Bund Deutscher Karneval (BDK): Keine Absage der Session 2020/21

BDK-Präsident Klaus-Ludwig Fess
Foto: (c) Willi da SIlva Borges

Der Bund Deutscher Karneval (BDK) wird die närrische Session 2020/21 trotz Corona nicht absagen. Die Entwicklung der Corona-Pandemie sei regional so unterschiedlich, dass jeder Karnevalsverein vor Ort selbst entscheiden müsse, wie er auf die Lage reagiere, so BDK-Präsident, Klaus-Ludwig Fess (Bexbach). Das habe der BDK bei einer virtuellen Sitzung mit seinen angeschlossenen Landes- und Regionalverbänden entschieden.

Es gebe bereits einige Vereine, die ihre Veranstaltungen abgesagt hätten - wie beispielsweise in Ludwigshafen oder in Euskirchen. Das sei zu akzeptieren. Man könne aber statt Komplett-Absage auch nach neuen Modellen und alternativen Formen suchen, sagte Fess. "Ich appelliere an die Vereine, nicht gleich den Kopf in den Sand zu stecken." Ideenreichtum und Flexibilität seien jetzt gefragt. „Man kann überlegen, ob man Dinge in abgespeckter Form macht", ergänzte er. Dabei könne man möglicherweise wieder mehr zu regionalen Ursprüngen zurückkommen. Der BDK habe dazu eine Orientierungshilfe als eine "Art Kompass" herausgegeben. Noch sei die Entwicklung in der Pandemie unvorhersehbar.

Das Festkomitee Kölner Karneval hatte Mitte Mai bereits mitgeteilt, 2021 feiern zu wollen. Man sieht dort zwei mögliche Varianten vor - eine für den besten, einen für den schlechtesten Corona-Fall. Das Festkomitee Berliner Karneval hat sich nach Aussage von FBK-Präsident Klaus Heimann den 14. September „als deadline“ gesetzt – dann fallen die Würfel.

Für Fess ist klar, dass die Session am 11.11. beginnt: "Aber wie, das wird spannend werden." Bislang habe der BDK einmal eine Session abgesagt: 1991 beim Golfkrieg, sagte Fess. Der BDK zählt rund 2,6 Millionen Mitglieder in mehr als 5300 Vereinen und Zünften.

Stimmen dazu:

Heike Krause (Präsidentin Falkenseer Karnevalklub 2000): „Ich finde das in Ordnung. Es werden nicht viele Veranstaltungen stattfinden. Aber wir planen auch.“

Klaus Heimann (Präsident Festkomitee Berliner Karneval): „Seriös kann noch niemand etwas sagen. Wir haben uns den 15.09.20 als Deadline gesetzt.“

Christian Zube (Präsident Freunde des Frohsinns Werder/Havel): „Ich finde das unverantwortlich! Es sollte nach den letzten Vorfällen doch wohl jedem klar geworden sein, dass die Ansteckungsgefahr überall da potentiell steigt, wo gesungen wird. Das belegt übrigens auch eine Studie der Charité…“

Hans-Peter Kirchen (Kaltnaggischer Gardisten Corps): „Ich finde das ein bisschen leichtsinnig. Dass das Virus ist noch nicht besiegt ist, hat man gerade in Göttingen gesehen. Meine Meinung ist, dass man die Session frühzeitig absagen sollte, so dass die vereine Planungssicherheit haben. Bis jetzt war bei uns noch kein Training möglich und bald sind schon ferien. Ich finde den eiertanz und dieser Durchhalteparolen einfach nur noch zum K….. Ich glaube, da sind viele Leute, die nur am Karneval lustig sein können.“

Willi da Silva Borges(Ensdorf, aktiver Karnevalist/Senator der KG Die Rossellanos 1955 e.V., Senator der KG Mir senn do Merchweiler): „….da geht Kommerz über Vernunft…“

Gerald Wind (aktiver Karnevalist seit 64 Jahren, Präsident KC Spandau): „Viele Vereine haben in ihren Reihen so genannte Risiko-Patienten, auch unter den Besuchern sind welche. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese sich alle bedenkenlos ins karnevalistische Getümmel begeben. Es ist wie bei einer Lotterie, es kann gut gehen, es kann auch tragisch enden. Wer will als Veranstalter solch ein Risiko eingehen? Unverantwortlich zu glauben, das Virus hätte ‚Urlaub‘ vom 11.11. bis Aschermittwoch.“

Ramona Müller-Titeux (Saarlouis, Aktive Karnevalistin): „ Mein Mann und ich werden auf keine VA’s gehen, auch was den Januar/Februar 2021 anbelangt, sofern es noch Infizierte im Saarland gibt, bleiben wir weg. Für mich persönlich ist das zu früh, Karneval zu feiern. In dieser zeit ist man lockerer unterwegs. Es geht ja nicht nur darum, dass z.B. 100 Personen in einem Raum sind, sondern auch Akteure….Auch wenn die Vereine mehrere Veranstaltungen planen, an diesen Veranstaltungstagen können Mütter, Väter und die Akteure immer mit anderen verschiedenen Personen zusammen, die Ansteckungsgefahr ist zu groß. Für mich persönlich fällt die Session 2020/21 aus…..Ich sehe die BDK-Entscheidung als unverantwortlich an. Einige denken so wie ich. Meine Tochter hat die Teilnahme an der Session 2020/21 abgesagt, helfend wie tänzerisch.“

Manfred Desroches (Berlin, Außenminister „Blätsch Bexbach): „Wenn ich sehe, wie in Berlin 15.000 TN bei einer Demo mitmachen und nicht aufgehalten werden, was ist dann bei einer Karnevalsveranstaltung mit 200 bis 600 TN schlimm? Und das erst in ein paar Monaten.“

Nicole Langer (aktive Karnevalistin „Mir sin so“ Merchweiler): „Ich bin für Absagen.“

 

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