Tag 3 L(ockerung)

Sofo in Luxemburg
Foto: (c) Gerald Wind

Maskenpflicht und Alexa kontrolliert

Wie mit feinem Goldstaub überzogen präsentiert sich am Morgen des Chronisten Fahrzeug unter strahlender Sonne. Doch das hoch im Kurs stehende Edelmetall ist es nicht, auch sind es keine Überreste der in der vergangenen Nacht niedergegangenen Sternschnuppen, was den PKW ver(un)ziert – es sind Blütenpollen. Am Montag noch beim „Blauen Elefanten“ gereinigt, doch elefantös liegt das gelbe Zeug auf der braunen Lackierung. Es war vor einigen Tagen schon mal erwähnt: Wer dieser Tage hustet oder schnieft, der hat kein CV (Corona-Virus, nicht „Deux Cheveaux = 2 CV), sondern gehört zu den bemitleidenswerten Mitmenschen, die von Heuschnupfen und Pollenflug geplagt sind.

Ein Blick auf das heutige Titelfoto: „Meine“ Couch, der Chronist vermisst sie, war sie doch oft Ziel vieler großer und kleiner Radeltouren, entweder zum Zwischenstopp oder End-Picknick. Aber: Derzeit ist dieses lauschige Plätzchen mit Blick auf die Mosel unerreichbar. Wer kennt übrigens den Standort? (Einsendungen an leserbrief@saarland.today – wir losen unter den Einsendungen etwas aus.)

Der Tag ist noch lang, was steht heute an? Der Chronist entschließt sich spontan zu einer single-häuslichen Corona-Inventur, allerdings unter Ausschluss des Mobiliars, der Wäsche, der Bücher. Bis zum frühen Abend konnte unter dem Verzehr von zwei Tassen Kaffee, einem Liter Wasser, drei Bananen und zwei Tellern Bigos (sprich auch „Binoche“) ein gewisser Überblick verschafft werden: 12,75 Rollen Klopapier, 8,25 Rollen Küchentücher, 3 Flaschen Rapsöl, 7 Bananen, 3 Avocados, 2 Äpfel, 1 Brot, 1 Packung Zwieback, 3 Flaschen (Apfel-, Balsamico, Wein-)Essig, 1 Glas Kokosöl, 2 Päckchen Sauerkraut, 3 Dosen geschälte Tomaten, 2 Gläser Spargel, 3 Dosen Erbsen, 1 Dose Mais, 2 Zitronen, 100 Biergläser, 3 Flaschen Rotwein, 1 Flasche Rosé, 1 Flasche Grauburgunder (Anbruch), 1 Flasche Ayran, je 1 Tetrapack Mandelmilch und Sojamilch, 1 Glas Oliven, 1 Glas Artischocken, 1 Packung Lachs zum Dünsten …  5 selbstgenähte Schutzmasken, 3 Fahrrad-Halstücher, 6 Winterschals, 12 Sommer-Halstücher, 24 Päckchen Tempos, 3 Zahnbürsten, 10 Kerzen, 250 Teebeutel diversen Geschmacks, 100 Teelichter, 80 CD’s, 15 LP’s, 300 MC’s, 1 Laptop, 1 Tablett, 1 Handy, 1 Netz-Telefon, 3 Mountainbikes, 1 Straßenrad …..
Spätestens hier ist des/der geneigten Lesers/Leserin Geduld zur Genüge strapaziert. Es sollte einerseits dokumentiert werden, dass für den Chronisten weitere Einschränkungstage locker zu bewältigen wären, auch wenn hier und da ein Waren-Defizit zu verzeichnen ist, zum anderen kann man bei Lektüre der vorgenannten Auflistung mit dem eigenen Vorrat vergleichen. Es sei anheimgestellt, gewisse Größenordnungen zu über- oder unterbieten, dem noch vor nahezu 30 Tagen registrierten Größenwahn mancher Mitmenschen muss niemand mehr verfallen.

