Tag 3 nach den Restriktionen

Blick auf einen Wohnblock in St. Wendel
Foto: (c) Saarland Today/Gerald Wind

Der Tag beginnt sonnig, wohlige Wärme wird sich den ganzen Tag über halten. Ich darf gespannt sein, was mich heute in der kleinen Kreisstadt-Welt unter der Geisel der Pandemie erwartet.

Am Vormittag trägt mich mein Drahtesel zum marktbeherrschenden Einkaufsriesen der Region.

Der Bierausschank (sonst beliebter Feierabendtreff) ist ebenso geschlossen wie im oberen Bereich viele andere Bereiche (Schmuck, Schreibwaren, Textilien etc.); durch abgedunkelte Abteilungen führt eine Schneise in die hell erleuchtete Abteilung für Babybedarf – gespenstisch. Im Marktinneren sind auf dem Boden rot-weiß-trassierte Markierungen vor den Kassen und vor den anderen Verkaufsständen zu sehen. Doch: Manch übereifrige Käufer möchte in gewohnter Manier seine eingekaufte Ware flugs auf dem Förderband platzieren und überschreitet die Markierung.

Auf der Rückfahrt in die City schnell noch ein Blick bei meinem Stamm-Café-Bäcker; der hat sein Außenmobiliar verstaut, im Innenbereich sitzen jedoch plaudernde Gäste so unbekümmert, als sei die Welt in Ordnung. Zwei Meter Abstand – niemals!

Im Lauf des Tages vernehme ich die frohe Kunde, dass das Marien-Krankenhaus wieder geöffnet hat.

Am Busbahnhof sichtet der Berichterstatter knutschende junge Menschen, ebenso im Bahnhofsinnenbereich. (Mit 17 hat man Corona-Träume und man möchte auch nicht unter 20 sein).

Der Radler rollt durch die fast tote Bahnhofstraße Richtung Mott. Kein Mensch

Geht zur Bibliothek (Foto), die ist ja auch geschlossen. Allerdings sitzen vereinzelt junge Menschen auf Bänken, nicht dicht an dicht, aber auch nicht im erforderlichen Abstand.

Schnell ein Abstecher in die Parkstraße, entlang am Stadtpark – gähnende Leere – „Brav, Ihr Mitmenschen!“, denke ich. Der Spielplatz ist gesperrt. Wo sind wohl gerade jetzt die Stammgäste dieser Anlage?

Zurück geht’s zum Schlossplatz, der am 19. März 1945 von amerikanischen Soldaten besetzt wurde.

Wo einstmals weiße Kapitulationsfahnen hingen, wo Leuchttransparente die Bäckerei/das Café Fröhlig markierten, wo Kettenfahrzeuge und Jeeps rundum den Platz eine waffenstrotzende Wagenburg bildeten,  haben die Gastronomen des 21. Jahrhunderts die Reißleine gezogen und ab heute geschlossen, wie übrigens auch in Alsfassen.

Traurig präsentiert sich der historische Platz, über den schon einst die legendäre Herzogin Luise gewandelt war: Verloren stehen die für den Ostermarkt (fällt leider aus!) aufgebauten Buden herum, auf schmucklosen Ornamentstützen prangt ein wenig verloren über dem Brunnen die sonst so prachtvoll wirkende Osterkrone. 

Dass nicht nur der Ostermarkt der Pandemie zum Opfer fällt, sondern auch das so beliebte SR-Ferien-Open-der und der traditionelle alljährliche Marathonlauf – das stimmt den Betrachter nachenklich.

In der Oberstadt sitzt man übrigens outdoor in fröhlicher Runde bis kurz vor 18 Uhr vor dem ältesten Gasthaus der Stadt.

Es treibt mich nach Hause. Am Zufahrtsweg zur stillgelegten Bahntrasse (Saar-Radweg) sitzen bei strahlendem Sonnenschein Streetfoot und Bier genießende Mitmenschen, die dort des Öfteren herumlungern (anders kann man es nicht ausdrücken) und dem Outfit nach nicht unbedingt zu den Gutsituierten der Gesellschaft zählen.

Das ist jedoch blass gegenüber einer Schlägerei in Mannheim um Toilettenpapier oder eine Feuerlöscher-Attacke eines Betrunkenen in Bottrop (Quelle: waz).

Nachdenklichkeit beim rasenden Reporter: Die staatliche Anordnung untersagt zwar größere Ansammlungen von Menschen in der Öffentlichkeit, aber ab welcher Zahl beginnt die unerlaubte Größenordnung?

Abends die Meldung: Am Sonntag beraten Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten über eine Ausgangssperre. Freiburg hat sie seit heute schon, drei bayrische Städte seit gestern. Und was in Bayern greift, ist wenig später auch im Saarland.

 

Mir schwant nix Guddes!

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