen Monat achtsamen um- und vorsichtigen Bürgers betrachtet, hatte Tobias Hans recht: „Alle Appelle haben nicht geholfen. Auf das Vertrauen allein zu bauen hat sich nicht bewährt.“ Bundes- wie landesweit haben sich Mitmenschen entgegen der bisherigen Bestimmungen und Regelungen verhalten.  Wir haben in den letzten Wochen oft das Wort „Freibrief“ erwähnt, den manche/r für sich in Anspruch nahm. Wenn man liest, dass an der deutsch-französischen Grenze an einem Tag fast 100 Personen der Grenzübertritt verwehrt wurde, weil sie – Achtung! – im Saarland einkaufen wollten, dann kann man nur den Kopf schütteln.

09:30 Uhr: Wenn die Kanzlerin am Morgen sagt „Diese Pandemie ist eine demokratische Zumutung.“ ist das nicht nur eine neue Wortkombination, sondern das weist auf die nach wie vor aus der Pandemie resultierenden Erschwernis für die Bürger/innen hin. „Vokabeln wie „schwer“, grausam“, „Einsamkeit“ unterstreichen den Gehalt der Aussage. Aber: „Unser Gesundheitssystem hält der Bewährungsprobe bisher stand.“ Ist das nicht beruhigend?
Andererseits: „Das Zwischenergebnis ist zerbrechlich…wir bewegen uns auf dünnstem Eis .... auf Konzentration und Ausdauer kommt es an.“ Wer DAS immer noch nicht kapiert hat, bitte sehr: Corona und Familie laden ein!

10:12 Uhr: Rostock (210.000 Einwohner) erklärt sich für Corona-frei. Übrigens hat Meck-Pomm bundesweit die geringste Anzahl von Infektionen pro 100.000 Einwohner. Im Norden die Ostsee als Grenze, gen Osten die polnische Grenze, und dort wird streng kontrolliert.
10:14 Uhr: AfD: Corona-Maßnahmen weitgehend überflüssig.
10:20 Uhr: Lindner will übers Hochfahren sprechen.
Was soll man dazu noch sagen?
12:22 Uhr: Wein und Kondome statt Toilettenpapier und Reis.
Wie schon in den Vortagen festgestellt, hat sich das Kundenverhalten von einer Warengruppe auf andere Bereiche verlagert. Der Absatz ist eingebrochen an den vormals gehamsterten Waren. Bierumsatz stieg vor Ostern um plus 26% (da haben wir doch mitgeholfen, nicht wahr, Kameraden!?), der Weinumsatz um plus 3% (da haben die Kameraden schlapp gemacht. Das Saarland ist nach wie vor ein Biertrinker-Ländle.) Allein im Zeitraum vom 12. Bis 22. März stieg der Gummi-Absatz (nicht Sommerreifen) um plus 56% - da sind die Oster-Hasen wohl munter gehoppelt.

 

13:07 Uhr: WHO warnt vor zu frühen Lockerungen
13:26 Uhr: Berlin öffnet Spielplätze wieder ab 30. April. Unklar wie Abstands- und Hygieneregeln umgesetzt werden.
Ob Merkel DAS mit „allzu forsch“ gemeint hat.
13:37 Uhr: In Hannover vertreibt die Polizei hundert Jugendliche von Spielplatz
Unbelehrbare!
14:04 Uhr: Frisör-Besuch wird teurer
Zeitlicher Mehraufwand und Ausgaben für Schutzmaßnahmen führen zu Aufpreisen. Wir meinen: Jeder muss entscheiden, was er tut.
 
Am kommenden WE wäre in St. Wendel der 14. Globus-Marathon – nein, keine Einkaufssonderaktion, sondern eine Sportveranstaltung mit Marathon, Halb- und Team-Marathon. Seit jeher ein Publikums-Magnet, das durfte der Chronist lange Jahre als Moderator der VA miterleben. ABGESAGT!
Pfingstmarkt, Bauern-, Handwerker- und Winzermarkt, Super-Moto, Stadtfest, SR-Open-Air  – ABGESAGT!
Theateraufführungen, Schauspiele mit Livemusik, Jubiläumskonzert 110 Jahre Männerchor Winterbach, Jazzkonzert, Kleinkunstabend – ABGESAGT mit Terminverschiebung.

Ab August könnte es wieder aufleben – das bis her zwangsweise schlummernde kulturelle und gesellschaftliche Leben in der nordsaarländischen Kreisstadt.

Wie der leidenschaftliche Urlauber an den Sommer denkt, so denkt der Chronist aber auch an viele regionale und überregionale Veranstaltungen.  Da war für 30. April in Schwalbach das Maibaumsetzen mit Fassanstich geplant, da sind die Nikolai-Festspiele in Berlin (August) geplant, da stehen Klassentreffen und Abitur-Jubiläen an, da planten die „Freunde des Frohsinns in Werder/Havel ihr traditionelle „Mai-Mucke“ (Aprilende/Maianfang), Vereinsmitglieder in der ganzen Republik freu(t)en sich auf das Wiederaufleben früherer Geselligkeit.

 

Immerhin soll der Sportbetrieb teilweise wieder aufgenommen werden – geisterhaft oder in gewohnter Form? Laschet (Dortmund) und Söder (Bayern) wollen unbedingt die Meisterschaft ausspielen (lassen). „Brot und Spiele“, wir erinnern uns.

Noch ein Gedanke treibt den Chronisten um: Wie werden künftige Begrüßungen/Verabschiedungen stattfinden? Das übliche  Händeschütteln(Jugendsprache der 60er: „Briketts schaukeln“)   dürfte bis auf Weiteres entfallen- oder gar ganz verschwinden. (In der NS-Zeit wurde es bekanntlich ersetzt, in der „DDR“ war es das SED-Partei-Signet). Für manchen Zeitgenossen ist es sowieso überflüssig. Aber man stelle sich vor: Kein Händeschütteln zur Gratulation (Geburtstag, Hochzeit, Taufe), zur Kondolenz, zum Glückwunsch aus freudigem Anlass, zur Verabschiedung aus dem Berufsleben!
2017 war Händeschütteln in einem Katalog zur „Leitkultur“ durch den damaligen Innenminister de Maizière aufgeführt worden. Auch wenn bei dieser Begrüßung laut einer Analyse körpereigene Duftstoffe übermittelt werden, so wird dieser unmittelbare  Körperkontakt bis auf Weiteres „verduften“, ebenso wie Umarmung und der in unserer Region sehr beliebte Wangenkuss. In der westlichen Welt gilt der Händedruck als Zeichen für Selbstbewusstsein, Kraft und Willensstärke.
Legen wir diese Attribute lieber im Kampf gegen das Virus an den Tag und begrüßen uns jeden gelebten Tag mit einem Lächeln!   

 

Zu guter Letzt: Vor Wochen hieß es noch bei dm: „Nur eine Packung Klopapier pro Nase.“ Daraufhin bin ich traurig nach Hause gegangen.

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