Tag 26 der Ausgangsbeschränkungen

Start des Radweges in St. Ingbert
Foto: (c) Gerald Wind

Lockerungen nicht zu locker sehen!

Rhythmisches Hämmern, geräuschvolle Solodarbietung einer Rüttelplatte, kühler Wind, versteckte Sonne – Anastasia, Una, Maolisa, Mogens, Ciaran, Maro, Lynda, Oana, Linn und Damian lassen grüßen – deren Namenstag ist heute. Nikolas ist eher ein Tief als ein Hoch. Von solch einem Tagesstart wird man noch den Enkeln erzählen!

07:19 Uhr: Neuseelands Regierungschefin kürzt sich in Pandemie das Gehalt. (Hat wohl unseren Artikel gelesen. (Könnte der /die eine/andere Politiker/in hierzulande auch machen!)

Seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen lässt sich der Chronist einen Bart wachsen lassen, frei nach dem Motto „Man(n) müsste noch mal 20 sein, coronafrei wie damals…“ (Willi Schneider). Das damalige Erscheinungsbild mit Bartwuchs unmittelbar nach der (zweijährigen) Bundeswehrzeit 1971) hätte gereicht, um auf die Fahndungsliste der einstigen RAF zu rücken. Kurzer Schwank dazu aus dem Soldatenleben: 6 Wochen vor Beendigung der BW-Zeit ließ sich der junge Leutnant (und stellvertretende Kompaniechef) einen Bart stehen. Eines Morgens äußerte der Divisionskommandeur sein Missfallen über den unsoldatischen Gesichtsschmuck. „Herr Leutnant, Sie haben etwas vergessen!“ – „Herr Generalmajor, nicht, dass ich wüsste, Kompanie angetreten, keine besonderen Vorkommnisse.“ – „Herr Leutnant, Sie haben vergessen sich zu rasieren!“ – Herr Generalmajor, mit Verlaub sagen dürfen, keineswegs: Bevor ich am 1. Juli 1969 hier einrückte, ließ ich 14 Tage vorher meine Haare schneiden, rasierte mich zwecks Vorbereitung auf meine hiesige Dienstzeit. In 14 Tagen ist meine Dienstzeit am 25.06.1971 zu Ende – ich werde ein Studium an der Uni Saarbrücken aufnehmen und bereite mich auf die Studienzeit vor.“ „Wegtreten!“ Worauf kurz danach der junge Leutnant seiner Funktion entbunden war und 14 Tage nix mehr zu tun hatte…quasi Soldat in Kurzarbeit war.      

Intensive Körperpflege ist nach üppigem Frühstück (heute ohne Fotodokument) angesagt. Schließlich gibt Frau Bundeskanzlerin am Nachmittag eine PK zum Thema „Lockerungen der Beschränkungen.“ Der Bart sprießt, wobei „Meins“ (Frauen sind der General im Haus!) und auch Anna immer mahnen: „Rasier dich! Der Bart macht dich alt.“ Eigentlich haben sie recht, das Grau rund um den Gesichtserker und zwischen den Ohren dominiert – aber Corona-sei-Dank kann ich noch mal 20 sein! Aber ich setze mich durch so wie der „Bassemoluff“-Weiant vom SR, "dem sei Irmsche" ist auch immer schnell überstimmt. Fotografisch wird das Ganze zur Enttäuschung vieler Leserinnen jedoch nicht dokumentiert (Kein Foto, aber ich schwöre: Ich bin schön! Referenzen sind vier Jahre Mitwirkung an den Nikolai-Festspielen in Berlin, in einem Kinofilm, einem Fernsehfilm mit Veronika Ferres, einem studentischen Filmwerk sowie 70 Jahre Erdendasein.)

