Tag 27 der Ausgangsbeschränkungen

Schwimernder Hund in der Saar bei Ensdorf
Foto: (c) Willi da Silva Borges

Hauruck oder mit Maß und Ziel?

Während Hund Lukas sich in den Fluten der Saar kühlt, ist irgendwie der Chronist am Spätnachmittag beim Abfassen seines täglichen „Rapports“, blockiert. Seit wenigen Stunden liegen Konzept und Entscheidung  der Bundesregierung zum weiteren Vorgehen während dieser Pandemie vor. Die bestehenden Maßnahmen werden bis zum 3. Mai verlängert. Aha, langsam wird Luft rausgenommen, Corona-Pandemie soft ist wohl angesagt. In Sachen „Schule“ scheren einige Bundesländer aus, haben aber „ihren Senf“ ansonsten dazugegeben – das ist Föderalismus in unserer freiheitlichen Demokratie (auch wenn es immer noch irgendwelche Unverständigen gibt, die meinen, wir leben derzeit in einer Diktatur. Leute, ich glaube, gerade IHR habt im Vergleich zu den „Ossis“ oder unseren Großeltern NIE in einer Diktatur gelebt!).

Großveranstaltungen fallen bis zum 31. August aus. (Na, da kann der Söder sein Oktoberfest wohl doch noch retten.) Nur 68% befürworten die vorerst weiter geltende Schließung gastronomischer Betriebe (Wer garantiert mir, dass der Koch nicht ins Essen gehustet oder auf den Salat geniest hat? Besteht Mundschutzpflicht im Küchenbereich?) Mal nebenbei bemerkt. Wir haben uns doch inzwischen unsere eigenen kulinarischen Kreationsmöglichkeiten entfaltet, Partner kochen wieder gemeinsam und essen nicht einsam wie vor der Pandemie, nach der Hamsterphase haben wir vom Klopapier-Menü zum Frischgemüse –Dinner gewechselt. Plötzlich sind wir uns der Vielfalt und des üppigen Angebots unserer eigenen Küche mehr als je zuvor bewusst geworden. Wozu noch außerhalb speisen zu hohen Preisen? Wegen der Freunde, wegen der Gesellschaft? Manch ein Feierabend-Kneipen-Gast hat entdeckt, dass er zum Preis der vielen (Bier-)Kreuzchen auf seinem Deckel zwei Kisten Urpils im Angebot bekommt. Prost! Außerdem: Wir riskieren weder unseren Führerschein noch setzen wir uns einer gewissen Unfallgefahr aus. 

06:49 Uhr: Deutsche bestellen in der Krise mehr Wein. Während der Absatz im Bereich der Gastronomie eingebrochen ist, füllen sich die heimischen Weinregale und –keller. Ein Blick in mein Regal zeigt, ich muss aufrüsten.
07:23 Uhr: Der gute Herr Grupp (ja, der Trigema-Chef, der mit der Affen-Werbung) hätte gerne 120 e für zehn Masken. Vor einigen Wochen gerierte er sich in einem Film noch als ein Samariter der Maskenproduktion, hätte die Produktion nach Hinweis von außen umgestellt. Der als cleverer Geschäftsmann geltende Unternehmer hat jedoch immerhin Arbeitsplätze erhalten und Kurzarbeit vermieden.  
08:20 Uhr: Am Montag wird’s ernst: Abi-Prüfung in Berlin, am Dienstag in Schleswig-Holstein. Dazu in Hessen, Niedersachsen, NRW, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Meck-Pomm  ab 27. April Unterricht für die Abschlussklassen 10, 12 bzw. 13. Auf geht‘s!

Uns erreicht über Jutta S. die Nachricht von einer netten Oster-Begebenheit in Welschbach (Dank, Jutta!). Dort erfreuten sich Tim (4) und Daniel (3) an den Ostergaben von Ur-Oma Gerda (78). Nix Außergewöhnliches an Ostern, jedoch zu Corona-Zeiten lief das mal ganz anders ab. Die Ur-Oma ließ die Ostergaben per Körbchen aus dem ersten Stock. Der kleine Tim ist besonders traurig, bringt ihn die Ur-Oma doch sonst immer in den KiGa. Aber: Es muss eben Abstand gewahrt werden

 

10:34 Uhr: Ford Saarlouis (und Köln) produzieren wieder ab 4. Mai. Abhängig ist’s jedoch von den Lieferketten und Nachfrage der Kunden.

Produziert wird auch in Sulzbach. Dort fertig Reham Stoffpuppen – die hier gezeigten tragen den Namen Sumsum und Jasmin.

11:14 Uhr: „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ abgesagt“.

Es treibt uns jetzt „an den Trog“. Im Home-Office essen wir: Küchenchef Wolle in Falkensee kredenzt uns auch heute wieder etwas Leckeres. Gestern hat  übrigens ein Blick in den Kühlschrank dem seit Wochen kulinarisch verwöhnten Chronisten signalisiert, dass er nach Ende der Pandemie wohl oder übel einen Kurs bei den Weight Watchers belegen muss.  

 

14:48 Uhr: Keine Maskenkontrollen in Bus und Bahn. Verdammt nochmal: Warum denn nicht? Schon Lenin wusste einst: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Auf Vernunft alleine zu setzen, das klappt nicht. Siehe die immer noch zahlreichen Verstöße gegen die aktuellen Bestimmungen.
17:00 Uhr: In Heilbronn musste eine Beerdigung mit 200 (!) Gästen von der Polizei unterbrochen und nur auf den engsten Familienkreis umgefriemelt werden. Geht‘s noch?
17:14 Uhr: Große Mehrheit steht hinter Maßnahmen-Verlängerung (laut Forsa-Umfrage).   
17:17 Uhr: Russland verschiebt die sonst am 9. Mai stattfindende symbolträchtige (Sieg über den Hitlerfaschismus) Militärparade. Tja, Corona in seinem Lauf hält manches politische Ereignis auf.
 17:36 Uhr: TV-Virologe Dorsten (Berlin) meint, dass sich das Virus in den nächsten Wochen und Monaten gleichmäßig in Deutschland weiter verteilen wird.

 

20:08 Uhr: Kunde (in Australien) will knapp 5000 Rollen Klopapierrollen sowie 150 Liter Desinfektionsmittel zurückgeben. Der angefragte Marktleiter hatte als Antwort den berühmten Mittelfinger parat.

Die Tierwelt hält Abstand – zumindest unsere reiher-Freunde am Saar-Altarm in Saarlouis.

Was kommt? Wie geht’s weiter? Klappt das mit den vorzeitigen Schulöffnungen? Wie verhalten wir uns in Verkaufsräumen bis zu 800 m²? (In den Baumärkten geht’s ja auch.) Ob vorzeitige Urlaubsbuchungen, frühe Ticketskäufe, Verwandtschafts- oder Freundesbesuche – wir müssen uns noch in Geduld üben. Der Weg in die andere (coronafreie) Richtung wird noch nicht aufgezeigt.

Fakt ist: Wir sind noch nicht über den Berg!

 

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