Fan-Leidenschaft zum FC Saarbrücken in der Erbmasse

Spieler des 1. FC Saarbrücken Saison 2019/2020
Foto: (c) Saarland Today/Willi da Silva Borges

„Es war und ist nicht einfach FCS-Fan zu sein....und genau das ist es..... das Salz in der Suppe.... eine Leidenschaft und Liebe, die nie vergeht.“ sagt Markus Seel.

Fans sind, folgt man der wörtlichen Übersetzung, begeisterte Anhänger, meist ordnet man sie Sportarten bzw. –vereinen zu. Zurzeit haben Fans einen schweren Stand, schließlich spricht man wegen der Corona-Pandemie von  „schwierigen Zeiten“. Die Unterstützung für ihren geliebten Verein können glühende Fußball-Anhänger derzeit nicht im Stadion leisten, man fiebert zu Hause – sofern der Verein spielt. Während in Deutschland in den drei oberen Ligen bereits wieder gekickt wird, ist der Spielbetrieb auf den unteren Ebenen eingestellt – dank oder leider wegen Corona, je nach Perspektive.

Einer der zahlreichen Fans, die das aktive und passive Sportgeschehen derzeit aufmerksam verfolgen, ist Markus Seel aus St. Ingbert. Der Jung-Fünfziger, beschäftigt beim saarländischen Ministerium für Finanzen und Europa, ist glühender Anhänger des FC Saarbrücken, kurz FCS, der nach Abbruch der Spielrunde 2019/20 als Tabellenführer nach entsprechender Quotientenberechnung zum Meister der Regionalliga Südwest erklärt wurde. Für Sportsfreund Markus, übrigens auch aktiver Karnevalist (Sitzungspräsident der Dengmerter Narrenzunft), Anlass genug, das blaue-schwarze Vereinstrikot überzustreifen und sich einen Meisterschaftstrunk im gemäßigten Rahmen zu gönnen. Er könnte sich bis zum Start der Drittliga-Saison 2020/21 eigentlich gemütlich zurücklehnen – wäre da nicht am kommenden Dienstag das DFB-Pokal-Halbfinalspiel des FCS gegen Bayer o4 Leverkusen. Dann steht der FC Saarbrücken nicht nur landes-, sondern auch bundesweit im Fokus des Fußballsports. Als Underdog, bis vor Kurzem waren sie noch  Viert-Ligist, ist es dem saarländischen Verein gelungen, nach 35 Jahren mit Siegen gegen Regensburg, Köln, Karlsruhe und Düsseldorf ins DFB-Pokal-Halbfinale vorzustoßen.

Rückblende: Die Anfänge des FCS liegen 1903 im Stadtteil Malstatt, sprich saarländisch Molschd. Zunächst trat man zwischen 1909 und 1945 unter dem

Namen FV Saarbrücken an und zählte ab 1930 zu den deutschen Spitzenvereinen. Zwei Vize-Meisterschaften (1943 und 1952) waren die bisherigen höchsten Fußballehren. 1948 musste der saarländische Fußball das deutsche Ligasystem verlassen. FCS spielte mit Gastrecht in der 2. Frz. Division, allerdings ohne Wertung; obwohl erfolgreich wurde ein Aufstieg in die 1. Französische Liga verwehrt, später wurde der Verein sogar ganz vom Spielbetrieb ausgeschlossen.

Die Voraussetzungen, dass Markus Seel zum FCS-Fan wurde, lagen quasi in der Erbmasse - Anfang der 50er Jahre – da war er zwar noch nicht geboren, aber „mein Vater spielte bei den Molschdern von der Jugend bis hin zu den Junioren. So nannte man damals die Zweiten Mannschaften.“, weiß Markus Seel zu erzählen.

Vater Hubert Seel (auf dem FCS-Junioren-Mannschaftsfoto vom 14.08.1949, obere Reihe, 2. von rechts)  stand auf dem Sprung ins damalige erste FCS-Team, das zwischen 1949 und 1951 nur Freundschaftsspiele um den Internationalen Saarlandpokal austragen durfte.

Dabei kam es u.a. zu Begegnungen mit Real Madrid (4:0 für FCS), im Europa-Pokal gegen Inter Mailand (4:3 und 1:4)  und andere international renommierte Clubs. Während Talent Hubert dann aber verletzungsbedingt frühzeitig die Fußballstiefel an den Nagel hängen musste, trug sein Cousin Werner Otto das Trikot des FCS-Teams, das 1952 gegen den VfB Stuttgart das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft mit 2:3 verlor. „Mit diesem familiären Bezug war mein Weg als FCS-Fan geebnet“, erklärt Markus Seel seine in die Wiege gelegte Leidenschaft für die Blau-Schwarzen. Dass der FCS 1963 zu den Gründungsmitgliedern der Fußball-Bundesliga zählte (und dort nur ein Jahr verblieb), erlebte der 1969 geborene Seel noch nicht live. Später kam Bewegung in das Fan-Dasein: „Was habe ich mit meinem Verein schon alles erlebt...Oberliga...Bundesliga...Zweite Liga...Regionalliga...Aufstiege... Abstiege...gelungene Relegation...gescheiterte Relegation...und...Aufstieg durch  bzw. wegen Corona...na und...ich nehme es mit…wir haben es verdient...für all die vergangenen Jahre...Blau Schwarz für immer….“ Und Fan-gemäß gibt’s einen kleinen, dezenten  Seitenhieb: „Gruß in die Pfalz … nicht absteigen...wir kommen euch bald besuchen...“, geht’s an die Adresse des FC Kaiserslautern.

Am Dienstag (09.06.20209 wird Markus Seel mit Ehefrau Nicole, die ebenso wie ins Fastnachtstreiben (die Zwei waren ja mal Prinzenpaar) auch ins Fangeschehen eingebunden ist, dem FCS die Daumen drücken „Die Leverkusener haben ein 2:4 gegen Bayern München zu verdauen, vielleicht gelingt uns eine weitere Überraschung.“, ist man in „Dengmert“ zuversichtlich und hat auch schon trotz Geisterspiel ein Gedankenspiel.

Egal, wie das Spiel ausgehen wird – die Fans werden das Spiel im Free-TV oder Stream verfolgen und zwischendurch wird’s sicher von Markus einen dankbaren Gruß-Blick gen Himmel geben – denn ohne Vater (und natürlich Mutter) Seel, der am Dienstagabend sicher auch seine wahre Freude hätte, gäbe es einen FCS-Fan weniger. 

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