(M)ein Corona-Wochenende – oder: Der blanke Wahnsinn

Blick auf den Großen Markt in Saarlouis
Foto: (c) Saarland Today/Gerald Wind

Es ist Corona-Zeit, nein, nicht die der bekannten Biermarke, sondern die uns alle gefährdende Coronavirus-Zeit. Wir sind alle zur Achtsamkeit aufgerufen, zur fast vollkommenen Hygiene. Doch schon bei einem Toilettengang beim Globus in St. Wendel am Samstag (14.03.) entwischt der erste Dreckspatz ohne Händewaschen dem vierwändigen Urinierraum, genehmigt sich einen Leberkäse an der Wursttheke, spricht unbekümmert mit seiner (wohl) Ehefrau …. Der Appetit vergeht mir im Hinblick auf das eventuell von ihm zu erwartende Wechselgeld – auch wenn es durch einen Automaten läuft.

Am von den Saarländern so geliebten Roschwurschstand steht man fast dicht an dicht, nicht im (damals noch) empfohlenen Ein-Meter-Abstand. Vorher hatte ich übrigens die einschlägigen Discounter aufgesucht und musste zu meinem Erstaunen leere Regale von Lebensmitteln registrieren, die ansonsten nur ein gewisses „Bleiplatten-Dasein“ fristen.

Plötzlich hatten besorgte, von Panik erfüllte Mitmenschen aus dem reichhaltigen Sortiment Artikel, ganze Paletten aufgekauft, an dem sie sonst in Un-Krisenzeiten achtlos vorübergingen. Steppjacken und Socken hingegen fanden wenig Beachtung (der Winter ist ja vorbei!), dafür Nudeln, Reis, Konserven und….Damen-Hygieneartikel, mir als Mann etwas unverständlich, aber sei’s drum! Und da kommt dem Autor der Gedanke: Wenn jemand wahrlich vom Virus (Gott behüte!) ergriffen wäre, dann hätte er wohl kaum Appetit, schon gar nicht auf das fast zentnerweise Gebunkerte (wobei die Damen hierbei wieder mit ihrer hygienischen Voraussicht im Vorteil wären!). Und was wäre dann mit den hektisch eingekauften Vorräten? So groß ist die Verwandtschaft nicht, als dass alles (bis zum nahen Verfallsdatum) aufgebraucht werden könnte!

Der Samstag schmilzt dahin, man ist der Dinge harrend, die Landes- oder Bundesregierung der Öffentlichkeit und damit dem mündigem Bürger präsentieren würden. Vor dem Hintergrund von Tagesgesprächen und Verhaltensweisen darf ich zumindest bilanzieren: „Mir han nix, mir kriehn nix, mir werre nix kriehn!“

Der Sonntag (15.03.) ist da, ein sonnenumfluteter Tag. Vor wenigen Stunden war noch die bundesweite Parole „Soziale Kontakte einschränken!“ seitens der Bundesregierung ausgegeben worden, auch ließen die ansteigenden Infiziertenzahlen inlands wi auslands aufhorchen, jedoch im Bundesland, das eh und je dem „Savoir Vivre“ lebte, scheint diese Empfehlung wohl auf taube Ohren zu stoßen. Während wenigstens noch Heerscharen von Radlern, Nordic-Walkern, Skatern und Spaziergängern ihr vermeintliches gesundheitliches Heil am Saaruferweg suchen, während die Kasematten mit ihren sonst einladenden Restaurants ein trostloses Dasein fristen, tummeln sich wohl mit einem Anti-Virus-Panzer ausgestattete Menschen outdoor dicht an dicht auf zwei Flohmärkten (Saarlouis, Neunkirchen), in und außerhalb von überfüllten italienischen Eisdielen, aber nur wenigen deutschen Straßencafés) räkeln sich in der Sonne (auf dem Schlossplatz St. Wendel, in Saarlouis Großer Markt, Französische Straße); man schert sich munter in geringem Abstand, fröhlich kommunizierend einen feuchten Kehricht um die Verbreitung des aktuellen unsichtbaren Feindes. So etwas kennt der Berichterstatter nur aus Berlin zu Zeiten des Kalten Krieges: „Uns kann Keener!“
Fotos: Saarlouis

