Tag 5 L(ockerung)

Stoffe der Schneiderin Nicole
Foto: (c) Nicole Langer

Faden nicht verlieren bis die Nadel glüht

(gew). Strahlender Sonnenschein, bestes Einkaufs-, Radel- und Grillwetter. Die Geschäfte sind tagsüber nicht voll, aber gut frequentiert – kommt ja auch darauf an, was gerade benötigt wird. Ungebrochen ist die Nachfrage in den einheimischen Baumärkten, davon träumen wohl die Lebensmitteldiscounter wie auch manche Einzelhändler. In der St. Wendeler City jedenfalls ist es ruhig, auch wenn das Autoaufkommen in den städtischen Straßen einen anderen Eindruck vermittelt. Wo fahren sie denn, wo fahren sie denn hin? Wo kaufen sie denn, wo kaufen sie denn ein?
Noch während die Sonne lacht, nehmen wir von den „Wetterfröschen“ zur Kenntnis, dass im 16-Tage-Wetter-Trend (endlich!) auch Regen in Sicht ist, aber vorher gibt’s erst mal für die kommenden drei Tage. Gerade in Corona-Zeiten tut den meisten Sonnenschein gut. Leute, seid froh, dass Ihr nicht an der Küste oder im Süden der Republik urlaubt – dort wird am Sonntag Regen (auch mal mit Gewitter) erwartet. Hier im Südwesten dürfen wir mit bis zu 25 Grad (Montag) rechnen. Macht der April doch noch, was er will? Ab Mittwoch wird es kühler, mit Schauern ist zurechnen – ein Glück, dass Corona-sei-Dank (!) Wald und Feld, wie auch die Gärten bestens bestellt sind. So kann die Nation gemütlich auf Balkonien, Terrassia oder in Gartenia sitzen – geschützt vor beißenden Sonnenstrahlen und gegen böse Partikelchen anwesender Personen im Umfeld.

11:35 Uhr: Bundesbildungsministerin Karliczek schlägt Maskenpflicht in Schulen und Samstagsunterricht vor, um den Stundenausfall zu kompensieren. Der Chronist gehört der Generation an, die samstags bis zur 6. Stunde noch die Schulbank drücken musste. Und ausgerechnet in dieser verflixten 6. Stunde war Schulchor; wer den nicht besuchte, kam im Fach „Musik“ auf keinen grünen Zweig und verharrte auf dem Prädikat „befriedigend“. Damals war nix mit verlängertem WE, nix mit Brückentagen.

Wer jetzt wie gewohnt die täglichen Kulinaria vermisst, den vertrösten wir auf spätere Tage. Nadel und Faden haben heute Vorrang. Außerdem tut mal ein Fastentag gut (für die Muslime beginnt Ramadan).
 
Hört man sich um, so sind viele Mitmenschen schon mit drei bis vier selbstgenähten Masken versorgt. Sofern man nicht von Berufs wegen wie Christian in Werder oder Susanne in St. Wendel oder Doktorandin Anna in Freiburg mit Masken für Fachpersonal ausgestattet ist, haben sich viele Leute einen Mund-Nasen-Schutz besorgt. Die Nation näht hört und liest man landauf, landab. So wie in Hirzweiler. Dort stellt sich Wally Schorr schon seit längerem in den Dienst der guten Sache: Sie näht schöne Masken (Mund-Nasen-Schutz). Die Stoffe kauft sie selbst, sie erhält jedoch auch Stoffspenden. Die Masken werden verschenkt – klar, dass die Empfänger Geld dafür spenden.

 

Anfangs nähte Wally Schorr Tag und Nacht Masken für Heime und Krankenhäuser, jedoch stieg die Nachfrage von Privatpersonen. Es sollten aber alle glücklich werden! Also entschied sich Wally dazu, 12 bis 14 Stunden täglich zu schneidern – so weit, so gut – bis die überstrapazierte Nähmaschine ihren Geist aufgab und eine neue gekauft werden musste.  Den ganzen Erlös spendet Wally Schorr an eine Institution, die herzkranke Kinder betreut. Der SaarlandToday-Foto-Blumengruß als „Dankeschön“!

