Tag 12 der Ausgangsbeschränkungen

See mit Wasserfontaine
Foto: (c) Saarland Today/Gerald Wind

Was jede/r machen können und mögen muss

Erster April 2020: Mal sehen, was gerade dieser Tag so bringt.

03:59 Uhr: In Bitburg wird nicht nur ein gutes Bier gebraut, sondern auch gegen die bestehenden Kontakteinschränkungen verstoßen. Eine achtköpfige Geburtstagsfeier wird aufgelöst. Die Gastgeber werden sich aufgrund der saftigen Geldstrafe lebenslang an dieses Begängnis erinnern. Happy Birthday, Dummheit!

Der Morgen: Jedes Jahr trudeln in aller Herrgottsfrüh auf dem Handy Aprilscherze jeglicher Art ein. In diesem Jahr ist es auffallend ruhig; mich selbst erreichen nur zwei Scherzchen, den Rest heben sich die lieben Mitmenschen wohl für 2021 auf. Übrigens wurden dieses Jahr in Taiwan und Indien Aprilscherze unter Strafe gestellt.
Hingegen haben immer noch die Klopapier-Witze Hochkonjunktur. Lässt auf dem einen Clip eine Flugzeugflotte wie einst anlässlich der Berlin-Blockade 1948 die sogenannten „Rosinenbomber“ eine Unmenge an Klopapierrollen über einer Stadt abwerfen, so bewacht in einem anderen Video ein Hund unter Knurren „seine“ Rolle. Die Produzenten dieser Clip-Branche haben Hochkonjunktur, das meiste ist wirklich witzig.  

Zwölf Tage diktiert uns nun schon das Virus, dessen Sprachrohr Bundes- und Landesregierung noch immer sind, was wir tun und lassen sollen bzw. dürfen. Wir haben uns inzwischen an unsere Wohnung gewöhnt, sind wir doch sonst von morgens 7 Uhr bis abends 18 Uhr, also mit Hin- und Rückfahrt geschlagene 11 Stunden dienstlich außer Haus und sehen unser Domizil meist nur nachts – Ausnahme am Wochenende, aber auch dann treibt es uns nach draußen oder zu Freunden. In den Tagen des Daheimseinmüssens haben wir jeder Tapete, fast jeder Wand einen Kosenamen verliehen, Hausfrauen machen Frühjahrsputz gleich zweimal hintereinander, Heimwerker laufen vor dem Hintergrund ungestörten schöpferischen Wirkens zur Hochform auf (dies erklärt die gut frequentierten Baumärkte).
Die Tourismusbranche wird sich „freuen“ - manche suchen für die Osterferien das nächste Feriendomizil: Wohnzimmer oder Schlafzimmer oder Balkonien? Streitfrage familienintern ist halt nur: Voll-, Halbpension oder all inclusive? Hunde- und Katzenbesitzer können unbesorgt reisen: Sie dürfen ihre geliebten Vierbeiner überall hin (in die Wohnung) mitnehmen.
06:41 Uhr: Städte- und Gemeindebund lehnt Maskenpflicht ab. Woher will man die auch nehmen, die sollen in erster Linie dem Fachpersonal zur Verfügung stehen. Anders in unserem Nachbarland Österreich – dort ist Maskenpflicht. Bei uns bleibt‘s freiwillig (wie an Faasend, denkt der Berichterstatter). Wenig später wird gemeldet, dass Taiwan (zweitgrößter Maskenhersteller der Welt) Deutschland 2 Millionen Schutzmasken spendet.
07:01 Uhr: Ach ja, wir wollten doch die Reifen wechseln – die Sommerschlappen müssen ja drauf (die hatte Nationalspieler Boateng vorgestern noch oder schon drauf im winterlichen Bayern). Jetzt weist die Branche schon auf „längere Wartezeiten“ hin. In einigen Bundesländern ist’s gar nicht erlaubt zum Reifenwechsel in die Werkstatt zu fahren. Wenn’s jedoch wärmer wird, kann’s kritisch werden mit den Winterpneus, meint auch der ADAC.

 

Die bundesdeutschen Kühlschränke müssen voll sein – den Erfahrungswerten und leeren Regalen vor einigen Tagen nach zu urteilen. Doch, Achtung! Ernähren wir uns auch richtig in einer Zeit, in der wir weniger Bewegung haben?

08:03 Uhr: „Zwiebeln und Knoblauch helfen nicht gegen Corona“, so ein Experte. Mangelernährung sei ein wesentlicher Risikofaktor für einen schweren Krankheitsverlauf. Ballaststoffe seien zum Beispiel wichtig. (Aha, deshalb Klopapier bereit halten!).

09.48 Uhr: Bayern hat bezogen auf die Einwohnerzahl die höchste Infektionsrate – 17.151.

10:17 Uhr: Schlechte Kunde für Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen. Es wird Medikamenten-Engpässe geben. Schuld sind Hamsterkäufe, aber auch großzügige Verschreibungen von Ärzten. Letzteres stimmt den Berichterstatter wütend, da hier deutlich wird, welche Raffkes besondere Situationen ausnutzen.