Was kümmern zwischenzeitlich der fallende Dax, der Dow Jones – sie gefährden nicht meine Gesundheit und die meiner Familie – nur das Wohlbefinden der Konten von Anlegern. Ergänzend lese ich noch Reportagen einschlägig informierter Kollegen im Internet – das Coronavirus muss wohl bei manche/n Mitmensch/inn/en ungeahnte kriminelle Energie freimachen: Hier ein Bankautomat gesprengt, dort zwei(!) alkoholisiert randalierende Frauen, mehrere bekiffte und alkoholisierte Verkehrssünder (hoffenlich gehen die bis zum Lebensende zu Fuß!). Und das alles unter dem empfehlenden Motto: „ Soziale Kontakte reduzieren!“

Der milde Sonntagabend naht, Zeit zum Resümieren: Da hörte ich am Freitag von einer Schulschließung in Sulzbach (THG), das in der Turmschule eingeschulte Kind eines THG-Bediensteten wiederum wurde von diesem noch am Vortag des Bekanntwerdens abgeholt. Sind die FTGS-Bediensteten, die Kontakt mit dem Kind hatten, in Gefahr? Hinweise dazu verpufften.

Dem Berichterstatter wird zugetragen, dass eine Mitarbeiterin eines St. Wendeler Kardiologen in Südtirol den Urlaub vorzeitig nach Bekanntwerden der Risikosituation abgebrochen hat. Ist die Dame gefährdet, wer war mit ihr in der Kontaktkette?
Es ließe sich beliebig die Zahl der zugetragenen Infos ergänzen, der geneigte Leser könnte auch kommentieren „Alles Puppes!“ – aber Leute: Wo beginnt die Achtsamkeit? Wo bleibt das Verantwortungsbewusstsein bezüglich der Gesundheit?
Die Meldung eines Hinweises des Berichterstatters an das Lagezentrum in Saarbrücken mündete in der Antwort, man möge sich unter näherer Beschreibung an das Gesundheitsamt wenden. Bin ich Mediziner? Weiß ich die Gefahr einzuschätzen? Bis man alles weitergeleitet haben könnte, hat das Virus unbarmherzig zugeschlagen. Danke, Herr Prinz!

Deshalb mutet es nur allzu verständlich an, dass die Bundes- bzw. Landeregierung am Montag allen Latrinenparolen, Laissez-Faire- Verhaltensweisen, allen Freibriefen und Entschuldigungen, die sich manche/r Mitmensch/in ausgestellt hat, endlich einen Riegel vorgeschoben hat. Auch die eingeborenen Baguette-Genießer, die maulen, weil sie nicht mehr über die Grenze fahren dürfen, auch die ausländischen Nachbarn, die die Regale entlang der gemeinsamen Grenze leerkaufen, verlieren des Autors Achtung.

Ach ja, und wenn der französische Staatspräsident Macron sagt „Wir sind im Krieg.“, so bin ich innerlich im Krieg mit all‘ seinen Landsleuten, die sich am Wochenende schäbig und unwürdig gegenüber der angeblichen deutsch-französischen Freundschaft verhalten haben.

Und ich merke: Das Virus entzweit uns.

Solidarität, Achtsamkeit, internationale Freundschaft, Vorsicht sehen anders aus!   

P.S.: Das ist erst der Anfang.

Neuen Kommentar hinzufügen

Eingeschränktes HTML

  • Bilder können ausgerichtet werden (data-align="center"), aber ebenso Videos, Zitate und andere Elemente.
  • Bildunterschriften können hinzugefügt werden: (data-caption="Text"). Auf diese Weise können aber auch Videos, Zitate, usw. ausgerichtet werden.

Wir verwenden Cookies auf unser Webseite um die Benutzererfahrung zu verbessern.

Wir verwenden außerdem Dienste zur Analyse des Nutzerverhaltens und zum Einblenden von Werbung. Um weitere Informationen zu erhalten und ein Opt-Out-Verfahren einzuleiten klicken Sie bitte auf „Weitere Informationen“.