11:15 Uhr: Deutschland verlängert Grenzkontrollen ((außer an den Grenzen zu Belgien und den Niederlanden, dort jedoch intensive Überwachung im 30-km-Krenzraum).
Der Magen knurrt, der Speiseplan ist wie immer spontan - bevor jedoch die Hausfrauen unter der Leserschaft murren – hier die Saarland-Today- Empfehlungen des Tages aus Falkensee und Iserlohn:

 

Der Drahtesel möchte Gassi gefahren werden, wobei er auch in diesen Tagen kein Bewegungsdefizit hat. „Ei, allee dann!“ Der Radweg von St. Wendel (zu „Bullis“ Zeiten einst als heimliche Radsport-Hauptstadt gepriesen)  nach Tholey bis zum Tunnel ist seit 2004 eine beliebte Bewegungspiste für Radler, Skater und Fußgänger. Wir frequentieren sie fast täglich 14 Kilometer hin, 14 Kilometer zurück,  kennen fast jeden (noch stehenden) Baum, jeden (noch nicht abgeholzten) Strauch persönlich, manch einer ist durch unsere (und anderer Leute) Bewässerung (Freund Charley würde sagen „Sickerchen“) stolz gewachsen – wir brauchen keine Orientierung, zumal die moderne Zeit uns mit Navis auch für’s Rad gesegnet hat. Tut es immer wieder (rein psychologisch) gut, wenn der Passant gerade mal wieder einen vollen oder halben Kilometer bewältigt hat und ein innerliches stolzes „Aaaah!“ aufkommen kann.

 

Der Radler stellt auf seinem heutigen Ritt – eigentlich schon seit fünf Jahren – fest: Mein Freund, der Radweg ist krank, ja, es fehlt ihm „ebbes“, er „is net gesund“ - und das seit Jahren. Die Krankheit: Die einstmals für teures (Steuer-installierte Beschilderung ist weg, verschwunden. Schon das Entrée-Schild gleich hinter der überdimensionalen Skater-Skulptur ist weg - eine wahre Null-Nummer! Schon nach 500 Metern zeigt sich die fachmännische Vorgehensweise derer, denen die Beschilderung entweder ein Dorn im Auge ist oder die sich der Sammlerleidenschaft hingegeben haben: Ein Stumpf, für einen Ast als traurige Vase dienend, zeugt vom einstigen stolzen Standort eines Pfahls. So geht’s weiter: Bei Kilometer 1,0 Pfahl ohne Schild, Kilometer 1,5 alles vorhanden, Kilometer 2,5 steht komplett, Kilometer 3,0 nur der Pfahl, Kilometer 3,5 steht komplett, Kilometer 4,0 schildloser Pfahl, Kilometer 4,5 komplett …. – kurzum: bis Tholey fehlen 15 Schilder, 1 Pfahl. Kurz vor dem Tunnel war wohl eine Beschilderung einem Fahrzeug bei Mäharbeiten   im Wege und liegt seither achtlos im Gebüsch. (Mal sehen wie lange noch!?)

Tagsüber sieht man natürlich keinen mit der Flex, niemanden mit geräuschlosem  Fachwerkzeug. Wer kennt das Lied von Alexandra „Mein Freund der Baum – ist tot, er fiel im Morgenrot.“? Im Morgenrot klaut auch keiner entlang der Piste, da ist schon Betrieb. Irgendwelche zweibeinigen Nachtschattengewächse haben in den letzten Jahren ihr Unwesen am Radweg getrieben. Man fragt sich, wer braucht so etwas? Vielleicht zieren irgendwo schöne Schildchen einen Partykeller?
Der Radweg jedenfalls ist zum Patienten mutiert, von einem nicht minder bösen Virus befallen: dem Klau-Virus. „Hast du heute nix geklaut, war der ganze Tag versaut.“