Mitten in die „Inventur“ platzt die Nachricht: Ab Montag Maskenpflicht auch im Saarland! Kam nicht überraschend.
13:00 Uhr: Maskenpflicht in allen Bundesländern – beim Einkauf, in Bus und Bahn.
Es hatte sich nach den gestrigen Diskussionen schon abgezeichnet. Auch wenn industriell gefertigte (und sicherer schützende) Masken derzeit Mangelware sind, so genügen auch selbstgenähte sogenannte „Alltagsmasken“ oder Schals. Abstand muss man nach wie vor wahren!
Über Sinn und Zweck kann man streiten. Aber schon entsteht wieder unnötiges Gerede über die neue Anordnung. Leute, NICHT zu tragen ist ein Schutz beim Essen, Trinken, unter der Dusche, auf der Toilette, im Bett, auf dem Balkon, auf dem Fahrrad, beim Rasenmähen, beim Tapezieren, beim Streichen (oder?), beim Grillen, vor dem TV (die Ansagerin, Jauch und Heidi Klum sind immun). Bei Aldi St. Wendel hat das Personal Plastikschutz mit Stirnbügel (sieht aus wie eine Schweißerbrille).
Maskenpflicht: Berufsgruppen wie Bankräuber, Einbrecher und Kreditkartenbetrüger können über soviel Rückständigkeit nur lächeln.

Übrigens tauchte da in den Wortgefechten um PRO und CONTRA eine neue Pluralbildung auf: „Mundschütze“. Bisher kannte der Chronist nur den „Wildschütz“ oder „Sportschütze“. Corona macht eben schlau (siehe unser früherer Beitrag.)!

Überhaupt zeigt die Diskussion zu den  Themen „Schutzmaske“, „Test“, “Impfstoff“, „Ausgangsbeschränkungen“: Wir sind nicht gerüstet, die Politik hat keine Vorsorge getroffen. Jens Spahn brachte es heute im Parlament auf den Punkt: „Nach der Pandemie werden wir alle neu darüber nachdenken müssen, welche Maßnahmen getroffen werden, können bzw. dürfen. Wir haben seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland solch eine Situation noch nicht gehabt.“

Mittagszeit: Die bisher vom Chronisten verwöhnten Gourmets müssen sich heute mit zwei Fischbrötchen (hm, Frischfang aus der Ostsee, gegessen einstmals in Wismar) begnügen. (Nicht jaulen, heute Abend wird gegrillt.)

 

Sommerurlaub 2020 – Ja oder Nein? Diese Frage bereitet reiselustigen, aber vornehmlich der Branche großes Kopfzerbrechen. Empfehlung der Stiftung Warentest: Man sollte sich kundig machen, wie die Situation im Reiseland ist.

Gestern auf den Tag genau war Leserin Petra S. auf Malle. Etwas fernab der „Ballermänner“ genoss sie als Mallorca-Fan („Meine zweite Heimat“) das Urlaubsflair. Ein schönes Video mit einem tollen Gitarrensolo eines Straßenkünstlerin verschönerte der Touristin die Osterzeit 2019 (können wir leider hier nicht hören).Ja, Ostern ist ja erst ein „paar Stunden“ vorbei!
Es bleibt vorläufig bei Erinnerungen von „ihrer Trauminsel“, wie sie SaarlandToday schreibt.

17:00 Uhr: Bei Globus an der Kasse erheitert den Zeitgenossen die Auslage eines Buches (an der Kasse, wo sonst Kaugummis, Süßwaren, Zigaretten präsentiert werden!) mit dem vielsagenden Titel: „Das Fundament der Ewigkeit.“ Von Ken Follett. Sehr vielsagend, denn die Pandemie dauert nun schon eine gefühlte Ewigkeit und außerhalb von Corona-Zeiten muss man manchmal an der Kasse eine Ewigkeit warten.   
Versprochen ist versprochen. … wird gegrillt, im Vergleich zu den Würsten sitzt die hungrige Zwei-Personen-Schar in gebührendem Zwei-Meter-Abstand, akkurat vermessen und eingehalten, beim Übertreten der Abstandsmarken ist ein Signalton zu hören: „Alexa, melde wer übertritt!“

 

Noch zwei erfreuliche Nachrichten des Tages:

1. Es wurde ein Impfstoff entwickelt, der noch getestet werden muss; es wird jedoch noch einige Monate dauern, bis Wirksamkeit ausgetestet und Freigabe-Genehmigung durch sind.

2. Die Rente wird erhöht – beschlossen, verkündet, wirksam ab 1. Juli.

 

Die heutige Abendstimmung kommt nicht aus Malle, sondern aus Potsdam – von der Glienicker Brücke (auch als Agentenbrücke bekannt).

Zu guter Letzt: Der Körper hat inzwischen soviel Desinfektionsmittel  und Seife absorbiert – beim Toilettengang reinigt sich die Schüssel von selbst.

 

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