Tag 16 der Ausgangsbeschränkungen

Nasen-Mundschutz
Foto: (c) Saarland Today/Gerald Wind

Faasend hat (lange) Ruh‘ und dennoch maskiert

(gew). „Nach Faasend ist vor Faasend.“ Diese alte Erkenntnis gilt unter aktiven Karnevalisten. Doch deren Vorbereitungen, Planungen und Gedanken an die Fünfte Jahreszeit ruhen derzeit. Hört man sich in Insiderkreisen um, so wissen manche Verein nicht, wie’s weitergehen soll – sind sie doch kleine Unternehmen, die einiges erwirtschaften müssen, um die Jugendabteilungen, um die Vereinssubstanz am Leben erhalten, um laufende Ausgaben finanzieren zu können. Kleinkünstler, Musikkapellen bangen um ausbleibende Aufträge und Karnevalspräsident Frank aus Berlin (BCC) bringt noch einen weiteren Aspekt ein: „Wir wissen ja noch gar nicht, ob manche Lokalität, mancher Saal im November noch besteht.“ Spätestens hier fallen auch der Krise zum Opfer die stets vom Chronisten (selbst seit 64 Jahren aktiver Karnevalist und KC-Präsident in Spandau) kritisierten Abzocker, die von Verein zu Verein pilgern (draußen wartet das Taxi) und sich für ihre Auftritte entlohnen lassen (wir wollen das Thema nicht vertiefen, Faasend ist Ehrenamt!).

Was treiben nun Karnevalisten in diesen Zeiten? („Corona Grün, ich hab‘ dich husten gehört“ ist out, geschmacklos.)
Cosima (nein, nicht die Ehefrau des Komponisten Richard Wagner) aus dem Hause Langer in Merchweiler ist seit der Karnevalssession 2019/20 im Saarland eine kleine Berühmtheit. Zusammen mit Freundin Florentine Keßler stieg sie als Duo „Cosi&Flori“ in die Bütt‘ – mit durchschlagendem Erfolg; zahlreiche Auftritte auf saarländischer Vereins- und Verbandsebene programmierten den Weg in den karnevalistischen Olymp vor. Sogar ein Auftritt in Berlin war im Gespräch. Intensiv vorbelastet ist die 13 Jahre alte Schülerin der Fortuin-Gemeinschaftsschule Illingen (7. Klasse) durch Mama Nicole – die war seinerzeit Karnevalsprinzessin und 2019/20 Hofdame in der Entourage der Zarin Charlotte I. des FuKa Oberlinxweiler. Der Papa geht hingegen einem etwas robusteren Hobby nach – Motocross, ist aber eine Frohnatur, der das Hobby seines Töchterleins kräftig unterstützt.

Was treibt nun  eine gestandene Karnevalistin, die (zumindest) bis zum 27. April keine Schule hat und auch keine Büttenrede einstudieren muss (auch keine Tanz, denn das macht sei auch noch)? Langweilig wird es ihr nicht – wie SaarlandToday aus dem Hause Langer erfuhr. Von früh bis spät näht Cosi für Verwandte, Freunde und Karnevalsvereine Schutzmasken, nein, nach neuester Sprachregelung „Mundabdeckungen“ (die Nase ist doch aber auch verdeckt!?).

 

„Eben war jemand von der Bürgergarde Ottweiler da und hat einen Stapel abgeholt“, wird aus Merchweiler berichtet. Kommerziell ist die Aktivität natürlich nicht. Zudem folgt die kleine Bundesbürgerin dem Aufruf, sich selbst (und auch für andere) einen Mundschutz zu nähen – schließlich gibt’s in der Republik bekanntlich nicht ausreichend „Masken“ (die offiziellen dürfen so genannt werden), weil wir a) keine bundeseigene Produktionsstätte haben (wir sind auf Importe angewiesen) und b) weil man seitens aller bisherigen Regierungen quasi verpennt hat, das Volk auf eine solche Pandemie vorzubereiten. Wir haben die Hongkong-Grippe (1968-1970), SARS-CoV (2002/2003), die „Vogelgrippe“ (Influenz-A-Virus H5N1, seit 2004), die „Schweinegrippe“ (Influenza-Virus A/H1N1 2009, 20010), die Virusgrippe (Influenzavirus B/Yam und A/H1N1) überstanden, man erinnere sich auch an BSE (1992), aber für das vermeintlich schon seit 2013 bekannte und seit November 2019 grasierende Virus COVID-19, SARS-CoV2 hat man sich nicht gerüstet. Vorhandene Kapazitäten (die zur Neige gehen) werden verständlicherweise erst mal dem Fachpersonal zur Verfügung gestellt.

Zurück zum tapferen Schneiderlein: Viele Leute danken natürlich mit Schokolade oder kleinen Präsenten, den größten Dank sieht Cosi jedoch im Überlassen von Stoff und Gummiband. So wie das Virus sich ausbreitet, so kann Cosi bei ausreichend Material sich ebenfalls nähtechnisch entfalten. Fotos sind ebenfalls ein kleiner Dank. „Cosi ist todmüde, liegt schon im Bett“, meldete Mama Nicole in den letzten Tagen – die Akkordnäherin ist wohl noch geschlauchter als vom Tanztraining. Großeltern Cornelia und Dieter Bauer sind mächtig stolz auf ihre Enkelin, die weiterhin mit Geduld und Liebe näht. Hier die Generation, die noch einen Krieg mit allen Entbehrungen erlebt hat, da die Vertreterin einer Generation, die in eine entbehrungslose Zeit hineingeboren wurde und sich jetzt in den Dienst der Allgemeinheit stellt.  Nix „Fridays for future“, sondern „ every day for community“.

Die Familien Hoffmann, Keip (Ottweiler), Fries, Rischmann, Susanne R. Schmidt, (Merchweiler), Christel und Dieter Haßdenteufel (Lummerschied/KV Kutzhof), Frau Eikmeier, R. Schneider (Göttelborn), die saarländischen Mundart-Rocker „Die Konsorten“ (auch in Faasenskreisen als Stimmungsband bekannt) sowie bald auch das „Hänsje“ (Vorsitzender FuKa Oberlinxweiler) und KC Spandau-Präsident Gerald – um nur einige zu nennen (siehe auch Fotos) – alles fröhliche Menschen – wie man dank Cosis Maske (nicht) sieht…lach.

Kurios geht’s zuweilen aber auch zu: “Dieser Tage kam eine Bitte, zweimal Mundschutz zu nähen – einmal mit Rosenduft, einmal mit Moschusduft.“ Aus der

Produktionsstätte kam die Antwort, dass derzeit nur mit Pfefferminzgeschmack geliefert werden. Basta!
So kann Cosi in der ersten Jahreszeit ihre Mitmenschen erfreuen, wenn auch auf nicht absehbare Zeit in der Fünften Jahreszeit mit ihren humorvollen Auftritten zusammen mit Freundin Florentine.

Übrigens: Karnevalsfreund Christian von den „Freunden des Frohsinn“ Werder (Brandenburg) bevorzugt konventionelle Modelle: Eins seines vom Dienstherrn (Stadtverwaltung Werder) zur Verfügung gestellten Exemplare, eins aus seinem Taucherzubehör.

 

Zu guter Letzt: Die haben gesagt, Handschuhe und Maske reichen vollkommen aus um einzukaufen. Aber alle anderen hatten Schuhe, Hosen und einen Pullover an. Oh, Gott, war mir das peinlich!“Corona

Text: gew/Fotos: Nicole Langer

 

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