Nachmittag, erwartungsvoll lauert die Nation auf die neuen Beschlüsse der Regierung, die sich jedoch, während das Volk gemütlich speist, erst mal mit den Ministerpräsident/inn/en absprechen. Es wird bekannt, dass Dänemark die Schulen öffnen will, aha, kommt es dem Chronisten in den Sinn: In Tondern (Dänemark) kann man bekanntlich unbürokratisch und schnell heiraten, warum nicht auch Abi schnell in Dänemark machen?
13:11 Uhr: 107. Tour de France wird auf 29.08. bis 20.09. verlegt.
14:58 Uhr: Das Verbraucherherz des Vielfahrers Herz jubelt – Benzin so billig wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.
16:08 Uhr: Deutsche sollen in Bus und Bahn „dringend“ Masken tragen (Anmerkung: Wenn eine vier ÖPNV-Personen industriell gefertigte Masken zur Verfügung hätten, dann bräuchten sie pro Arbeitstag vier Masken mal fünf Tage macht 20 Masken mal 22 Arbeitstage pro Monat macht 440 Masken. Würde man selbstgefertigten Mundschutz tragen, so bräuchte man für jeden Tag einen anderen, derweil der Rest gewaschen oder für den nächsten Tag benötigt wird. Guter Vorschlag also, aber schwer umzusetzen, oder?)
16:40 Uhr: Großveranstaltungen bleiben verboten – auch Fußballspiele. Das Stadion bleibt also leer. (Klinsi kann’s recht sein.) In diesem Zusammenhang muss auch nicht bis August von Urlaub träumen, denn in den Urlaubsorten kommen aus aller Herren Regionen Leute massenhaft zusammen, über deren  Gesundheitsstatus man nix weiß; auch weiß man nicht, wie gut die Unterkunft inzwischen desinfiziert wurde – Kammerjäger kontrollieren da nicht. Ein zweites Ischgl oder Sölden?

 

16:44 Uhr: Schulen; KiGa’s und Hochschulen sollen ab 4. Mai schrittweise öffnen. Dazu muss aber erst die Infrastruktur hergerichtet werden: Klassen-/Seminarrräume mit Tischen in entsprechendem Abstand, Toilettenbenutzung, Cafeteria-Frequenz, Pausenhof-Verhalten, ist Sportunterricht (auf dem Lehrplan steht Schwimmen) überhaupt möglich, Desinfektionsstationen müssen eingerichtet werden, wie kann man den Besuch von Uni-/Instituts-Bibliothek steuern  usw. , usw.  – auf dem Papier sieht alles gut aus, die Realität, Damen und Herren Politiker/innen, sieht anders aus. Aber man hat erkannt, dazu ist ein Vorlauf notwendig. Notbetreuung in KiTas wird fortgesetzt.  Geschäfte bis 800 m² Verkaufsfläche, Kfz-Händler, Fahrradgeschäfte, Frisöre, Buchhandlungen können öffnen: Voraussetzung: Auflagen der Hygiene einhalten! (Auszug aus dem Beschluss der Telefonschaltkonferenz Kanzlerin/Länderchefs)
Übrigens: Die Schlagzahl der Corona-Späßchen auf WA hat nachgelassen. Haben sich alle meine Freunde und WA-Chat-Partner inzwischen wieder in den alten Alltag gestürzt? Österliche Untätigkeitszeit ist vorbei, man merkt’s.
17:29 Uhr: Bisher geltende Kontaktbeschränkungen grundsätzlich bis 3. Mai verlängert.
18:03 Uhr:  Bundeskanzlerin spricht von „zerbrechlichem Zwischenerfolg“.
20:12 Uhr: Deutschland meldet über 300 weitere Corona-Tote (war nach dem Oster-WE zu rechnen, da einige Gesundheitsämter erst nach Ostern vollständige Zahlen einreichten). . Zahl der Todesfälle gibt dennoch Grund zur Vorsicht.
20:21 Uhr: Saarland testet alle Heimbewohner.

Am Abend erreicht den Autor ein Anruf aus dem Bundeskanzleramt: Man danke für die Aufmerksamkeit während der PK und angemessenes Verhalten. Ob ich heute Zwiebeln und Knoblauch im Mittagessen gehabt hätte. Ich bejahe die mich überraschende Frage. Ein „Danke, gesunde Zeit!“ beendet den Small-Talk.
Dabei war der Chronist doch frisch geduscht, gefönt, gestylt, gecremt….

Was die so alles bei zwei Meter Abstand merke(l)n!?  

 

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