Tag 2 L(ockerungen)

Katze des Chronisten
Foto: (c) Gerald WInd

Hoffentlich kommt kein Katzenjammer!

Der Chronist sammelt zunächst einmal die Meldungen der Nacht.

00:59 Uhr: Klingbeil kritisiert „Hahnenkampf“ Laschet – Söder. So sind sie die Politiker. Da wird ja in einigen Medien der Söder sogar als Kanzlerkandidat gehandelt. Apropos Kandidat: Weiß noch jemand, wie man die Namen Merz und Röttgen schreibt? Und auch die drei Buchstaben AKK sind in die Jagdgründen des Vergessens entschwunden.
01.59 Uhr: Sachsens MiPrä für „Geisterspiele“, wie Söder und Laschet. Wen hat Sachsen eigentlich in der Bundesliga?
02.22 Uhr: Dienstleistungen und Einzelhandel besonders betroffen. „Konsumklima deutlich gesunken“, heißt es.
04:38 Uhr: Nissan schließt vorübergehend Hauptsitz in Japan. „Hilfe!“, schreit der Chronist (eigentlich ohne Not) auf. Außer zwei neuen Sommerreifen und dem obligatorischen Ölwechsel steht jedoch nix an.
05:25 Uhr: Schulleiter in NRW rechnen mit Lehrer-Engpässen, es gehören viele Lehrpersonen (in manchem Kollegium 50 bis 80%) den Risikogruppen (Herzpatienten, Lungenerkrankung, Altersstruktur) an. Das betrifft aber auch andere  Bundesländer. Man denke mal an diejenigen 60-plus-Kolleg/inn/en, die (wie Barbara in Saarlouis) in diesem Jahr aus dem aktiven Berufsleben ausscheiden – Corona-Pensionisten …. die brauchen bis Schuljahresende gar nicht mehr anzutreten. (Da hat’s der Chronist (2014) ja noch gerade so geschafft.)
06:24 Uhr: Fehlendes Schutzkonzept verzögert Vergabe von Frisörterminen. Kein Hygiene-Plan, es aber eilig haben! Da muss der Zentralverband selbst aktiv werden und nicht auf Empfehlungen von oben warten! Gertrud in Leverkusen muss also noch Geduld haben.
Die Morgensonne strahlt ohne Power – starker und kalter Ostwind … wir müssen auch heute dem Virus die kalte Schulter zeigen. Und: Es bleibt weiterhin trocken – im Gegensatz zu mancher Kehle.
Was bringt der zweite „lockere“ (oder gelockerte) Tag?
Gestern schrieb Isabella Bauch auf Fb (wir dürfen mit Erlaubnis zitieren): „Ich würde mir wünschen, dass die Menschen wieder hoch erhobenen Hauptes, besonders beim Einkauf, herumlaufen, mit einem Lächeln im Gesicht, sofern keine Maske getragen wird. Wieder miteinander reden anstatt eiligen Schrittes vorbeizugehen mit einem kurzen Blick, so als ob man sich nicht kennt. Lasst Euch doch von diesem Virus nicht noch die letzten Attribute nehmen! Wir sitzen doch alle im gleichen Boot und haben denselben Weg vor uns. Wir können uns doch alle mit Respekt, Freundlichkeit, Empathie und dem natürlich notwendigen Abstand begegnen. Das macht das Leben leichter. Man muss sich nicht fühlen wie ein Aussätziger. Das musste ich einfach mal loswerden.“
Danke, Isabella! Den Nerv gut getroffen. Leider stellt man jedoch draußen im Alltag, zumindest seit dem letzten WE fest, dass einige Mitmenschen den Ernst der Lage noch nicht verinnerlicht haben.
08:06 Uhr: In der Türkei übertreffen die offiziell bekannten Infiziertenzahlen inzwischen die der Fälle in China.  Zudem wird eine hohe Dunkelziffer erwartet.  
Da wird sich HWG in St. Wendel wohl den Türkei-Urlaub abschminken müssen.
08:26 Uhr: SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach zu geplanten Fußball-„Geisterspielen“: „Niemand braucht Brot und Spiele“. Mit diesem Zitat aus der Römerzeit trifft der Mann den Nagel auf den Kopf.
09:08 Uhr: Nun ist’s offiziell – leere Wies’n, keine Brezen, keine Gaudi – das Münchner Oktoberfest 2020 ist zum ersten Mal seit 70 Jahren abgesagt. 6 Millionen Besucher werden sich anderweitig vergnügen müssen, 7,3 Millionen Maß Bier bleiben ungetrunken, 124 Ochsen bleiben unverzehrt (Zahlen aus 2019). Vernünftig wie wir meinen, denn immerhin ist Bayern verdammt hart von aus Infektionen resultierenden Todesfällen betroffen.
10:53 Uhr: RKI: „Virus auszurotten, ist wenig realistisch.“ Wäre der Erreger hierzulande verschwunden, ist er dennoch in anderen Ländern vorhanden und könnte eingeschleppt werden. Leute, dann beginnt der Huddel wieder von vorne. Wollt Ihr das?
11:41 Uhr: „Urlaub in Deutschland kann in diesem Sommer wieder möglich sein. Sommerurlaub in Mittelmeerregion denkbar.“, meint Entwicklungsminister Gerd Müller (nee, nicht der ehemalige Bomber der Nation). Politikerworte. Denken kann man an alles, Herr Minister, nichts ist unmööööglich, heißt’s in einer Werbung. Doch nicht vergessen: Ständiger und vor allem unsichtbarer Reise-Begleiter ist das nicht ausrottbare Virus.
12:12 Uhr: Maskenpflicht ab 27. April in BaWü für Einzelhandel und ÖPNV. Brandenburg lehnt sie ab, Saarland hat noch keine Pflicht.
12:30 Uhr: Schobermesse 2020 in Luxemburg abgesagt.

