Tag 2 der Ausgangsbeschränkungen

Fitnessanlage in St. Wendel
Foto: (c) Saarland Today/Gerald Wind

Es liegt was in der Luft – der unsichtbare Feind organisiert unser Leben

(gew). Ein Sonntag wie kein anderer – unsereins erinnert sich an autofreie Sonntag wegen der Ölkrise (ab 25.11.1973 vier in Folge).

Walking ist angesagt. Beim Verlassen des Hauses fällt mein Blick auf den Briefkasten, dort ragt ein DIN-A-4-Blatt heraus. Inhalt? Der geneigte Leser möge bitte das Foto anschauen! Einmal abgesehen davon, dass ich - wie Winnetou es ausdrücken würde -  „der weiße Bruder 70 Sommer erlebt hat“, möchte ich anmerken, dass St. Wendel kein „Dorf“ ist. Aber: Schön, dass es eine solche Initiative gibt!

Der sportliche Rundgang  durch das Stadtrandgebiet von St. Wendel startet im Ortsteil Alsfassen Richtung Konversionsgelände. (Für Unwissende: der ehemalige französische Militärstandort). Auf den ersten 800 Metern Wegstrecke begegnen mir ein Pärchen, eine Katze und eine Einzelperson. Ein paar hundert Meter weiter erspähe ich an einer Wegekreuzung (exakt) fünf rauchende, kaffeetrinkende Personen, mit drei Hunden. Aha, Gassi-Geher-Treff mit Picknick!

Weiter geht’s – soweit die Füße tragen….

Vor mir erstreckt sich ein Gelände, auf dem bis 1999 noch französische Rekruten Stellungslöcher ausgegraben, Panzer das Erdreich durchwühlt haben. Danach wurde der Bereich konvertiert - und wie man heute sieht - zu einer nutzvollen Freizeitanlage (Golf) umgewidmet. Verwaist ist der große Golfplatz, nicht einmal - wie vor wenigen Jahren – pflügen Wildschweine die gepflegte Rasenanlage um. Drei Jogger kreuzen meinen Weg – sonst ist es hier belebter.

Einige hundert Meter weiter steht vereinsamt das Golfhotel, an Tagen wie diesem ein beliebtes Ziel von Golfern, Spaziergängern, Wanderern. Gähnende Leere auf den Terrassen und Balkonen sowie rund ums Gebäude. Still, aber nicht starr) ruht ein kleiner See, ein Handicap. TEE 1+100 schweigen.

Auch ein kleiner Unterstand für Passanten und der Hochseilgarten sind verwaist. Spaziergänger (Familien) kreuzen meinen Weg – zwei Meter Abstand scheint bei einigen ein Fremd-Begriff, das sicherlich lieb gemeinte Händchenhalten ist derzeit fehl am Platze.

Kalte Luft trotz strahlender Sonne begleitet mich zur Skateranlage. Diese ist vorschriftmäßig mit Band abgesperrt und dies hat seine Wirkung nicht verfehlt.

 

Es treibt mich wieder nach Hause, genug Kilometer zurückgelegt – alles im Sinne der Information und meiner Gesundheit (wir sollen uns ja bewegen, Sport dürfen wir machen). Vorbei geht’s am natürlich geschlossenen Hallenbad, unter dessen Dach keine Brustschwimmer oder Krauler anzutreffen sind. Auf Trimmgeräten unmittelbar vor dem Gebäude reckt und dehnt sich bis auf Weiteres niemand – eine Beschilderung verbietet die Nutzung.

Den Reigen ortsansässiger Freizeitanlagen schließt ein Fitnesscenter. Der leere Parkplatz davor zeugt davon: Niemand schwitzt und ächzt heute (und in den nächsten 14 Tagen für sein Wohlbefinden.

War`s das für heute? Nein: Freunde weilen in Thailand in Urlaub, wurden von der Coronawelle  (aus meiner Sicht nicht so ganz) überrascht, fliegen erst am 26. anstatt am 25. zurück – mit neun (!) Stunden Zwischenaufenthalt in Doha. So sieht man wenigstens was von der Welt.

Nachmittags Unruhe in den Medien, Ministerpräsidenten geben Pressekonferenzen, für 17:30 Uhr ist die Kanzlerin angesagt ……. es liegt etwas in der Luft. Es sickert durch, dass der „Flickenteppich an Maßnahmen“ unbefriedigend ist, dass keine Einigkeit bei den Landeschefs herrscht.

Die Rede ist von „Regelbrechern“, von „es muss „Null Toleranz geben“. Und dann der erste Kernsatz von Herrn Laschet (Zitat): „ Obwohl es um Leben und Tod geht, gibt es Menschen, die zuwider handeln.“ Und einige Textpassagen weiter der nächste Kernsatz (Zitat): „Die Gefahr ist nicht das Verlassen der Wohnung, sondern der Kontakt zu anderen Personen!“ Herr Kretschmann und Frau Dreyer drücken es anders, aber ebenso treffend aus.

17:30 Uhr, die Kanzlerin bringt ernste Kunde: „Wir haben als Gegenmittel noch keine Impfstoffe, deshalb müssen wir das öffentliche weiter zurückfahren.“ Und dann zählt sie wie ein Ringrichter einen angeknockten Boxer die Situation an: „Erstens…..zweitens….drittens……viertens…füntens…sechtens…siebtens…..achtens…..neuntes…“ – zehntens fehlt, aber das vorherige Regelwerk reicht ja schon. Die Lebensplanung für die nächsten zwei Wochen ist gesichert.

20 Uhr: Die Kanzlerin begibt sich in Quarantäne – sie hatte Kontakt mit einem infizierten Arzt, der sie am Freitag noch geimpft hatte. Ironie oder Tragik?

Auch wenn noch nicht feststeht, ob und was Frau Merkel hat - das Virus macht keinen Halt vor Amtsträgern oder Prominenz …. Friedrich Merz hat’s schon erwischt, Oliver Pocher und Johannes B. Kerner auch. 

 

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