Auch das bedeutet Nachhaltigkeit – das Ottweiler Bahnhofsgebäude bleibt für nachfolgende Generationen erhalten

Ottweiler Bahnhofsgebäude bleibt für nachfolgende Generationen erhalten
Foto (C) Holger Schäfer

Auch das bedeutet Nachhaltigkeit – das Ottweiler Bahnhofsgebäude bleibt für nachfolgende Generationen erhalten

 

Das historische Bahnhofsgebäude mit seinen Verkehrs- und Parkflächen kann dank der zurückliegenden verantwortungsvollen Entscheidungen des Ottweiler Stadtrates und der Stadtverwaltung sowie dank der Initiative und Engagements des Ottweiler Bürgermeisters Holger Schäfer und seines Vorgängers Hans-Heinrich Rödle erhalten bleiben und einer Nutzung im Sinne der Allgemeinheit zugeführt werden. Schon bald stehen die Räume der Polizei, der Stadtbücherei, ein Büro der Tourist-Info und das Jugendzentrum zur Verfügung. Das Investitionsvolumen für das Gebäude betrug rund 1,4 Mio. Euro, das dank öffentlicher Mittel - insbesondere der EU - aufgebracht werden konnte.

 

Die Renovierungs- und Sanierungsarbeiten gestalteten sich grundlegend. Es handelte es sich um eine Kernsanierung, denn die frühere Eigentümerin der Immobilie, die Deutsche Bahn, hatte zurückliegend kaum noch Investitionen für den Erhalt des Anwesens und des Umfeldes getätigt, so dass von einem ruinenhaften Bauzustand gesprochen werden konnte. Mit dem Votum des Stadtrats ging die Stadtverwaltung die erforderlichen Arbeiten für das umfangreiche Bauprojekt an und sorgte für wirtschaftliche Impulse im Handwerksbereich. Außen und innen galt es vieles zu erneuern. Die Arbeiten für die Fassadenerhaltung, die Dachsanierung, die Fenstergestaltung, den technischen Ausbau waren anspruchsvoll. Die stilvolle Renovierung steht vor dem Abschluss. Eine offizielle Übergabe soll es zu einem späteren Zeitpunkt geben. Das Erscheinungsbild des Bahnhofs wurde weitgehend nach historischem Vorbild wieder hergestellt

Zum Bahnhof: Er liegt zentral in der an der 1860 eröffneten Nahetalbahn. Seit 1937 zweigt in Ottweiler die Bahnstrecke Ottweiler–Schwarzerden (Ostertalbahn) ab, auf der heute Museumsbahnen mit touristischem Sonderverkehr verkehren.

 

Im Jahr 1859 wurde ein Fachwerkbau als provisorisches Empfangsgebäude errichtet. Wegen finanzieller Schwierigkeiten der Rhein-Nahe-Bahn blieb das Gebäude jedoch bis 1877 in Betrieb. Das dann 1877 erbaute Bahnhofsgebäude ist eines der ältesten im Saarland und steht unter Denkmalschutz. Der zweigeschossige, verputzte, traufständige Bau mit schiefergedecktem Satteldach befindet sich westlich der Gleisanlagen. Die Arkaden sind im Rundbogenstil gearbeitet. In Ottweiler hatte sich bereits im Jahre 1844 ein „Eisenbahn-Comité“ gegründet, zu dessen Vorsitzenden der katholische Pfarrer Johann Anton Joseph Hansen gewählt wurde. In den umfangreichen Aufzeichnungen, die Hansen während seiner jahrzehntelangen Tätigkeit in Ottweiler niederschrieb, berichtete er ausführlich über die laufenden Arbeiten an der Bahnstrecke im Bereich von Ottweiler. Sie sind in der von ihm handschriftlich verfassten „Chronik der katholischen Pfarrei Ottweiler 1838 – 1861“ enthalten, die Hans-Joachim Hoffmann transkribierte und 2006 als Buch herausgab. Während das Empfangsgebäude dem Personenverkehr vorbehalten war, war schon im 19. Jahrhundert als Pendant dazu jenseits der Gleisanlagen ein eigener Güterbahnhof mit großen schienen- und straßenseitigen Laderampen für den Frachtbetrieb errichtet worden, der mit einem eigenen Gleis an die Hauptstrecke angeschlossen war. Dadurch verfügte der Ottweiler Bahnhof viele Jahrzehnte lang über mehrere mit Weichen untereinander verbundene Gleisstränge.

Die Deutsche Bahn gab das Empfangsgebäude 1995 auf. Von 1996 bis 2001 wurde das Gebäude von einer Juniorfirma geführt und galt als Vorzeigeobjekt der Deutschen Bahn. Besucher aus dem In- und Ausland sahen sich die Musterfirma an. Diese Art der Ausbildung war der Deutschen bahn schließlich zu teuer, so dass sie den Ausbildungsstandort schloss. Von 2001 bis 2003 übernahm die Firma Entrada den Fahrkartenbetrieb und führte das Fahrkartengeschäft als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme weiter. Die Deutsche Bahn kündigte den Vertrag jedoch im März 2003, und alle Mitarbeiter wurden über Nacht entlassen. 2004 sprang dann der Arbeiter Samariter Bund in Kooperation mit der Stadtverwaltung Ottweiler ein und führte den Betrieb als Beschäftigungsmodell weiter. 2012 wurde der Bahnhof an die Stadt Ottweiler verkauft.

Der Bahnhof ist weiter in Betrieb. Er wird täglich von etwa 1300 Bahnreisenden auf werktags 100 Zugverbindungen besucht. Verbindungen bestehen nach Saarbrücken, Idar-Oberstein, Mainz, Frankfurt am Main. Daneben existiert eine Museumsbahn nach Schwarzerden, die vom Arbeitskreis Ostertalbahn (AkO) e.V. geführt wird. Nachdem das Bahnsteiggleis 3 von DB Netz 1992 abgebaut worden war, hat die Stadt Ottweiler für den Landkreis St. Wendel als Eisenbahninfrastrukturunternehmen 2004 an Gleis 4 einen neuen Bahnsteig errichtet.

Problematisch ist und bleibt, dass die Bahnsteige und der Zugang in Verbindung mit einer von der Stadtverwaltung neu errichteten Fußgängerbrücke bisher nicht barrierefrei gestaltet werden konnten, wofür die Deutsche Bahn beziehungsweise das Eisenbahnbundesamt verantwortlich zeichnen. Die Stadtverwaltung, der Stadtrat und der Bürgermeister der Stadt haben hingegen alle Vorarbeiten zum Projekt Barrierefreiheit geleistet. Auch der Behindertenbeirat hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Bahn zum sofortigen Handeln zu bewegen. Die Verzögerung zum Nachteil von behinderten Menschen der der erforderlichen Arbeiten stieß landesweit auf Unverständnis.

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