Tage 8 bis 11 der Ausgangsbeschränkungen

Handgeschriebenes Schild an einem Massagesalon
Foto: (c) Saarland Today/Gerald Wind

Stand der Dinge

(gew). Der Titel eines Films von Wim Wenders (1982) liefert dem Berichterstatter (den hatte es ein wenig verriss’n, wie die Skifahrer zu sagen pflegen) das Motto für die Rückschau der letzten Tage.

Vergangenen Freitag beendeten die meisten von uns zuversichtlich die ersten sieben Tage der Ausgangsbeschränkungen. Zu Hause hatte sich das Familienleben (einigermaßen) eingependelt, der Hamstererhype war etwas abgeflaut,  man hatte sich eigentlich so in „sein aktuelles Schicksal ergeben“. Mehr Spaziergänger lockte es allenthalben hier und dort hinaus, jedoch vor Ort im nördlichen Kreisstädtchen, in dem „sich sonst was tut“, war es ruhig. Über die bekannten Apps und sonstige Medien verständigt man sich mit Freunden, auch mit solchen, die man schon lange nicht mehr kontaktiert hat (der „Rekord“ liegt bei einer Kontaktaufnahme nach 57 Jahren!)  

 

In St. Wendel sichtet man einen Familienvater auf einem Platz hinter der Sporthalle am Sportzentrum mit seinen zwei Kindern, er macht mit den Kleinen das, wozu der Platz geeignet ist: Bolzen. Böse Blicke des Betrachters begleiten die Aktion, dann macht sich die Gruppe von dannen, gerade noch rechtzeitig, denn inzwischen fährt die Polizei Streife – rein zufällig.

Am Samstag war’s wieder wie bei einer nahe bevorstehenden Hungersnot: Supermärkte durften ihren Umsatz bejubeln. Das Aufkommen an Spaziergängern in St. Wendel war hoch, aber diszipliniert. Bekanntlich schlug eine sonnenhungrige Schar von Unvernünftigen in Saarbrücken am Staden aus der Reihe – die Reaktion des Innenministeriums ist seit Dienstagmittag bekannt. Verfolgt man im Internet auf der berühmten Plattform die Diskussionen, so ist man sich wahrlich veräppelt vor – wie wir vor kurzen berichteten. Da gibt’s wahrhaftig noch Mitmenschen, die diesen Sonnenverbrannten die Stange halten! Unsereins hält sich an die Regeln, andere ignorieren sie einfach. Und wenn ich lese, „sie hätten‘s nicht gewusst“ – dann muss ich mehr über solch eine dümmliche Ausrede lachen als über die ganzen Gifs, die mich seit zwei Wochen im Minutentakt erreichen.

Da lobe ich mir doch lieber  den St. Ingberter Andreas Theis mit seinem 18-minütigen Saxophon-Konzert vor einigen Tagen (wir berichteten). Übrigens hat er nach seinem Solo eine Runde Schnaps spendiert!

 

Montags, 15:04 Uhr: Inzwischen zeigt eine Studie auf, dass die Beschränkungen Tausenden das Leben retten, allein in Deutschland 550 Menschen.

16:16 Uhr: der Bumerang 1 für die Sonnenanbeter und Co: Die Ausgangsbeschränkungen werden bis 20. April verlängert!
Am gleichen Tag wird beim Verwaltungsgericht des Saarlandes ein Eilantrag gestellt, eine landesweite Ausgangsbeschränkung sei „rechtswidrig und unverhältnismäßig“. Auch hierzu schlagen die Diskussionswogen im Internet hoch, allerdings schwant der Mehrheit, dass der Antrag abgeschmettert wird.

Blütenpracht überall, die Natur erwacht, die Stadt ruht. Gähnende Leer in der City, Döner gibt’s per Fensterverkauf in der Oberstadt….das Verkaufspersonal trägt übrigens keine Masken, auch keine Handschuhe.
In St. Wendel präsentiert sich der sonst so belebte Fruchtmarkt öde und leer in gleisender Sonne.

 

 

Nicht viel anders der Schlossplatz, der eigentlich für den geplanten Ostermarkt hergerichtet sein sollte.

Dienstags, 15:07 Uhr: Bumerang 2 für die Unbelehrbaren und Besserwisser: Veröffentlichung eines Bußgeldkataloges bei Verstoß gegen Corona-Maßnahmen (corona.saarland.de/bussgeldkatalog)

21:13 Uhr: Fast 500 Tote innerhalb von 24 Stunden in Frankreich. Und es gibt immer noch welche, die sich über die Grenzkontrollen aufregen.

 

Derweil in Ottweiler die historische Altstadt mit ihren schönen Fassaden fast totenstill, fast menschenleer.

Was sonst noch veröffentlicht wurde? Die Bundesliga pausiert  bis mindestens Ende April, Wimbledon ist abgesagt ebenso die Bayreuther Festspiele, (gehen wir eh nie hin!) Der in Österreich auferlegten Mundschutzpflicht steht man seitens des saarländischen Gesundheitsministeriums (im Einklang mit dem Robert-Koch-Institut und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) kritisch gegenüber. Woher sollten denn auch andernfalls die Masken kommen?

Und: Der oben erwähnte Eilantrag wurde wie vermutet abgelehnt. (Hätte der Auto mit drei Semestern Jura auch so begründet wie das Verwaltungsgericht.)

 

Der Eismann am Eck hat geöffnet, das Fenster wie ein Scheunentor. (Warum hat mein Stammlokal nicht die Fensterluke geöffnet? Kann auch ein Stehbier to go trinken, wenn Eislecken to go erlaubt ist.) In St. Wendel haben alle Eissalons geschlossen!

22:15 Uhr: 961 bestätigte Coronafälle, 12 Tote  im Saarland.

Zum Schluss noch ein Schmankerl, das dem Autor Bastian Sick („Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“) gefallen würde: Beim Rundgang durch St. Wendel fiel dem Berichterstatter ein handschriftlich gefertigtes Schild in einem Schaufenster auf.
Dass Thai-Massage kein Allheilmittel gegen Corona ist – das ist jedem klar. Dass aber gegen Corona geschossen werden soll, das zeugt von sehr viel Idealismus des Geschäftsinhabers! Ob’s klappt? (Text:gew/Fotos gew/Ritchy Martin)

 

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