Leverkusen siegt souverän gegen Saarbrücken

I. FC Saarbrücken vs. Bayer 04 Leverkusen
Foto: (c) Andreas Schlichter/Pool Foto

„Mit dem Anpfiff hat’s in der Kasse geklingelt.“, stellte FCS-Fan Markus Seel zu Beginn der DFB-Pokal-Halbfinal-Begegnung FC Saarbrücken gegen Bayer 04 Leverkusen sachlich fest. Da brach wohl der Finanzsachbearbeiter in ihm durch, aber recht hatte er, denn aus den TV-Übertragungsgeldern konnte der FCS, egal wie die Partie enden würde, sein Finanzpolster für die Dritte Liga gewaltig aufbessern.

Inzwischen steht fest: Das große Fußballwunder ist ausgeblieben. Als Viertligist war dem FC Saarbrücken der Vorstoß bis ins DFB-Pokal-Halbfinale gelungen und hatte somit schon Fußballgeschichte geschrieben. Und die Sportgeschichtsschreibung wird wohlwollend vermerken, dass sich der inzwischen zum Drittliga-Aufsteiger erklärte FCS im Völklinger Hermann-Neuberger-Stadion gegen den Erstligisten Bayer Leverkusen wacker geschlagen hat. Das 0:3 war bei weitem keine Deklassierung. FCS-Experte Markus Seel nahm es auch sportlich gelassen: „Der Sieg geht in Ordnung. Man hat natürlich gesehen, dass Unsere fast drei Monate ohne Spielpraxis waren, Leverkusen hingegen voll im Saft steht. Aber man hat natürlich auch gesehen, dass in der Mannschaft mehr steckt, als sie am Dienstagabend zeigen konnte.“ Ein Faktor, dass sich die Mannschaft nicht wie sonst entfalten konnte, war sicherlich die Geisterkulisse. Tausende hatten „ihren FCS“ bei den vorangegangenen Spielen regelrecht nach vorne geschrien, am Dienstag schallten nur des Trainers Rufe durch das Stadion (von der „Süddeutschen“ übrigens despektierlich als „Stadion-Baracke“ bezeichnet).   „Mit dem zwölften Mann im Rücken spielt man schon ein wenig anders.“, so Sportsfreund Markus.

Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb: „Saarbrücken entgeht Demütigung nur knapp.“ Dem kann man sich nicht so ganz anschließen. Leverkusen nahm in der zweiten Spielhälfte das Tempo raus und spielte souverän die zweiten 45 Minuten herunter, ohne überheblich auf eine Deklassierung hinaus zu wollen. Eher trifft schon die Tatsache zu, dass gegen die hochkonzentrierten Gäste aus Leverkusen nicht der Hauch einer Sieg-Chance bestand. Schon vom Anstoß weg bekamen die Saarbrücker keinen Stich – Zweikampfstärke, Lauffreudigkeit und Spielwitz waren die Trümpfe der Rheinländer. Über weite Strecken des Spiels kamen die Saarbrücker nicht mal bis zur Mittellinie. Trainer Lukas Kwasniok, nach der Partie von einer Reporterfrage regelrecht „angepisst“, haderte diesbezüglich auch ein wenig mit seiner Mannschaft.  „In der ersten Halbzeit lief es nicht, das war eine einzige Enttäuschung.“  Unter dem Strich nach allen taktischen und sonstigen Nach-Analysen ist jedoch festzuhalten: „Das Erlebnis kann man den Spielern nicht nehmen.“

Nach dem Spiel wurde dennoch ein wenig gefeiert – und zwar der Aufstieg in die Dritte Liga. Das hatte man sich im Rahmen der Vorbereitung verkneifen müssen. Nach dem Abbruch der Regionalliga-Saison wird der FCS auch weiterhin bis auf unabsehbare Zeit spielfrei sein (müssen).

Bis zum Saisonstart in der nunmehr höheren Klasse wird dem FCS-Management genügend Zeit verbleiben, sich um die Kaderplanung zu kümmern. Und da hakt FCS-Fan Markus Seel wieder ein: „Dafür war es gut, dass es beim Anpfiff in der Kasse geklingelt hat.“

Nachlese: Mehr als unglücklich oder ungeschickt war es von einigen Medien, zeitnah vor dem Spiel über einen bevorstehenden Wechsel von FCS-Sportdirektor Marcus Mann nach Hoffenheim zu berichten. Das macht einen Verein, eine Mannschaft „wurres“, wie der Saarländer zu sagen pflegt. Ein weiteres Beispiel dafür, meint der Chronist, dass manchmal in einer Medienwelt, die auf der Jagd nach der schnellsten Veröffentlichung ist, ein Quäntchen Fingerspitzengefühl fehlt.   

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