Mittagessenszeit, Kochtopf, Pfanne und Teller rufen – seit 32 Tagen sind sie täglich im Einsatz so wie vor der Pandemie nicht.  

 

Virologe Drosten:  „Distanzierungsmaßnahmen werden jetzt schon von allen Seiten infrage gestellt.“ Und: „Bei R = ca. 1 verbreitet sich das Virus unter der Decke der Maßnahmen weiter. Auch jetzt schon."

Ist es nicht erschreckend und alarmierend, dass nach Angaben des saarländischen Gesundheitsministeriums nahezu 350 (=15 %) Ärzte, Pflegekräfte und Bedienstete von Krankenhäusern und Rehakliniken infiziert sind? Arztpraxen sind statistisch (noch) nicht erfasst.

An dieser Stelle sei vor dem Hintergrund einer Meldung noch einmal das Engagement der im Medizinbereich Tätigen ganz besonders gewürdigt. SaarlandToday meint: Bärenstark!

 

Anstatt über Größenordnungen von Verkaufsflächen zu diskutieren, sollten Politiker und Verbandsmanager vielleicht mal im Sinne „lockerer“ Zukunft Konzepte vorlegen, auf dass der Verbraucher, Kunde, Bürger beruhigt nach vorne schauen kann. Öffnung von Schulen, Einzelhandelsgeschäften – alles schön und gut. Legt doch erst mal fest wie Hygieneregelung, Zutrittssteuerung und Mindestabstand funktionieren sollen, können. Das geht nur unter Kontrolle.
Ein Schulleiter gibt einen kurzen Einblick ins schulische Szenario: „Türklinken müssten regelmäßig gereinigt werden, ausreichend Desinfektionsmittel müssten vorhanden sein, kleine Lerngruppen müssten eingerichtet werden, das Verhalten auf dem Pausenhof bedarf der Kontrolle, vielleicht wäre ein gestaffeltes Pausensystem eine Möglichkeit … und … und…“
14:25 Uhr: THW Kiel ist Deutscher Meister im Handball – dank Corona. Im März hatte bereits die Eishockeyliga ihren Spielbetrieb vorzeitig beendet, aber keinen Meister gekürt.
14:41 Uhr: Alle Schüler in Rheinland-Pfalz bekommen am 4. Mai zum Schulstart Schutzmasken geschenkt. Dazu werden die Schulen mit 70.000 Litern Desinfektionsmittel ausgestattet, zusätzlich soll es 430.000 zusätzliche Schutzmasken für den Notfall geben. Was hört man zum bevorstehenden Schulstart aus Saarbrücken? Hätte man als Eltern oder Großeltern, Lehrperson oder Schüler ja mal gerne gewusst!
15:43 Uhr: BärBel fragt auf Fb: „Wann kommt im Saarland die Maskenpflicht?“ Da antwortet SaarlandToday gerne mit den Worten von Tobias Hans: „ Wir müssen erst mal ausreichend Masken haben, um alle Bürger/innen damit auszustatten.“
15:34 Uhr: Negative Auswirkungen der Pandemie an anderer Stelle: Organisierte Kriminalität boomt.
15:48 Uhr: Land Berlin sagt alle Großveranstaltungen bis Ende Oktober ab. Bis zu 20 Personen dürfen sich aus zwingenden Gründen (familiär und privat) treffen, Taufen, Bestattungen, Hochzeiten, sind wieder möglich, ab 4. Mai Gottesdienste, Versammlungen und Ortsfeste mit bis zu 50 Personen unter freiem Himmel sind erlaubt. (Da wird wohl gelost, wer kommen darf und wer nicht.) Hygienevorschriften müssen eingehalten werden.

