Tag 18 der Ausgangsbeschränkungen

St. Wendel
Foto: (c) Saarland Today/Gerald Wind

Was (ver)brauchen wir eigentlich?

Seid gegrüßt, Ihr Lieben da draußen im SaarlandToday-Land! Der Chronist bedankt sich an dieser Stelle zunächst für alle guten Wünsche,  „Dankeschöns!“ und Ermunterungen. Gleichzeitig ein „Danke!“ für alle Informanten und Fotografen, die uns täglich mit „Info-Futter“ versorgen! Wir brauchen solche Beiträge!
Die Frage des Tages warf sich mir heute Morgen beim Frühstücksmahl auf dem sonnenumfluteten Balkon (im Hintergrund Oldies but Goldies aus den 60ern) auf: Was (ver)brauche ich eigentlich? Denn: Mein akkubetriebener Salzstreuer gab den Geist auf – Batterien leer. Ungesalzene Tomaten, bitter schmeckende Avokados, Ei ohne Würze? Unter den Ersatzbatterien, wie könnte es nicht anders sein, natürlich nicht diejenigen, ich gerade brauchte. Was tun? Also: Pfeffer aus dem einen Streuer raus, Salz und Pfeffer umfüllen und schon fehlte es dem Frühstück nicht mehr an Würze. Neue Batterien werden also gebraucht.

Ähnlich ging es mir vor wenigen Tagen mit dem Gitarrenstimmer. Batterie leer, neue bei Barbara (zwei Meter Abstand!) besorgt, die hatte noch Vorrat. Muss ich nachkaufen? Brauche ich welche?

Der Fluch des Mangels an bestimmten Dingen im Haushalt schwebt weiterhin nach dem Frühstück wenig später über meinem Spülbecken in der Küche: Spülmittel alle. (Hier zucken die Saarländer: Die Weck sin weg, se sin all‘ all‘!“). Ich brauche also neues Spüli!

Trump-Beraterin Deborah Birx hat bekanntlich gestern geraten, nur alle zwei Wochen einkaufen zu gehen - american way of life! Hierzulande ist dem Verbraucher vor nicht allzu geraumer Zeit (kommt einem wie eine Ewigkeit vor!) sehr nahe ans Herz und sonstwohin gelegt worden, seine Einkäufe auf das Wesentlichste zu reduzieren und eigens dazu selten(st) das traute Heim zu verlassen. Bei meinen letzten „Rundflügen“ durch die derzeit geöffneten Geschäfte beobachtete ich jedoch den/die eine/n oder andere/n Kaufentschlossene/n, dass es weniger zügig zuging, geschweige denn ein notwendiger Einkauf war. Ein unter Damen üblicher Frustkauf? Braucht man das?  Kosmetik zur Krisenbewältigung, manch eine Dame  brezelt sich zu Hause für den Daheimbleibenmüssenden mal wieder so richtig auf, Rouge, Lidschattenstifte etc. sind jedoch derzeit unverkäuflich, da muss SIE von der Reserve zehren).  Bekanntlich findet man in manchem Badezimmer in der femininen Abteilung mindestens 25 Lippenstifte, 15 Eyliner, acht verschiedene Shampoos, diverse Haarsprays, Haarfestiger – kurzum: Manche Dame könnte dm Konkurrenz machen (Zwinker).

Tierfutter geht übrigens immer, auch das Katze(n)klo (Helge Schneider grinst von Weitem) hat immer Nachschub. Die Katze braucht das!

Der heimische Verbrauch an Klopapier ist jedoch so gesichert, dass aus den reichlichen Vorräten immer noch Kunstwerke gestaltet werden können – dokumentierte Kostproben anbei. Gratulation zu solcher Kreativität! (Wir mutmaßen keine Hamsterkäufe aus künstlerischen Beweggründen heraus!) Verbrauch gesichert!

Salwa aus Sulzbach hat im Oktober vergangenen Jahres den deutschen Führerschein gemacht. Seither ist sie auf Suche nach einem Auto, denn sie muss täglich (zur zeit mit dem Bus) zur Arbeitsstelle fahren. Geld hat sie gespart, jedoch noch nichts Passendes gefunden. Braucht sie derzeit ein Auto?

