Tag 28 der Ausgangsbeschränkungen

Sonnenuntergang
Foto: (c) Gerald Wind

Wehe, wenn sie losgelassen!

Welch ein herrlicher Tag, strahlend blauer Himmel, die Sommersachen können endlich aufgetragen werden – doch die gute Stimmung am Frühstückstisch kommt bei der Lektüre dieser Nachricht schon in‘s Wanken:
07:21 Uhr:   Deutsche nehmen Corona-Auflagen weniger genau.  (Quelle: Meinungsforschungsinstitut Kantar). 73% waschen sich öfter länger die Hände, nur 44% desinfizieren die Hände, 71% halten den Sicherheitsabstand. Ein Experte: „Der psychologische Druck ist nicht so hoch wie in Frankreich wegen der vielen Todesfälle, zudem ist das medizinische System hierzulande belastbarer.“ Anmerkung: Dieses Gottvertrauen auf unser (in aller Welt beneideten) ist jedoch dann dahin, wenn die vorgenannten Prozentzahlen vor den Hintergrund suggerierter Sorglosigkeit sinken.

Alle wissen wir, nach der ersten Spielhälfte kommt die Halbzeit, nach dem Schlusspfiff kommt der zweite Kabinengang, nacherfülltem Arbeitstag kommt der Feierabend, nach dem Leben kommt der Tod.
Fast einen ganzen Monat haben uns nun den Ausgangsbeschränkungen angepasst und leben entsprechend. (Nicht alle, siehe dazu unsere gesonderten Anmerkungen.) Den Chronisten befällt, wie schon gestern geäußert, jedoch das Gefühl, viele Mitmenschen haben schon ihre eigenen Lockerungen (nicht Lockerungsübungen) in Kraft gesetzt. Paradebeispiel ist ein (führerscheinloser) Mann, der in der Nähe von Trier aus Luxemburg fahrend, mit Ehefrau auf dem Beifahrersitz und …. zwischen Reifen auf einem offenen Pritschenwagen versteckten Kindern des Weges fuhr. Ob der Zugriff der Polizei den nun zum achten Male ohne den „Lappen“ Fahrenden kuriert hat? Wohl kaum!

08:04 Uhr: Bundestagspräsident Schäuble bringt Verkürzung der Sommerferien ins Gespräch. Hat er einen unserer vorigen Beiträge gelesen?
08:55 Uhr: Erste Welle dank Maßnahmen gut bewältigt. Unser Rat: Dann verhaltet euch auch weiterhin so, dass es keine zweite Welle gibt.
09:09 Uhr: Millionen Kinder und Jugendliche drücken bald wieder die Schulbank. Zuerst Abschlussklassen und Klassen, die 2021 Prüfungen ablegen, und die Viertklässler, die die an weiterführende Schulen gehen, unterrichtet werden. Und der Rest? litaneiartig fragt der Chronist: Welche Fächer können überhaupt unterrichtet werden?
11:24 Uhr: Maas: Ist der Sommerurlaub in Gefahr? Die weltweite Reisewarnung gilt vielleicht über den Sommer hinaus, es ist nicht abzuschätzen. In Ländern mit Ausgangssperre kann man keinen Sommerurlaub machen. Des Chronisten Freund Guido wird als auch den für Mai geplanten Urlaub auf Borkum überdenken müssen. Dort kann man zwar spielend am Strand die Zwei-Meter-Distanz wahren, aber abends im Hotel, beim Essen, in der Longe wird’s schon bedenklich.  Rat: Bleiwen vorläufig dehemm! Dazu passt die spätere Meldung von 17:28 Uhr: Urlaub zunächst in Deutschland.

Mahlzeit! Heute widmet sich der Chronist der syrischen Küche: Kubbe, Bulgur-Fleischmantel mit Füllung aus Fleisch, Zwiebeln, Nüssen). Tabulé, Falafel, Humus, Auberginenmus, mit Reis gefüllte Weinblätter, verschiedene Dips)

 

Am Mittag bedrängt ein Verkehrsrowdy in einem flotten Audi den Chronisten auf der mit 70 km/h zu befahrenden Strecke  zwischen St. Wendel und dem Ostertal. Dem Geschwindigkeitsrausch wäre beinahe ein jähes Ende gesetzt worden, als eine Radlergruppe aus dem Geländebereich Missionshaus auftauchte. Der geneigte Leser wird meinen, das könnte jeden Tag so sein. Es sei ihm entgegnet, bei einigen Mitmenschen brechen rücksichtsloses Verhalten,  latent schlummernder Egoismus gerade in diesen Tagen durch. Solidarität, Vernunft, blieben und bleiben Fremdwörter und werden es auch für die Leute bleiben.
Was wird das erst, wenn alle Beschränkungen, alle Regeln wieder aufgehoben sind? Wird’s so sein wie im Februar?