 

Auch Träger von Maßnahmen wie Sprachkursen, Umschulungen, Schülerpraktika und Berufsqualifizierungen müssen derzeit ihre Aktivitäten einstellen. Mitarbeiter müssen in Kurzarbeit, Honorarkräfte bleiben zu Hause, Zuweisungen vom Job-Center gibt es vorläufig nicht.

16:00 Uhr: Die Innenstadt von St. Wendel ist tot, obwohl einige kleinere Geschäfte geöffnet haben. Der große Ansturm ist überall ausgeblieben", sagt uns ein Geschäftsmann. Auf Schlossplatz und Fruchtmarkt, wo sonst Tische und Stühle der einheimischen Gastronomie zum Verweilen einladen, sitzen die Eislecker auf Treppenstufen und in Nischen, Sonnenstrahlen erhaschend. Auch auf der „ Mott“ haben sich kleine Personengruppen eingefunden.
Überall wie auch auf dem Radweg nach Tholey gibt es mal wieder unterschiedliche Auffassungen, was Zwei-Meter-Abstand bedeutet. Die KVHS Buxtehude soll im Herbstsemester Kurse anbieten mit dem Titel „Wie bewege ich mich während einer Pandemie im Freien?“
 
Wer auf dem Weltmarkt Öl kauft, bekommt noch Geld dazu, verrückt, nicht wahr!? Der Ölpreis fällt. Das „schwarze Gold“ ist wegen der Pandemie zum „klebrigen Pech“ geworden. In Wirtschaftskreisen spricht man inzwischen von drohender Deflation. Die Benzinpreise fallen.  Autofahrer jubeln, müssen nicht mehr nach Luxemburg. Jedoch: Der Radius von Ausfahrten ist klein, der Spritverbrauch gering.
16:21 Uhr: Heiko Maas verwirft die Erwartungen aller Sommerurlauber. „Eine normale Urlaubssaison gibt es diesen Sommer nicht.“ Keine vollen Strandbars und Berghütten.
Bei den Virologen jedenfalls sind die Alarmglocken noch nicht eingemottet. Das vergangene WE hat gezeigt, dass Partys, Demos, Parktreffs zeugen von Ungeduld, von verstecktem Unmut. Leider wird dies noch von einigen Medien geschürt.

Keine Weltuntergangsstimmung, aber: Das gewünschte Nahziel liegt noch in weiter Ferne.  

 

Empfehlung des Tages: Heute sind Sternschnuppen zu sehen – schaut mal raus!

Zu guter Letzt: Fundstück vom Schnäppchenmarkt: „Tausche Panik-Set (2 Rollen Klopapier, 1 Liter Desinfektionsmittel, zwei Schutzmasken, 1 Tüte Nudeln gegen Porsche 911 (je nach fehlender Ausstattung ist Aufzahlung erforderlich.“

 

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