Tag 24 der Ausgangsbeschränkungen

Diverse Wörterbücher
Foto: (c) Gerald Wind

Frauenpower und Bildung

Vor knapp 60 Jahren, genauer gesagt 1960 des 20. Jahrhunderts, wusste der Chronist noch nicht, was ihn 2020 sprachlich erwarten würde. Schon gar nicht, was ihm das Erlernen der lateinischen, wenig später der (alt-)griechischen Sprache für die Zukunft bringen würde. Französisch noch dazu, Englisch im Eigenstudium – das war die sprachliche Bildung. (Anmerkung: Früher pflegte man „humanistische Ausbildung“ zu sagen. Da der Chronist jedoch seit seinem 6. Lebensjahr, also seit 64 Jahren, karnevalistischer Akteur ist, hat er sich schon sehr früh mehr dem Humoristischen zugewandt, ist aber zeitlebens human(istisch) geblieben.) Im weiteren Leben kamen noch 100 Wörter Russisch und 200 Wörter Polnisch dazu, danach stockte der Lernprozess, mit dem Arabischen will es nicht so ganz klappen. Mehr als „Haram“ (Sünde), „Merhaba“ (Danke) und Ramadan wollen nicht über die rheinhessischen Lippen kommen, auch wenn der Autor seit vielen Jahren Sprachschüler aus dem Morgenland unterrichtet.

07:22 Uhr: Experte: „Bei zu früher Lockerung der Schutzmaßnahmen wären die Krankenhäuser voll.“
10:06 Uhr: Mehrheit der Deutschen will keine Lockerung der Maßnahmen.

Als im 21. Jahrhundert Vivienne aus Baltersweiler Latein an einem St. Wendeler Gymnasium wählte, fühlte sie sich jahrelang zunächst gequält und wusste zunächst auch nicht so recht, was später damit anzufangen sei. Inzwischen hat sie das Große Latinum in der Tasche, steht in Corona-absehbarer Zeit vor der Abi-Prüfung.
So kommt denn allen „Lateinern“ (nicht Latrinern!) zugute, dass sie den zur Zeit negativ belegten Namen Corona (nein, nicht Grün!) sprachlich einzuordnen vermögen, wer historisch bewandert ist um so mehr.
Erst mal zu den Kulinarien des Ostermontag, Frühstück in Falkensee, Nachmittagskuchen in Merchweiler.

 

Der Chronist möchte an dieser Stelle zwei Damen vorstellen, die uns am heutigen Osterdienstag die restlichen Osterstunden nicht gerade verschönern (die eine Dame ist schon seit Wochen sehr lästig).

Dame eins mit dem klangvollen Namen Corona (oder auch Stephana (*um 160) soll eine frühchristliche Märtyrerin gewesen sein, nach katholischer Auffassung Patronin des Geldes, der Fleischer und Schatzgräber. Übersetzung aus dem Lateinischen: „Krone“, Bezeichnung für viele verschiedene Geldwährungen oder „Kranz“. Dieser Name wurde von Wissenschaftlern auch als Sammelname für eine Virenfamilie gewählt, aus deren Reihe uns SARS-Covid-2 bzw. Covid-19 derzeit in Form einer Pandemie plagt.
Dame zwei mit dem nicht minder schönen Namen Tanja (aus dem Russischen, Kurzform für Tatjana = die Kämpferin) sorgt am heutigen Osterdienstag für kühle Luft, sinkende Temperaturen, in Höhenlagen sogar für Schnee. Ein Absturz ohnegleichen in einer Zeit, in der man auch temperaturmäßig Streicheleinheiten benötigt.

Diese beiden Damen sorgen dafür, dass sich manche/r der geneigten LeserInnen nicht dem Glotzophon, sondern einem Buch widmet oder sich seiner einst erlernten Sprachkenntnisse widmet – gemäß dem Motto: Schlau werden dank Corona. Denn: Seit mehreren Wochen prasselt auf uns ein Vokabular an Fremdwörtern aus Medizin und Technik hernieder, so dass man zum Fremdwörterlexikon greifen (oder googeln) muss. Ach, und wie flott gehen, auch Politikern in Pressekonferenzen, diese sprachlichen Gebilde über die Lippen.
Beginnen wir mit der gebräuchlichsten Auswahl für die sprachlich Alltags-Gebildeten: Lockdown – Downshoot – shut down -  (übrigens ein technischer Begriff aus dem Innenleben eines Tarnkappenbombers, auch in der Pathophysiologie angewandt) - social distancing - Corona-Hotspot (für Handy- und Internetfreaks klare Sache).
Hier die Wortschmankerl für die Lateiner: Virus –  Infektion -  Infizierte – Restriktionen - Deeskalation – Intensivstation – Quarantäne – Corona-App (Lateinisch/Englisch) – Passierschein (Lateinisch/Deutsch) - Normalität …. Seht Ihr, liebe lateinlernende Schüler/innen, Euer Lernen war nicht umsonst! Ihr versteht, worum es geht! Und schließlich die Sprachbonbons für Mitmenschen mit höheren Lernweihen: Exit-Strategie (Lateinisch/Griechisch)  Symptome – Krise – Pandemie – Virologe – Risikopatienten (Griechisch/Lateinisch) – Panik (kennen wir doch von Udo’s Panikorchester) - Hygiene … „Humanisten“ der Welt, vereinigt Euch, Ihr mit Alt-Griechisch, Platon, Homer, Odysseus und all‘ den Helden des Klassischen Altertums (da gab’s übrigens auch eine gewisse Pandora, die mit der Büchse, aus der Böses kam … wie jetzt Corona).
Selbst das Wort Maske ist nicht deutschen Ursprungs: Es kommt aus der arabischen Sprache.
Allein diesem Wortschatz könnte man einen Abituraufsatz erstellen lassen.
Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Nachhilfe-Lehrer:

Wählen Sie dreimal die Acht,
er kommt bei Tag und Nacht,
egal ob Junge oder Mädchen,
er hilft Ihnen in jedem Städtchen.

 

Der Brexit ist da. Wann kommt der Coronexit?
Nach soviel Lernen dank Corona heißt’s kühlen Kopf bewahren dank Tanja!

17:00 Uhr: Bundesweit werden über Ostern registriert 60 Demonstranten in Köln, 2.500 Verstöße in BaWü, 150 Platzverweise in Brandenburg, 51 Grillende in München – das sind immer noch zu viele Ignoranten! Schaut nach Frankreich: Striktere Ausgangsbeschränkungen!

 

Zu guter Letzt: „Are you German?“ – „See I so out?“ – „You hear you so on!“ – Yes, I am a washreal German!"

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