Tag 20 der Ausgangseinschränkungen

Lila Veilchen
Foto: (c) Nicole Langer

Vor Ostern = während Ostern = nach Ostern

(gew) Zwanzig Tage gelten nun schon die sogenannten „Einschränkungen“. Mancher erinnert sich mit Wehmut (besser auch vielleicht mit Demut) an unbeschwerte Zeiten vor Beginn der Pandemie zurück. Im Februar hat man hierzulande noch ausgelassen Faasend gefeiert, bekanntlich war der  rheinische Kreis Heinsberg besonders schwer betroffen – viele hatten sich beim dortigen Karnevalstreiben infiziert. Ausgelassen wie immer hatte man gefeiert, hatte geschunkelt, gesungen, getanzt, gelacht. Vergessen die hiesige Diskussion um Brauchtum, um Zulassung gleichgeschlechtlicher Paare zur Wahl des Prinzenpaares des Jahres, um Zarin Charlotte I., vergessen die pulsierende Welt der Narren in ihren bunten Kostümen, Uniformen – geziert von blinkenden Orden. Verhallt sind Gesänge, Büttenreden, aus den Augen sind Gardetänze und Sprünge von Funkenmariechen, verdrängt die Planungen für die nächste Kampagne. Manche/r hatte schon für Ostern Urlaubspläne geschmiedet, die breite Palette der Vorfreude zog sich von der Nordsee über die Kanaren bis hin zu Südkorea. Doch: Es wird 2020 bei Balkonien, Zu-Hause-Land, Heimreich, Gartenia oder Terrassien bleiben. (Ist ja auch kostengünstiger!)

Folgen wir zunächst einigen vorösterlichen Meldungen des Gründonnerstag.

03.56 Uhr: Kondome könnten knapp werden. Grund: Der Marktführer in Malaysia hat zwischen März und April 200 Millionen weniger Präservative produziert. -

05:33 Uhr: Die deutschen Haushalte sind ausreichend bevorratet, Hamstern hat nachgelassen. -

06:12 Uhr: Minister Spahn hält Lockerungen der Einschränkungen für möglich. Aber: Erst mal die Entwicklung während der Ostertage abwarten. -

06:46 Uhr: Die Polizeigewerkschaft empfiehlt, Verstöße gegen die bestehenden Beschränkungen erst einmal privat zu klären, nicht zu denunzieren, keine Wichtigtuerei an den Tag zu legen. „Höfliches Miteinander!“

07:05 Uhr: Der Islam-Dachverband Ditib rät Risikogruppen im islamischen Fastenmonat Ramadan (beginnt am 24. April) zur Zurückhaltung. Kein Wort zu Massenzusammenkünften. Im Netz wogen dazu Diskussionen. Mit Verlaub: Als Bundesbürger mit Verantwortungsbewusstsein erwartet man gerade in dieser Pandemie-Zeit von ALLEN, nicht nur von Risikogruppen, egal welcher Glaubensrichtung, die Einhaltung der aktuellen Verhaltensregeln. -

07:22 Uhr: Zahl der Corona-Todesfälle steigt bundesweit auf 2.107. -

08:07 Uhr: Bundesminister Altmaier warnt vor „Selbstgewissheit und Selbstzufriedenheit“. Weiterhin sind Disziplin und Verantwortungsgefühl angesagt! -

08:44 Uhr: Der wohl wieder genesene CDU-Vorsitz-Kandidat Friedrich Merz warnt vor möglicher zweiter Eurokrise. Danke für den Hinweis, aber der Otto-Normal-Bürger sieht doch schon seit geraumer Zeit, dass Europa nicht so funktioniert, wie sich das die Gründerväter einst vorgestellt haben. Keine Lösung Gab es vor im Finanzstreit vor dem Hintergrund der Pandemie, destruktives Verhalten gerade der Ostblockstaaten in der Flüchtlingsfrage. So ist z. B. nicht bekannt, dass das erz-katholische Polen oder Ungarn unbegleitete Flüchtlingskinder aus den griechischen Lagern aufgenommen haben. Deutschland marschiert mal wieder voran. -

15:22 Uhr: Verschiebung der Sommerferien laut KuMi-Konferenz kein Thema. (Anmerkung: Schau’n mer mal! In Kleingruppen lernen, das ginge. Aber: Lernen im (nicht klimatisierten) Klassenzimmer, gefüllt mit bis zu 28 Schüler/innen, plus Betreuungspersonal für Inkludierte plus Fachlehrer – das wird so schnell und so bald nicht funktionieren. Nix für ungut, Ihr Kultusminister/innen, kaum einer von Euch hat jemals an der pädagogischen Front gestanden) -

15:30 Uhr: Dr. rer. nat. Merkel (ja, unsere Kanzlerin) ist zuversichtlich: „Anlass zu vorsichtiger Hoffnung ….. Wir können das Land gegen das Virus verteidigen!“

Gründonnerstag am Spätnachmittag: Ostern steht vor der Tür („Wolle mer se roilosse?“). Plan B muss greifen für den Haushalt, ob Single oder mehrköpfige Familie. Speiseplan für die Ostertage, Braten oder Hausmannskost, gefärbte oder Rühreier, Osterschmuck im und um’s Haus – für viele eine völlig neue Situation. „Es wird nichts mehr so sein wie vorher.“ prognostizierte manch einer für die Zeit nach der Krise. Veränderungen haben uns alle schon schneller eingeholt, als wir dachten.
In der Stadt überall Beschilderungen, die wir vor wenigen Wochen noch nicht zur Kenntnis nehmen mussten, die wir gewiss noch einige Wochen zur Kenntnis nehmen müssen. Man ahnt zudem: Existenzen stehen auf dem Spiel. Nichts wird mehr so sein wie vorher!

 

Lese ich recht? Das kann doch nicht wahr sein!?!?

17:47 Uhr: Gericht kippt Osterreiseverbot der Landesregierung in Mäc-Pomm im Eilverfahren. Die dürfen dort an die Küste, auf die Inseln, zur Seenplatte. Und unsereins muss den A… zu Hause lassen … Parkplätze am Bostal- und Losheimer See gesperrt. Lebe ich auf dem (gestern noch so aktuellen) Mond? Allerdings: In der Hauptsache wird noch entschieden.

Zwischenfrage: Mogelt sich aber da nicht der/die Eine bei uns dennoch durch? Wen haben die PKW’s, die seit gestern in reinen Wohngebieten parken,  mit Kennzeichen aus Frankreich, Luxemburg, England (!), der Schweiz, München, Birkenfeld, Bochum, Stuttgart, Vechta, Cloppenburg, Trier (ja, der Radler sieht alles!) hierhergebracht? Wohl keine Leiharbeiter, keine Erdbeerenpflücker und auch keine Spargelstecher! In St. Wendel wachsen weder Erdbeeren auf großen Beeten, noch sind hier Spargelfelder.

 

Erkenntnis des Tages: Exit erst dann, wenn klarer Trend erkennbar ist.

In wenigen Stunden ist Karfreitag….. (Text: gew/Fotos: Mona, Nicole, Willi, gew)

 

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