12:32 Uhr: Ein Lehrerverband fordert Infektionsschutz an Schulen, so sollen z. B. an Schuleingängen Desinfektionsmittelspender aufgestellt werden. Da ist der Berichterstatter aber mal gespannt, denn: Er ist im Schulwesen tätig und hat jüngst vor den Schulschließungen erlebt, dass ein solcher Desinfektionsmittelspender an einem Vormittag durch eine einzige Schulklasse mit 28 Schüler/inne/n innerhalb einer Stunde geleert war. Am Durst kann’s nicht gelegen haben.

15:32 Uhr: 70.783 infizierte Deutsche, davon Saarland 961.

16:55 Uhr: Appell der Kanzlerin: „Bleiben Sie stark! Wir sind von dem, was wir erreichen müssen, noch weit entfernt. Halten Sie die Regeln ein“.

20:34 Uhr: fast 77.000 Infizierte, 876 Tote in Deutschland, davon Landkreis St. Wendel 99 Infektionen, Lk Saarlouis 172, Regionalverband Saarbrücken 421, Lk Merzig-Wadern 66, Lk Neunkirchen 126, Saarpfalz-Kreis 189  
 

 

Und was machen Leute sonst noch so?

Berlin: Christine kuriert eine hartnäckige Erkältung aus – Corona ist’s nicht. Auch sie hat als Lehrerin Zwangspause und geht derzeit viel spazieren. -
Brigitte, Mimi und (Ruheständler) Wolfgang in Berlin haben noch mehr Zeit für ihre Meerschweinchen, aber mit Aufenthalt im Garten wie sonst ist nix. - Manfred (Außenminister der „Blätsch“ Bexbach)  und Frank (Präsident Berliner Carneval Verein) in Berlin verdrängen den Gedanken, dass die Karnevalssession 2020/21 am 11.11. vielleicht gar nicht eröffnet werden könnte. – Klaus, seines Zeichens Informatikexperte, muss arbeiten – für die Bundesregierung. – Christa (Vize-Präsidentin des KC im Bezirk Spandau), stolze 84 Jahre alt, bleibt unverwüstlich und erledigt ihre Einkäufe selbst. – Hingegen bleiben Peter und Ingrid brav zu Hause, altersbedingt. – Karola, frisch aus Thailand zurück, in der Reisebranche tätig, harrt jetzt erst mal der Dinge, die da kommen. – Klaus-Jürgen, 80plus, geht einkaufen, zeigt sich aber selten draußen.

Dudweiler: Hans-Peter kann sich beschäftigen – er ist Hobbybastler und Hobby-Musiker.

Falkensee (Land Brandenburg): Heike (Karnevalspräsidentin) muss am Band bei Siemens ran und Heiko (der Schatzmeister besagten Vereins) wird’s in Heimarbeit auch nicht langweilig. – Mein Freund Wolle (Historischer Darsteller des Prinzen Heinrich bei der Stadtgarde Spandau) ist ebenfalls ein Bastler und Tüftler vor dem Herrn und kann sich auch ohne Pandemie-Zwangsstillstand beschäftigen. „Ick hab imma wat ze tun.“ Allerdings: An den diesjährigen Nikolai-Festspielen wird er dieses Jahr nicht teilnehmen – die werden sicher nicht stattfinden.

Freiburg: Anna schreibt an ihrer Doktorarbeit, ist als Medizinstudentin nicht im Einsatz. Freund Vadim ebenfalls. Beiden geht wahrscheinlich ein Semester verloren.

Kassel: Nina ist gerade umgezogen, hat mit Wohnungseinrichten zu tun. Die angehende Grundschullehrerin wartet auf grünes Licht der Landesregierung, bis es wieder in der Schule losgeht, schließlich will sie ja auch ihre Abschlussprüfung hinter sich bringen. 

Miami (Florida): Monika und Jaci, beide bei der Feuerwehr beschäftigt, sind berufsbedingt voll im Stress. Da bleibt wenig zeit für Töchterchen Julie.

Saarlouis: Barbara hat als Lehrerin Zwangspause, kuriert eine Bronchitis aus und wird sich weiterhin nur mit Katze „Muffin“ beschäftigen und polnisches TV anschauen. – Mona näht Masken.

Sulzbach: Syrerin Salwa ging heute zur Arbeit – die AWO hält die FTGS an der Turmschule Dudweiler geöffnet – 5 Betreuerinnen, 3 Kinder. – Guido genießt seine Ruhestand wie eh und je, auch er kann sich gut, wie auch Ehegattin Hermine, zu Hause beschäftigen. Der Bestand an Zigarren und Whisky dürfte schwinden.

St. Wendel: Fahrlehrer Michael hat seine Crew nach Hause geschickt und wartet auf die Subventionen des Staates. Er kann jetzt viel mit Hund Sammy Gassi gehen. – Hans-Werner, Anwalt im Ruhestand, weiß sich auch alleine gut zu beschäftigen, auch wenn Partnerin Vera im fernen Blieskastel halb solo ausharren muss, sie hat ja immerhin Hund Murphy. – Horst, COPD-Patient, muss auf der Hut sein und sich zu Hause aufhalten, was ihm, der sonst viel draußen war, sehr schwerfällt. – Der Berichterstatter, sonst als Pensionist noch in Honorartätigkeit als Lehrkraft, schreibt und schreibt, walkt, radelt, liest, geht einkaufen und harrt der Dinge, die da kommen.

 

Heute, 1. April, war kein Tag zum Scherzen. Wie’s aussieht, wird sich am Lebenswandel unserer Mitmenschen in den nächsten Wochen nicht viel ändern.

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