Nicole Langer (Merchweiler) kann in diesen Tagen ihr Hobby, besser gesagt: eines ihrer Hobbys (u. a. Faasend), nicht wie sonst ausleben, hilft die als Erzieherin Tätige doch tatkräftig ihrer Tochter Cosi beim Versand derer selbstgenähter Masken (SaarlandToday berichtete). Wer auf FB herumstöbert hat sicher schon mal „Nicole’s Backstübchen“ entdeckt. Die Hobby-Bäckerin und –Konditorin backt leidenschaftlich gerne und kreiert Torten zu jedem Anlass. Weil in diesen Tagen Feste ausfallen und auch keine Besucher zu Familie Langer kommen, ist die Nachfrage an Torten und Kuchen nicht sehr groß – allenfalls für den familiären Eigenbedarf wird der Backofen angeworfen.
   

 

Alle, die auf Osterurlaub verzichten mussten, können sich an dieser „Fliegertorte“ erfreuen. Einsteigen, anschnallen, das Flugzeug startet.

Seit großflächiger Öffnung herrscht beim Personal des Supermarktes gute Stimmung. Vor zwei Tagen hielten  Verkäuferinnen lautstark aus ca. 5 Metern Entfernung ein Schwätzchen, man hätte auf Schwerhörigkeit schließen können. Allerdings hat wohl mehr die Freude des Wiedersehens überwogen – schließlich war die Schmuckabteilung lange genug geschlossen.
18:00 Uhr: Im „Globus“ jauchzen, lachen, scherzen die Kassiererinnen – sind ja auch wenigKunden da. Der Arbeitsplatz ist sicher, Grund zur Freude im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern. Sicher ist aber auch, dass die Damen ab Montag eine Maske tragen müssen – und wer auch nur einmal drüber nachdenkt, welche Auswirkungen eine Corona-Erkrankung haben könnte, dem sollte schnell das Lachen vergehen.

Vor Wochen stand man zwar nicht Schlange bei Klopapier und Küchenrollen, aber sie waren begehrt. Schlangestehen heißt es aber für Stoffe, frühestens seit Bekanntwerden der ab Montag geltenden Maskenpflicht. Wer vorher Nadel und Faden nicht bemüht hat, der wird spätestens jetzt zum tapferen Schneiderlein.
 
Ab Mai gelten neue Bestimmungen im Straßenverkehr. Abstandsregel dann im Hinblick auf Radfahrer/innen. Allerdings sind Einbahnstraßenregelung, Geschwindigkeitsbegrenzung (Innenstädte) sowie Park- und Halteverbot in Fußgängerzonen (Oberstadt St. Wendel) nicht aufgehoben. Manche Zeitgenossen haben sich hier eine Grauzone geschaffen, die sich mit Corona allein nicht entschuldigen lässt.

Weiterhin wird der Chronist die Pressemeldungen von WHO und RKI zur „Pandemie“ aufmerksam verfolgen. Sie können sich weder mit Grimm’s noch Andersens Märchen messen. Als Informationsquelle ist auch Greta untauglich.

SaarlandToday empfiehlt für den letzten Sonntag vor der Maskenpflicht: Probetragen der eigenen Maske(n). Manche/r hat sich eine kleine Kollektion zugelegt. Die Selbstgenähten wirken ja auch stylischer als diese wenig modischen FFP2-Oschis. Farbe, Muster, Verarbeitung spielen auch hier eine Rolle. Welche Maske zu welchem Outfit, zu welcher Frisur? Das Ganze muss zudem mit dem Nagellack abgestimmt werden. Am Montag wird die „Einstiegsmaske“ getragen, die ist der Gradmesser, wie man „maskiert“ aussieht. Kann man sich so überhaupt ins Geschäft wagen? In den Bus, in den Bahnwaggon setzen? Der Montagabend ist erfüllt: Für Dienstag wird abermals am Outfit „gefeilt“, schließlich soll/möchte man(n)/frau netter aussehen als tags zuvor. Bei Sonnenschein kommt eine Maske natürlich besser zur Geltung als bei Regenwetter. Was tun, wenn es regnet? Mund und Nase sind geschützt, der Kopf nicht. Unter Bikern wird eine so genannte „Sturmhaube“ getragen. Die schützt vor Kälte, erinnert aber an den unseligen IS. Bartträger und zwangsweise Langhaarige (Frisöre hatten ja geschlossen) sollten ihre Maske dem Gesichtsvolumen anpassen. DAS alles ist die neue Normalität.

 

Zu guter Letzt: Eigentlich wollte ich heute putzen, aber auf dem Weg durch die Zimmer wurde ich geblitzt. Nun ist der Lappen weg.

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