Tag 21 der Ausgangsbeschränkungen

Heringe mit Pelkartoffeln
Foto: (c) Ramona Müller-Titeux

Karfreitag 2020: Schmale Küche, bunte Dekorationen, viel freie Zeit  

Was bekommt man für 148 €? 80 Pack Küchentücher à 1,85 € oder zwei Tankfüllungen Kraftstoff oder 124,40 Packungen Rispentomaten oder einen Container Kaugummis … oder ... - der geneigte Leser kann sich das alles selbst weiter „fortspinnen. Vom Chronisten kommt die Antwort parat: 148 € kostet derzeit ein Hotelzimmer in Zandvoort – richtig gelesen. Im niederländischen Küstenort tummeln sich derzeit Touristen – kaum zu glauben, oder? Und in Sylt, ja, wohin vor wenigen Tagen noch Touristen geschmuggelt worden waren, beklagen sie ein „Desaster“ wegen ausbleibender Gäste.

Karfreitag 2020: Frühaufsteher saugen die ersten Infos aus den News auf. 06:43 Uhr: In Osnabrück muss eine Coronaparty von der Polizei aufgelöst werden.
08:43 Uhr: Bundesweit mehr als 50.000 Genesene Personen
Für die evangelischen Christen ist heute der höchste Feiertag, für die Katholiken ist`s (soll’s) ein absoluter Fast- und Abstinenztag sein. Prozessionen, Pilgerwanderungen, Gottesdienste, Andachten fallen aus. Über Internet und Radio bieten die großen Konfessionen Übertragungen an. In Düsseldorf besuchen mehrere Hundert Besucher in einem Autokino einen ökumenischen Karfreitags-Gottesdienst, soll Ostersonntag (evangelischer Gottesdienst) und Ostermontag (katholischer Gottesdienst) fortgesetzt werden. Geile Idee! Weiterhin keine Hochzeiten, keine Taufen, keine Familienbesuche und –feste – alles fällt aus, muss(te) umgeplant werden. Selbst Bestattungen können derzeit nicht in gewohnter Weise stattfinden, Urnenbeisetzungen sollen zu späteren Zeitpunkten terminiert werden. Konfirmationstermine werden auf den September verschoben.

 

Der häusliche Magenfahrplan ist dem heutigen Tag in vielen Haushalten angepasst. Auf Fleisch wird verzichtet, Fisch in diversen Variationen ist angesagt: Gedünstet, gebraten, mariniert. In einem bundesdeutschen Krankenhaus gibt es wie in Kliniken üblich eine breite Essensauswahl – die kann im normalen Haushalt nicht angeboten werden.

13:12 Uhr: Forscher einer Forschungsgemeinschaft sagen: Schulen schrittweise öffnen, KiTas geschlossen lassen.
13:37 Uhr: Zahl der Diebstähle und Einbrüche sinkt (kein Wunder, fast alle sind ja zu Hause. Einbrecher melden Kurzarbeit an.)
15:00 Uhr: Feiertags-Kaiserwetter: Auf den umliegenden Radwegen tummeln sich Radler, Skater, Fußgänger – solches Gedränge kennte der Radwanderer eigentlich nur vom Donau-Radweg. Nun, es treibt die Leute (manche mit Hund)  raus – gut so, Sauerstoff, Vitamin D sind gesund, dem Bewegungsdrang kann unbeschwert nachgekommen werden. Wenig Rücksicht zeigen einige (Renn-)Radler – sie brausen mit hohem Tempo heran, quetschen sich durch die Fußgängergruppen so, als wollten sie irgendwo am Tholeyerberg in die Bergwertung kommen oder gar das gelbe Trikot. (Nebenbei bemerkt: Das ist auch außerhalb von Coronazeiten so!)  
Kaffezeit: Wer vom Radeln oder Spaziergang zurückkommt, der hat (wieder) Hunger. Nicht fehlen darf deshalb auf manchem Tisch leckeres Backwerk so wie bei Haus-, Hof-, Leib- und Magen-Bäckerin Nicole -  die hat in Merchweiler mal wieder gezaubert.   

 

Der Chronist erinnert sich an manche Osterradtour (Main, Elbe) oder Aufenthalte in Potsdam, Berlin, Freiburg, aber auch an eine Main-Tour mit Schnee, Kälte, Eis. Was ist uns also lieber – warmes Corona-Kaiserwetter oder ohne Corona frieren (und auch zu Hause bleiben)? Übrigens hätten zu Monatsbeginn die ersten Feste in Falkensee und Werder/Havel bei den karnevalistischen Freunden stattfinden sollen.

Der Tag geht zur Neige, die Abendsonne lächelt, Ostern hat einen Fuß in der Tür. Pieper in Saarlouis hatte heute geöffnet – kein übermäßiger Andrang. Im TV darf man gespannt sein auf all‘ diese so genannten „Sandalenfilme“ (schon mal hört?), die auf fast allen Kanälen aus der Konserve gesendet werden. Unsereins ist schon gespannt auf Ben Hur’s Wagenrennen, vor allem auf die Szene, in der der römische Wagenlenker eine Armbanduhr (!) trägt. (Ist wirklich wahr, ist den Filmemachern durchgegangen, war nicht herauszuschneiden, auch nicht nachzudrehen.) Ansonsten sind wir alleine unter (Haus-)Palmen im Home-Paradies.

Alle Witzchen über „Corona-Bier“ werden hinfällig. Die mexikanische Herstellerfirma hat ihre Produktion eingestellt. Grund: Der Name „Corona“ ist negativ behaftet. 

Diese Feiertagsstille, die nur vom Zwitschern der Vögeln unterbrochen wird, stimmt den Chronisten jedoch auch nachdenklich: Der Nachbar zur Linken verbringt das erste Osterfest alleine, seine Frau verstarb letzten Herbst. Viele von Kurzarbeit Betroffene müssen bis auf Weiteres den Gürtel enger schnallen. Manche/r Geschäfts/mann/frau sinniert über die weitere Zukunft. Arbeitnehmer bangen um Arbeitsplätze. Risikopatienten sind doppelt vorsichtig geworden. Schwerstkranke bedürfen noch mehr der Zuneigung – um nur einige Beispiele zu nennen – es wäre beliebig fortzusetzen.

Der Chronist ist kein Pfarrer, aber er gibt den geneigten Lesern mit auf den Weg: Machen wir das Beste aus der Situation, hören wir mal in uns hinein, bleiben wir achtsam und vorsichtig, bleiben wir geduldig und hoffnungsvoll, zeigen wir uns in der Gemeinschaft stark, es kann nur besser werden!

Nicht nur an Corona-Ostern!
(Text: gew/Fotos: Nicole, Mona, Barbara, Roshin, Wolle, gew)

 

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