Brauchen wir Nähe? Gerade in diesen Zeiten sicherlich, wer jedoch unter Paaren getrennte Wohnverhältnisse hat, der muss sich notgedrungen einschränken. H. aus St. Wendel fährt zu V. nach Blieskastel, S. in Sulzbach erhält über’s Wochenende Besuch von J. (der hatte vermeintliche Symptome in sich, klagte montags darauf über Fieber, Husten und Übelkeit, wurde vom Arzt nach mehrmaliger Anfrage auf 14 Tage häuslichen Aufenthalt verwiesen), C. fährt in Püttlingen um die Ecke zur Freundin und …. und… und…. Muss das sein? Hingegen fährt G. aus St. Wendel nicht zu B. nach Saarlouis, diese besucht auch nicht ihre Tochter in Freiburg, geschweige denn wie sonst traditionell über Ostern ihre Älteste in Miami, die Herrenrunde in St. Wendel hat alle (sonst fast täglichen) Zusammenkünfte eingestellt („Jeder lebt wie im Bunker.“, so ein Insider.) Langeweile, sexueller Notstand und Triebhaftigkeit zählen nicht zu den Gründen, deretwegen man(n)/frau das Haus verlassen soll (meist sind es die Männer). Wir brauchen die Unterbrechung gewisser Kontaktketten – keiner weiß, was der andere in sich trägt! Denn: Viele Infektionen entstehen zu Hause.

Übrigens: Bei so viel trotz Bewegungseinschränkung erstrebter Zweisamkeit erinnern wir uns an eine Studie. Je größer die Krise, desto mehr Kinder werden neun Monate später geboren. Bevölkerungsexplosion? Da wurden wohl reichlich Energien verbraucht…. Gesetzt der Fall, der Corona-Stress drosselt nicht die Lust. Kondome (Durex befürchtet „globale Knappheit“) sind ebenso begehrt wie Klopapier (soll man kaum glauben, habe keine leeren Regale gesehen), die einschlägige Branche steigert im Versandgeschäft die Umsätze an Sex-Spielzeug, Cremes, Penisringen (!) und sonstigen betörenden Artikeln. Gemeinsam (nicht) einsam! Das braucht der Mensch!

Zwischendurch zum Ernst der Lage: Uns erreicht ein Mitarbeiter-Rundschreiben einer Institution, die bis zuerst zum 01. April, vorerst bis zum 30. September 2020  Kurzarbeit anmelden musste. Der Lohn für März konnte noch überwiesen werden, dann gingen vorläufig die Lichter aus. Es wird auf Möglichkeiten eines Einsatzes als Erntehelfer, Helfer/in in Lebensmittelgeschäften oder Annahme eines Minijobs hingewiesen. Bitter für die vielen Angestellten, die nunmehr zu Hause sitzen müssen – nicht jeder kann das vorgenannte Angebot wahrnehmen.

Dabei brauchen wir dringend eigene Leute, die irgendwo helfen, nicht aus anderen Ländern! Und die Kurzarbeitenden brauchen das Geld!
Dazu passt: In der Innenstadt von St. Wendel haben Seit Wochenbeginn zwei Geschäfte geschlossen – für immer. Reserven aufgebraucht oder nicht vorhanden, schade!

 

Szenenwechsel zu den mathematisch Begabten und denjenigen, die (bisher) ein gesundes Verhältnis zu Zahlen haben: Laut Gesundheitsbehörde sollen wir so oft wie möglich mindestens 30 Sekunden die Hände waschen. Der Chronist hat mal gemessen: Pro Waschgang macht das circa drei Liter Wasser aus. Waschen wir zehn mal am Tag die Flossen, so sind das schon 30 Liter, mal 4 Personen…..Kopfrechnen 1, setzen! Rein statistisch gesehen verbrauchen wir für Toilettengänge pro Tag 40 Liter Wasser, bei einer Spülung jagen wir circa 7 Liter durch die Abflussröhre (die 2Alten“ erzählen nur noch selten aus früheren zeiten vom „Plumpsklo“). Für Körperpflege (Duschen, Zähneputzen) werden 20 bis 40 Liter des edlen Nass‘ vergeudet (bei langen Haaren noch mehr!). Im Monat verbraucht eine Person circa 3,5m³ an Frischwasser, macht bei einem Vier-Personen-Haushalt 170m³ im Jahr aus. Blumengießen, Essenszubereitung, Kaffee/Tee, Gartenbewässerung, Sprudelautomat, Waschmaschinengang, eventuell Autoreinigung noch nicht inbegriffen! Man kommt ins Grübeln. Einen Teil der vorher genannten Toilettengänge inclusive Händewaschen absolviert der Arbeitnehmer in seinem Betrieb, seinen Kaffe nibbelt er ebenfalls dort.  Was er zu Hause an Wasser bisher gespart hat, verbraucht er in Krisenzeiten doppelt und dreifach. Wäsche gewaschen wird häufiger, die Spülmaschine kommt ebenfalls öfter zum Einsatz als vorher – das heißt, auch der Verbrauch an Waschpulver, Strom, Wasser steigt – der an Seife sowieso. Mutiert das Volk vor dem Hintergrund der Corona-Krise zu einer unrasierten, ungepflegten Horde von Dreckspatzen?

