Pandemie-Tag 1 nach den Restriktionen

Radweg....Bahntrasse WND nach Tholey
Foto: (c) Saarland Today/Gerald Wind

„Hausarrest“ oder „Zwangsurlaub“?

Jetzt sind also die Empfehlungen und Restriktionen der Landesregierung in Kraft getreten. Um 12 Uhr teilt mir ein Vertragspartner per Mail mit, dass meine Honorartätigkeit bis 31. März ruht. Mein erster Gedanke: Was tun mit soviel „Freizeit“? Habe ich jetzt „Hausarrest“ oder „Zwangsurlaub“? Vor dem Hintergrund meiner radsportlichen Aktivitäten verfliegt dieses Gedankengespenst jedoch eilends.

Ich leiste mir den Luxus und beginne den sonnigen Tag um eine Uhrzeit, an der andere Arbeitnehmer vielleicht schon das zweite Hemd gewechselt haben – schließlich ist ja Zurückhaltung angeordnet.  Nach einem kargen Spät-Frühstück treibt es mich in die Innenstadt (St. Wendel), denn heute muss ja noch etwas in den Kochtopf.

13 Uhr: Geringes Verkehrsaufkommen, wenig Leute zu sehen, Bibliothek (ordnungsgemäß) geschlossen, der Schlossplatz mäßig mit Sonnenhungrigen und kommunikationsbedürftigen Mitmenschen gefüllt. Beim A-Discounter deutet schon die Parkplatzsituation darauf hin, dass man in aller Ruhe einkaufen kann – wahrlich zehn Einkaufswillige haben sich eingefunden, die üppig gefüllten Regale dezent zu leeren, denn Hamsterer kann ich nicht entdecken. Die müssen wohl schon in den frühen Morgenstunden eingefallen sein.

 

Im Verkaufsraum selbst registriere ich zwar ausreichend Haushaltstücher (Papierrollen), dafür jedoch (wiederum) kein Toilettenpapier und diesmal keine Suppen. Das Kundenbegehren hat sich wohl verlagert… Übrigens beim L-Discounter ein ähnliches Bild.

Zwischendurch nehme ich mit Zorn zur Kenntnis, dass das Virus aus Ischgl und anderen Skiorten seinen Marsch nach Europa angetreten hat. Sind Rückkehrer aus diesen Gebieten unter uns? Gibt es eine Dunkelziffer?

Am Nachmittag gegen 16 Uhr registriere ich hohes Verkehrsaufkommen, dafür weniger Sonnenanbeter auf dem Schlossplatz. Viele Firmen weisen auf Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln, so unter anderem auch eine ortsansässige Fahrschule. Der einstmals Kult darstellende McM-Imbiss hat gerade mal drei Kunden, die Mott ist fast gähnend leer.

Auf der stillgelegten Bahntrasse, einem begehrten Radler- und Spaziergängerweg ist schon mehr Betrieb. Hier tummeln sich all diejenigen, die entweder wie bisher ihre Fitness gepflegt haben oder Mütter mit rollernden und skatenden Kindern – schön, dass das Familienleben Schwung erhält.

Am Abend ist in der Stadt auffallend weniger los als sonst.

An diesem milden Pandemie-Tag treibt es den Kollegen Willi nach Saarlouis zum – Einkauf, richtig! Für ihn war der Einkauf heute seit 14 Tagen (der Arme war erkältet, nicht infiziert) sehr der entspannend, denn:

Saarlouis war fast menschenleer. Der Parkplatz auf dem Großen Markt war im Gegensatz zu sonstigen Tagen nicht übermäßig frequentiert.

Beim Bäcker gab’s jedoch kein Brot mehr, allerdings war’s auch schon nach 14:00 Uhr. Des Kunden Trost: Genügend Ciabatta-Brötchen gab’s noch.

Beim Drogerie-Discounter offenbart sich die Hamster-Mentalität von Mitmenschen: Bezüglich Hundefutter (und auch Duschzeug) ist die Auswahl eingeschränkt und – wie könnte es anders sein - das Regal, auf dem sonst  Desinfektionsmittel sind, lacht alle Kunden mit fast schon verachtender Liebenswürdigkeit an. Ebbe im Seifenfach.

Bei Pieper war’s ruhig, die  Regale gut gefüllt, das behandschuhte Personal recht entspannt. Auffallend: In der Backwarenabteilung wurde mir das gewünschte Baguette von der Handschuh tragenden Verkäuferin gereicht, mit diesen Handschuhen kassierte sie aber auch das Geld. Frage der Hygiene!

Willi tritt die Heimreise nach Ensdorf im Taxi an und muss hinten einsteigen – sehr konsequent! Willis Pandemie-Tag klingt aus mit der Erinnerung an ein Gespräch mit einer Pieper-Mitarbeiterin: „Wissen Sie, Sie sind der erste, der mich nicht angeschrieen hat.“! Stein des Anstoßes bei unverständigen Kunden: Der Nebeneingang ist geöffnet und bietet einen Direktweg zur Lebensmittelabteilung bietet.

Man sieht:  Die Pandemie ist zweitrangig, manche Leute werden von anderen Sorgen geplagt…und das noch bis auf Weiteres.

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