Caritas: Politik muss verschärfter Bildungsungleichheit entgegenwirken

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Schule und Bildung

Caritas fordert:  Politik muss verschärfter Bildungsungleichheit entgegenwirken

 

(gew/red). Nächste Woche ist in einigen Bundesländern wieder Schulstart. Es heißt emtweder Schulbeginn oder Fortsetzung der Schulzeit oder Beginn einer  Ausbildung – für viele SchülerInnen also ein neuer Lebensabschnitt. Doch die Chancen und Erfolgsaussichten sind sehr unterschiedlich. „Wie wir schon lange wissen, sind in Deutschland die Bildungschancen sehr ungleich verteilt und die Corona-Pandemie hat dies noch erheblich verschärft“, so Caritas-Präsident Peter Neher. „Es braucht nun eine zusätzliche Kraftanstrengung aller Verantwortlichen, um zu vermeiden, dass Schülerinnen und Schüler abgehängt werden und dass Jugendliche die Schule verlassen, ohne eine Perspektive auf einen Ausbildungsplatz zu haben.“

Schulsozialarbeit, digitale Ausstattung und Medienkompetenz

Der Caritas-Fachverband IN VIA hat über die vergangenen Monate Rückmeldungen der JugendsozialarbeiterInnen gesammelt. Daraus wird deutlich: Junge Menschen brauchen AnsprechpartnerInnen, die sie individuell und vor allem emotional unterstützen. Die Kontaktmöglichkeit zu Bezugspersonen auch außerhalb der Familie, z.B. zu pädagogischen Fachkräften, ist essentiell. Hierfür muss Schulsozialarbeit verlässlich ausgestattet und finanziert sein.

Die geplante Reform der Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII) bietet die Gelegenheit, die Schulsozialarbeit systematisch auszubauen und nachhaltig abzusichern. Eine gemeinsame Finanzierung aus Jugendhilfe- und Schuletat sei zu prüfen – derzeit ist die Schulsozialarbeit bundesweit sehr unterschiedlich aufgestellt und finanziert.

In den Schulen fehle es zudem an digitaler Ausstattung und an durchdachten Konzepten für digitales Lernen. Der Deutsche Caritasverband fordert daher, dass alle bedürftigen Kinder und Jugendlichen mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden. Für den Fall, dass dies nicht über die Schulen geschieht, müsse für alle jungen Menschen, die Transferleistungen beziehen, ein rechtssicherer Anspruch auf die nötigen Geräte geschaffen werden.

 

Die vergangenen Monate hätten auch gezeigt, dass es dringend pädagogischer Konzepte zur digitalen Bildung bedarf. Auch die SchulsozialarbeiterInnen müssten bei der Erarbeitung dieser Konzepte eingebunden werden.

Ganztagsangebote über bloße Betreuung hinaus 

Ganztagsangebote spielen eine herausragende Rolle bei der Sicherstellung von Teilhabe für alle Grundschulkinder. Im September soll das Gesetzgebungsverfahren zur Verankerung des Rechtanspruchs auf Ganztagsbetreuung in Schulen und Kindertagesstätten beginnen. Die Caritas und ihre Fachverbände wissen aus der Praxis, dass der Bedarf an einem Ausbau des Angebots vor Ort groß ist. Für einen gelingenden Ausbau braucht es aber mehr passend ausgebildetes Personal, unter Beteiligung von Kindern erarbeitete pädagogische Konzepte, bauliche Investitionen – für die die Mittel aus dem Sondervermögen und dem Konjunkturpaket absehbar nicht ausreichen werden – und eine nachhaltige Absicherung der Betriebskosten.

„Immer wieder muss darauf verwiesen werden, dass Ganztagsangebote nicht bloße Betreuungsangebote sein dürfen. Es braucht endlich Qualitätsstandards, die für alle gelten, einen angemessenen Personalschlüssel, die entsprechenden Räumlichkeiten und Freiräume. Die Kinder brauchen Möglichkeiten, ihre Zeit und ihr Umfeld selbst zu gestalten. Wir brauchen multiprofessionelle Teams, in denen ergänzend zu pädagogischen Fachkräften auch Fachkräfte aus anderen Bereichen ihr Können einbringen“, so der Caritas-Präsident. So könnten beispielsweise SchreinerInnen oder GärtnerInnen mit pädagogischer Zusatzqualifikation eingesetzt werden.

Berufsorientierung und -einstieg als große Baustelle

Die in den Schulen angesiedelte Berufseinstiegsbegleitung sei nicht ausreichend finanziert und deshalb nicht flächendeckend umgesetzt. Das Angebot richtet sich insbesondere an SchülerInnen, die den Abschluss der allgemeinbildenden Schule oder den Übergang in eine Berufsausbildung nicht ohne Unterstützung bewältigen werden. Diese jungen Menschen laufen Gefahr, ohne Perspektive aus dem Schulsystem entlassen zu werden. Bund und Länder müssten Verantwortung für bedarfsgerechte und gesicherte Angebote der Berufseinstiegsbegleitung übernehmen.

Die Situation sei umso akuter, weil es dieses Jahr weniger Ausbildungsplätze gibt als sonst. Das betrifft nicht zuletzt Branchen, die traditionell relativ viele junge Menschen mit Hauptschulabschluss ausbilden, darunter z.B. Gastronomie und Hotellerie. Für die Jugendlichen, die ohnehin eher schlechte Startchancen hätten, drohe somit die Gefahr, noch mehr abgehängt zu werden.

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