Tag 2 M(askenpflicht)

Maskenausgabe in Saarlouis
Foto: (c) Gerald Wind

Maske macht Mut auf Mai

Der Tag beginnt mit Regen. Graue Wolken hängen über der Stadt, kühl ist’s – das lässt keine gute Stimmung aufkommen. Beim Nachbarn ist der Swimmingpool abgedeckt, die Liegestühle untergestellt – keine Bade-, geschweige denn Urlaubsatmosphäre.

Der Tag beginnt benebelt. Der Geist ist klar, die Sicht getrübt. Als Brillenträger ist man mit Maske geplagt – das Nasenfahrrad beschlägt, unangenehm dann, wenn man im Geschäft Preise, Beschreibungen, Infos lesen , nach der Obstqualität schauen möchte. Dunst, kein blauer, aber störender – mit Kontaktlinsen würde das nicht passieren!

Freunde des freien Mundes und der freien Nase! Geht’s Euch nicht auch so? Einen Tag in Geschäften mund-und-nasen-geschützt, man vergisst, die Maske abzulegen oder lässt sie bis zum nächsten Einkaufsgang an. Der Gesichtserker (=Nase) nimmt absolut nix mehr wahr, weder PKW-Schadstoffe noch andere menschliche Emissionen. (Keine Panik: Beeinträchtigter Geruchssinn alleine deutet noch nicht auf Corona hin!)

10:00 Uhr: Der Chronist schaut noch mal an der Maskenausgabe im Bereich Bosenbachstadion vorbei – dort sind die Verteiler dick eingemummt, zwei einsame Autos bewegen sich zum Drive-In, die Ausgabestelle für Fußgänger ist verwaist. Heute kein Sonnenbad für die HelferInnen, Friesennerz dominiert.
10:10 Uhr: In der Aldi-Filiale St. Wendel Jahnstraße großer Andrang, lässt sich aus dem fast voll besetzten Parkplatz schließen.
11:20 Uhr: Aldi-Filiale Tholey hat geringes Kundenaufkommen. Die Kundschaft (laut Aushang sollen sich maximal nur bis zu 55 Personen im Ladeninneren aufhalten) ist geschützt und bewegt sich wesentlich „ungehemmter“ als in den Vortagen durch den Supermarkt.
11:30 Uhr: dm gegenüber ist wenig frequentiert, hier geht’s ganz ruhig zu.
12:00 Uhr: Bei Globus Saarlouis ist’s auch verhältnismäßig ruhig, allerdings auch hier scheinen die Schutzmasken einigen Kunden Flügel zu verleihen. An der Backtheke nimmt der Chronist vor sich eine (ältere) Kundin wahr, die im Einkaufs-Small-Talk mit der Verkäuferin genüsslich an ihrem Roschdwurschtweck (oder an dem, was davon übrig blieb), knabbert. „Können Sie bitte Ihre Maske anziehen!?“ – „Ich esse.“ – „Mit Verlaub: Auch außerhalb von Corona-Zeiten spricht man mit seinem Gegenüber nicht mit vollem Mund. Und außerdem: Machen die anderen Leute hier rundum etwas falsch?“ Verkäuferin schweigt. Kundin wischt sich mit der linken Hand die Krümel vom Mund, kramt im Geldbeutel nach Geld. – „Aaaach…!“ -  Da die ganze Szene sich in die Länge zieht, der Kundin auch noch etwas zu Boden fällt und sich weitere Kunden im Hintergrund angestellt haben, merkt der Chronist an: „Ich wollte eigentlich nur ein Brot kaufen und nicht übernachten.“ Die netten beiden „netten“, dem Vokabular der Tierwelt zuzuordnenden Wörter verschweigt des Chronisten Höflichkeit. Wie später zu beobachten war, belohnt sich die Dame danach noch mit einem Fleischkäsweck.
Immer noch Globus SLS: Am Roschwurschtstand im Außenbereich hat die Verkäuferin ihre Maske auf Halbmast hängen, während ihre Kolleginnen an der Kasse im Innenbereich quasi doppelt – mit Maske und hinter Plexiglas geschützt sind.
12:20 Uhr: Pieper Backwaren-Abteilung. Drei Verkäuferinnen, drei „Anzugsordnungen“: Masken-Halbmast, Nase frei, voll geschützt.  

Eineinhalb Tage mit Masken, die in Sicherheit wiegen (sollen/können). Man gewinnt den Eindruck, dass mit Maske einige MitbürgerInnen (wieder) erste Fahr- und Gehversuche in der Öffentlichkeit machen. Wie war das? Neue Normalität?
In den Geschäften gibt‘s zwar noch die leichten Zuckungen (links oder rechts vorbei), aber die Keckheit, den 2-Meter-Abstand zu unterbieten, wird größer. Nur noch an den Kassen wird er (wegen der Markierungen) eingehalten. Der Mut zur Bewegungsfreiheit wird größer. Vergessen sind die Desinfizierungsmaßnahmen vor Wochen, bevor man den Laden betrat. Einkaufswagen war Pflicht, auch wenn man nur einen Sack Luft kaufen wollte.