13:23 Uhr: Schleswig-Holstein öffnet ab Montag Einkaufszentren. Oha, denkt man Neunkirchen oder Saarbrücken – wie soll das funktionieren, auch wenn ein Sicherheitskonzept zur Auflage gemacht wird.
14:41 Uhr: Toilettenpapier ist weniger gefragt. Man erinnere sich an den australischen Hamsterer (gestriger Bericht) – er hat von seinen 5000 Packungen was abzugeben.
14:46 Uhr: Sachsen beschließt Maskenpflicht in ÖPNV und Einzelhandel. Na, super, ist wohl nur mit selbstgefertigten Masken zu stemmen.
15:55 Uhr: Acht Drittligisten fordern Abbruch der Saison. Fußball ist fast schon zum Fremdwort mutiert. Die bayrischen Vereine wollen jedoch die Partien ohne Zuschauer fortsetzen. (Klar Haching rechnet sich Meisterambitionen aus.) Lautern wäre über den Berg. Wenn jedoch Großaspach (19. Platz) runterkäme, dann gibt bis in die Oberliga ein Stühlerücken.
16:04 Uhr: Söder bringt Gehaltsverzicht für Politiker und Beamte ins Gespräch. Da wird jedoch der Beamtenbund jaulen. Allerdings sollten Polizisten und andere verbeamtete Hoheitsträger unseres Erachtens nicht verzichten!
G‘fiehr Di, Markus! Auch unseren Beitrag vor wenigen Tagen gelesen? Vorbild ist die australische Premierministerin Ardem, die sechs Monate auf 20% ihrer Bezüge verzichten will.

SaarlandToday hat (fast) weltweit seine Leserschaft, nicht nur im Saarland, sondern auch u.a. im Miami, Berlin und auch in Iserlohn. Immer wieder erreichen den Chronisten Fotos, die wir gerne berücksichtigen. Roshin aus Iserlohn hat uns das Resultat eines harten Tages Arbeit dokumentiert: Blumenkübel aus Eimern gemacht, selbst gefärbt und dekoriert, bepflanzt. Danke für die Einsendung!   

 

17:07 Uhr: Deutsche haben weniger Angst vor Infizierung. Man merkt‘s. Willi meldete am Vormittag von einem Baumarktzentrum zwischen Saarlouis und Bous „Weltuntergang“. Vormittag Baumarkt in Saarlouis: Kollege Willi berichtet von „Hölle“. Geschiebe, Gedränge, schon im Parkbereich – wie in „alten Zeiten“.
18:15 Uhr: Laut Berliner Verwaltungsgericht ist Angst vor Corona kein Grund für Abi-Prüfungsrücktritt; eine Abiturientin hatte geklagt. Mensch, Mädel, probier’s, wird schon klappen, vielleicht gibt’s ja eine gewisse Corona-Milde bei den Prüfern!
18:36 Uhr: Laschet: Werden unser altes Leben noch lange nicht leben können. Mann muss weder Ministerpräsident noch Partei-Vorsitz-Kandidat sein, um zu solche einer Erkenntnis zu gelangen.
18:56 Uhr:  Der Kreis der Verkehrssünder schließt sich. In Wuppertal klaut ein 14jähriger das Auto seiner Eltern und liefert sich mit der Polizei eine Verfolgungsjagd.
19:26 Uhr: Wie erbärmlich muss man sein, um in eine DRK-Kleiderkammer für Bedürftige in Paderborn einzubrechen und 3000 Schutzmasken zu klauen?  

 

War doch ein wahrlich schöner Tag heute, oder?

Zu guter Letzt: Im Mittelalter wurden Orgien gefeiert, nachdem die Pest besiegt worden war. Weiß jemand, ob schon was in dieser Richtung geplant ist?
 

 

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