Tag 23 der Ausgangsbeschränkungen

Brunnen in St. Wendel mit Osterdeko 2019
Foto: (c) Guido Schneider

Virus nimmt keine Ratschläge an

„FROHE OSTERN!“ allen geneigten LeserInnen. Obwohl, so „froh“ stimmt uns dieses Osterfest eigentlich gar nicht. Strahlendes Wetter, aber mir sin dehemm!

Frühstückszeit: Was macht man an solch einem strahlenden Sonnen-Sonntag? Sich freuen, sich ärgern, sich wundern – so geht’s zumindest dem Chronisten bei der Lektüre der gestrigen (bisher noch ungeöffneten) Samstagspost. Ärger: Der entsteht über ein Schreiben von der GEZ, die Gebühren sind fällig. Wofür eigentlich? Für die 30. Wiederholung von „Winnetou“, die 20. von „Robin Hood“, für Käpt’n Silbereisens Flori im „Traumschiff“,  für den langweiligen Tatort aus Saarbrücken, für „Marie Brand“? Das Öffentlich-Rechtliche bietet keine Abwechslung, genauso wenig wie die Privaten. Sage und schreibe 17 Millionen Zuschauer verfolgen derzeit die „Tagesschau“, in deren Ausgaben 13 von 15 Minuten dem Übel Corona gewidmet werden, zwei Minuten blieben noch für Lottozahlen und Wetter. (Quelle: Medienforscher Prof. Dr. J. Trebe, FU Berlin).Zurück, zudem, worüber sich der Autor wundert: Da möchte das Finanzamt doch wahrhaftig 1,50 € Mahngebühren für nicht geleistete Vorsteuerzahlung. Ja, Herrgottsackzement, am 16. schrieb meine Steuerberaterin, dass am 10. (!) die Vorauszahlung zu leisten sei. Corona und dem Einspruch von Frau Qu. sei Dank, dass bis auf Weiteres keine Zahlungen zu leisten sind! Die Freude noch schnell erklärt: Patt‘ Winand (Patenonkel meiner Tochter) aus Marpingen, Studienkollege, Freund – dem übrigens der aus Rheinhessen gebürtige Chronist seinen seit 1971 andauernden (geduldeten) Aufenthalt im Saarland zu verdanken hat, schickte aus seiner „Bärenhöhle“ seine in Freundeskreisen beliebte „Bärenpost“ (Wortspiel mit dem Familiennamen).

Ausflugswetter schon am frühen Vormittag, doch Corona „verdammt“ uns immer noch zum Daheimbleiben.
Unser Titelfoto zeigt heute den in St. Wendel alljährlich geschmückten Brunnen auf dem Schlossplatz – umgeben von Marktbuden, traditioneller Ostermarkt, seit Jahren eine beliebte touristische Attraktion. In diesem Jahr:

 

In diesem Jahr plätschert der Brunnen vor sich hin, keine Deko, keine Buden, kein fröhliches Treiben in der Stadt – CoronOstern.
11:00 Uhr: Man muss kein praktizierender Christ sein, um sich die Papst-Messe im TV anzuschauen. Allein schon die Tatsache, dass der Petersplatz im Rom verwaist blieb, dass die Papstmesse im nahezu leeren  Petersdom zelebriert wurde – dieses Ungewöhnliche vermittelt uns einen weiteren Eindruck, dass irgendwo etwas Bedrohliches lauert.

Wer kennt noch den Werbespruch aus früheren Zeiten: „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald.“ (Ja, die Brathähnchenkette, gegründet 1955, einstmals weltweit 1.600 Lokale, nach drei Insolvenzen nur noch 18 bundesweit). Da ging die ganze Familie essen, Mutter hatte „Kochurlaub“. Die Zeiten ändern sich in diesen Tagen notgedrungen.
Küchenchef Wolle (Falkensee) empfiehlt heute Spargel. Für Freunde der veganen oder vegetarischen Linie wird mehr Rohkost empfohlen.

 

Den heutigen News entnehmen wir, dass Bernie Ecclestone Herrn Vettel zum Karriereende rät. Und dass Frau von der Leyen der Bevölkerung von der Buchung des Sommerurlaubs abrät. Man würde sich wünschen, solche gut gemeinten Ratschläge richteten sich an das Corona-Biest. Dies zeigt sich jedoch nach wie vor solchen Unterfangen gegenüber resistent.

Zum Nachmittagskaffee (heute kommt ja keine Verwandtschaft) hat Meisterbäckerin wieder eine schöne Torte gezaubert (Kalorien, Kalorien!).

 

Währenddessen sitzen Freunde und Bekannte im Garten auf der Terrasse oder auf dem Balkon, erfreuen sich an Flora und Fauna rund um’s traute Heim.  Die Technik macht‘s möglich: Beim Kollegen Wolfgang ist Meeresrauschen im Garten zu hören, das möchte Kollegin Mona mit Möwengeschrei akustisch garnieren, hingegen hat Willi genug Rauschen um die Ohren (nein, kein Tinnitus), er hat drei Aquarien im Arbeitszimmer; manch einer schlürft wie im Osterurlaub in fernen Landen genüsslich einen Balkonien-Cocktail.
Den Radler zieht’s auch heute wieder raus auf die Piste.

 

Bei der Rückkehr gibt’s einen Zwangsstopp am Bahnübergang St. Wendel. Da stauen sich sage und schreibe ca. 15 PS-betriebene vier- und zweirädrige Gefährte, darunter fünf Oldtimer. Deren Fahrer/innen haben wohl weder Ostereier gesucht noch eine wichtige Einkaufsfahrt getätigt. Von wegen „Mir bleiwe dehemm!“

20:30 Uhr: Im Internet ein Artikel „Wie Singles die Krise für sich nutzen können“ (Autorin: Julia Lösch). 18,5 Millionen Singles bundesweit fehlen diesem Bericht zufolge „banale Dinge wie eine Umarmung“. Ob Online-Dating eine Lösung sei, fragt die Autorin. Wer aber keine Lust auf Partnersuche hat? „Sich mit sich selbst beschäftigen, gezielt Zeit für sich nehmen“, so ein Single- und Beziehungscoach. Alleh hopp dann!

Geht’s uns trotz Beschränkungen nicht gut? Rückblick – Ostern 1945: Noch vor wenigen Tagen haben unsere Großeltern in Luftschutzbunkern und –kellern gesessen, ohne Ostereier, ohne Cocktails, ohne Urlaubspläne zu schmieden. Amerikanische Truppen marschieren am 21.März 1945 in Saarbrücken und Neunkirchen ein. Am 10. April 1945 befreiten US-Truppen Hannover, Wien wird kampflos von der Roten Armee eingenommen. Ab dem 16. April 1945 begann der Endkampf um Berlin.
Wir sollten in diesen schwierigen Zeiten nicht vergessen, dass wir damals von einer Diktatur befreit wurden, durch deren Expansions- und Verfolgungspolitik in fast allen Familien schmerzliche Lücken gerissen wurden - so wie es der unsichtbare Feind seit fast zwei Monaten weltweit macht.

 

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