Mahlzeit!

 

12:45 Uhr: Die Masken-Ausgabestelle an der Sporthalle Stadtgarten Saarlouis ist mäßig besucht. Junge Damen versehen ihren Dienst. Der Chronist reiht sich ein, soll er doch auftragsgemäß unter Vorlage des Perso’s das Maskenpaket abholen. „Hallo!“ – Einweiserin: „Hallo, fahren Sie bitte vor, dann nach links, dort geht‘s weiter.“ (Sehr informativ, denn auf der freien Fläche ist alles auch aus dem Cockpit überschaubar, aber die junge Dame versieht ihren Dienst.) Ausgabestelle erreicht: „Guten Tag, ich soll die Masken für jemanden abholen, hier ist der Ausweis.“ – „Ah ja, danke!“ Die junge Dame ohne Maske schaut in Windeseile  kurz ins Auto, dann dem Chronisten in die Augen (lächel), dann auf den Perso. „Wieviele brauchen Sie?“ – Der Chronist wird keck: „ Sagen Sie mal, wissen Sie überhaupt, wo die Straße ist, die auf dem Perso steht?“ – „Nö!“ – „Und wie können Sie kontrollieren, ob die Dame nicht schon ihr Kontingent hat?“ Achselzucken, Ratlosigkeit. „Nun gut, in diesem Haushalt sind zwei Personen gemeldet.“ Die Masken werden ausgehändigt. „Tschüss!“ – „Tschüss!“
In Saarbrücken musste man sich die Masken selbst abholen, obwohl die Briefkastenzustellung vorher angekündigt war. Masken wurden ohne Verpackung ausgegeben.
Wem darf man dazu den „Goldenen Schnarchsack“ verleihen?
Das muss man sich vorstellen: Du kannst nicht einkaufen gehen, weil Deine Stadtverwaltung Dir keine Masken zukommen ließ! Ist das Bürgerservice? Der Chronist ist sicher: Wenn Wahlen angestanden hätten, hätten Dir die KandidatInnen die Masken mit Kugelschreiber und Autogramm vorbeigebracht und Dir die Füße geküsst.
Insgesamt haben in punkto Ausgabe und Zustellung Saarlouis und Neunkirchen (Ausgabe die ganze Woche über) schlecht abgeschnitten. Und in Mettlach haben sie die Masken mit blanken Händen ausgeteilt! Man hat den Eindruck, dass einige Kommunen solchen Situationen nicht gewachsen sind. Wie sähe das aus, wenn andere Krisenzeiten kämen?

17:11 Uhr: Nach Ansicht des Hamburger Verwaltungsgerichts verstößt die seit Montag geltende Maskenpflicht in Geschäften nicht gegen das Persönlichkeitsrecht. MNS sei geeignet, dem Lebens- und Gesundheitsschutz zu dienen.
19:50 Uhr: Zahl der akut Infizierten sinkt unter 40.000. Die Zahl der Neuinfizierten ist gestiegen.
20:46 Uhr: Die verfügten Ausgangsbeschränkungen müssen nach einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes sofort gelockert werden. Das heißt: „Begegnungen in Familien sowie das verweilen im Freien unter Wahrung der notwendigen Abstände und Kontaktbeschränkungen sind ab sofort wieder möglich.“ Anmerkung: Das haben viele doch auch ohne Entscheidung gemacht.  
21:15 Uhr: Fußball-Freunde aufgepasst: Geisterspiele vielleicht möglich.

Die Anzugsordnung für den kommenden Tag soll nicht außer Acht gelassen werden. Schon gestern erreichte die Redaktion eine Menge an Anregungen, die von Maskentausch über Hemdentausch bis hin zum Austausch des Trägers reichte. Viele Typenberaterinnen, viele Varianten – aber nur 100 Hemden.

 

Was sonst noch war?
Die Marienhaus-Betreibergruppe (Krankenhäuser in St. Wendel und Ottweiler) kommt in die Kritik (zu wenig Personal, Qualität der Pflege).

Uneingeschränkten Schulunterricht wird es vor den Sommerferien nicht geben.
Die Schulen müssen die Hygienebestimmung selbst organisieren und die Umsetzung/Einhaltung gewährleisten.  
Derweil rüsten sich landesweit die Schulen auf die Fortsetzung des Schuljahres. Beispiel: An einer Schule werden am kommenden Montag 180 SchülerInnen erwartet, Dazu mussten 10 Klassenräume „präpariert“ werden, denn unterrichtet wird in Kleingruppen. Sport fällt aus. Ob Lehrpersonal, das 60 plus ist (Risiko-Patienten), antritt, liegt im Ermessen der Betreffenden selbst und der Schulleitung.

Fitnessstudios dürfen bis auf Weiteres noch nicht öffnen.  

 

Zu guter Letzt: Wenn man die Schutzmaske über Nacht in Alkohol ziehen lässt, wird der nächste Tag lustiger und angenehmer.

 

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