   
Es entfällt der Gang zum Frisör, der darf aber zum Kunden nach Hause kommen (Diskussionsthema derzeit an höherer Stelle). Eitle Damen müssen auf ihre gewohnte Verschönerung („Was ist Ihr Frisör von Beruf?“) verzichten, bei Männern sind Langhaar und Bart angesagt. Es entzieht sich unserer Kenntnis, ob für die Branche Fortbildungskurse in Akrobatik angeboten werden – denn wer kann schon aus zwei Metern Entfernung am Kundenkopf werkeln, Dauerwellen machen, föhnen strähnen? Vielleicht kreiert man neue Frisuren!? Wer braucht das in diesen Zeiten?

Zwischendurch widmen wir uns dem Nachmittagskaffee und gönnen uns einem Stück Erdbeerkuchen (der hiesige ist aus Monas Produktion). Da wird einer jaulen, denn ohne Sahne mag der’s gar nicht. In Merchweiler ist Backfee Nicole (nicht nur) zu Krisenzeiten damit beschäftigt, Torten und Kuchen zu produzieren.

 

Zum Schluss: Der Chronist durchforstet in diesen Tagen sein Musikarchiv, das vornehmlich aus Oldie-Klassikern der 60er Jahre besteht (Oldies but Goldies!). Mit 70 hat man noch Träume … lach… nun, die Musikkonserven sind auf alten Musikkassetten zu hören – und das im CD-Zeitalter. Da raunzt und kratzt es, die Qualität der Musikwiedergabe hat nachgelassen, kein Wunder nach 40 Jahren. Und deshalb hat inzwischen manche Kassette den Weg alles Irdischen angetreten – ich brauche sie nicht mehr.
Dafür bräuchte er aber noch Datenvolumen – ab siebten Tag im Monat ist das Monatsvolumen bereits zu 80% aufgebraucht.

Der Chronist braucht jetzt Sonne und frische Luft – raus in die Natur! Allerdings lange Touren sollen ja unterbleiben – also nix mit einmal Mosel bis Wasserbillig und zurück.
Was brauchen wir eigentlich? Ruhe, Geduld, Ausdauer – ist uns in der schnelllebigen Zeit ein wenig abhanden gekommen. Und der Saarländer Peter in Berlin (seines Zeichens Wirtschaftsminister) rät : „Nerven behalten!“  In der Tat, gute Nerven brauchen wir, bis jetzt haben wir ja bewiesen, dass wir uns beherrschen können!
Zu guter Letzt: 1. Empfehlung für die Karwoche und über Ostern – benutzt  Trockennahrung: Spart Toilettenpapier – Ihr müsst nur abstauben! 2. Empfehlung für die an den Feiertagen touristisch Aktiven – steht um 7 Uhr auf und legt erstmal das Handtuch auf die Couch …. nicht dass die nachher besetzt ist!  (Text: gew/Fotos: gew, rmt, willi)

 

Neuen Kommentar hinzufügen

Eingeschränktes HTML

  • Bilder können ausgerichtet werden (data-align="center"), aber ebenso Videos, Zitate und andere Elemente.
  • Bildunterschriften können hinzugefügt werden: (data-caption="Text"). Auf diese Weise können aber auch Videos, Zitate, usw. ausgerichtet werden.