Tag 15 der Bewegungseinschränkungen

Im Hintergrund ein Tunnel im Vordergrund ein Fahrrad
Foto: (c) Saarland Today/Gerald Wind

Corona hat alles im Griff und ein einbeiniger Römer grüßt

(gew). Wenn der geneigte Leser unser Exposé vom Samstag liest, dann wird auf dem Kalender Palmsonntag angezeigt. Nun beginnt also die Karwoche, heute würde man den Brauch der Prozession pflegen. In diesem Jahr fällt das aus. Und wer gar an Kommunion (Weißer Sonntag) und Konfirmation (frühestens erster Sonntag nach Ostern) denkt, sollte den Planungsbogen noch weiter spannen – Corona hat die Feste des Herrn, alte Traditionen fest im Griff.

Zarter Frost liegt auf den Autoscheiben, die Sonne lacht bei 7°.
Heike aus Falkensee radelt von ihrem Wohnsitz zum Bahnhof Falkensee, sie muss um 5:11 Uhr dort den Zug erwischen (der fährt in Nicht-Corona-Zeiten um 4:44 Uhr), um 5:45 Uhr ruft die Pflicht bei Siemens, Schichtende 14 Uhr. - In Fraulautern bei Ramona gehen die Bastelarbeiten am und im Haus weiter. – Sorgenfalten kommen bei Salwa in Sulzbach auf die Stirn. Der Freund ihrer jüngsten Tochter zeigt seit zwei Tagen Symptome, die Schlimmes erahnen lassen. Die Kleinfamilie (Mutter plus 2 Töchter) ist in Aufruhr. Die alleinerziehende Mutter wurde gestern vom Arbeitgeber bis zum 17. April freigestellt („Persönlicher Urlaub“ heißt das). Die Französischlehrerin kam 2015 aus Syrien nach Deutschland und hat sich nach Absolvieren von Sprachkurs bis zum Niveau B2 mühsam eine neue Existenz aufgebaut. Corona sei nicht Dank!
07:45 Uhr: Deutsche Brauer beklagen „dramatische Situation“.
09:00  Uhr: Der Chronist muss dienstlich nach Saarlouis. Die fast leere Autobahn wünscht er sich dann, wenn er täglich nach Püttlingen zum Dienst muss. Das Nadelöhr bei Eppelborn – offen wie ein Scheunentor.

Unsere Meldung von der Ladeöffnungszeit über Ostern sorgt für Diskusionen im Internet. Der Chronist hat noch tägliche Öffnungszeiten bis 18 Uhr,  samstags bis 14:00 Uhr erlebt, dann kam der „SchlaDo“ (Scheiß langer Donnerstag) schließlich Ladenöffnung bis 20 Uhr, auch samstags   – alles hat sich eingependelt. In Berlin gibt’s Läden (nur Lebensmittel), die haben rund um die Uhr geöffnet, in Rheinland-Pfalz haben manche bis 22 Uhr geöffnet (z. B. Globus in Kaiserslautern (den übrigens viele Saarländer um diese Uhrzeit frequentieren).

10:50 Uhr: Der Vorplatz am Hauptbahnhof Saarlouis ist fast menschenleer, drei  Einzelpersonen und eine kleinere Personengruppe 5 Personen verlieren sich auf dem weitern Terrain, allerdings ohne Abstand.

Zwischendurch hoffentlich keine unbedarfte oder überflüssige Frage: Wieso tragen all‘ diejenigen, die Kebab, Eis aus dem Fenster heraus, die offene Lebensmittel, „Roschdwurschd“, Fleischkäse beim Globus am Imbiss, auf dem Wochenmarkt Obst, Gemüse etc. verkaufen eigentlich keine Gesichtsmaske? Bei Globus an der Backwarenabteilung bedienen die einen, eine kassiert, bei Pieper an der Backwarenabteilung bedienen und kassieren alle.

Viele sind plastikbehandschuht….vor wenigen Tagen las ich, dass gerade diese Handschuhe mehr Bakterien und Schmutz aufnehmen als die blanke Hand. Bei Aldi trägt die Kassiererin solche Handschuhe, beim Globus nicht auf der Post auch nicht bei DM hier ja, bei DM dort nicht. Seltsam! – Beim Einkauf bei Aldi Nähe Bahnhof lachen mich bei den Backwaren mehrere blank gewienerte Zangen an, mit denen der Kunde die Backwaren entnehmen soll. Gerade auf Metall tummeln sich Bakterien und Viren verhältnismäßig lang. Die Alternative sind Handschuhe aus Plastik – Greta wird’s nicht freuen. – Auf Saarlouis‘ Straßen ist es meist ruhig, jedoch protzt hier und da der eine oder andere Kraftfahrer mit den Pferdestärken seiner Karosse – Formel 1 lässt grüßen. Übrigens: Die Sonne hat enorme Strahlkraft und lacht – das Virus wühlt sich weiter durch die Bevölkerung.
11:34 Uhr: 91.314 Infizierte, (davon Saarland 1.410),  1.319 Tote bundesweit
12:00 Uhr: Ab sofort dürfen selbst genähte Schutzmasken nur noch „Mundschutz“ genannt werden. Ramona weicht sprachlich aus: „Behelfsmasken“. Und weiterhin werden in Fraulautern wie auch in Merchweiler solche - egal, wie sie jetzt oder morgen heißen – genäht und kostenlos (!) versandt.
 

 

13:00 Uhr: Vor 1 Stunde kostet der Diesel Kraftstoff bei Globus 1,05 €, jetzt  1,09 €.
In den Nachmittagsstunden übertreffen sich Freunde und Kolleg/inn/en im Zusenden von kulinarischen Impressionen. In Fraulautern wird heimatverbunden geschwenkt, in St. Wendel gibt’s eingelegte Hering mit Quellesjer,

15:00 Uhr: Zum Schluss entführen wir den Leser auf den Radweg zwischen St. Wendel und Tholey. Heute ist der Teufel los! Dieses Juwel an radsportlicher Betätigungsmöglichkeit gleicht einer Autobahn. Der ganze Landkreis scheint unterwegs zu sein: Spaziergänger jeglichen Alters, große und kleine Radler. Es muss am Wetter liegen, ist man versucht, diese Frequentierung zu entschuldigen.

Nicht die Sonne, auch Corona macht’s möglich! Ein einbeiniger Römer winkt seit 2004 jedem Passanten zu und signalisiert: Du hast gleich 13 Kilometer hinter Dir, der (gesperrte) Tunnel ist in Sichtweite. Wendepunkt oder weiter zu den Ausgrabungen im Hauswald? Der Chronist entscheidet sich fürs Wenden und hofft dies auch vom Virus.

20:47 Uhr: Nach Einschätzung des Kanzleramts “ist der Höhepunkt der Krise noch nicht erreicht“.

Nachtrag: Aktuelle Info der Regierung: Heute Abend um 22 Uhr fliegt ein medizinischer Spezial-Satellit über unsere Region und misst bei allen Einwohnern die Körpertemperatur. Deshalb bitte pünktlich nur mit Mundschutz vor die Haustür treten und den Perso(nalausweis) hoch halten! (Text: gew/Fotos: gew: Mona, Ritchy, Wolfgang,)

Neuen Kommentar hinzufügen

Eingeschränktes HTML

  • Bilder können ausgerichtet werden (data-align="center"), aber ebenso Videos, Zitate und andere Elemente.
  • Bildunterschriften können hinzugefügt werden: (data-caption="Text"). Auf diese Weise können aber auch Videos, Zitate, usw. ausgerichtet werden.