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Es ist nicht leicht ein Narr zu sein
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Es ist nicht leicht ein Narr zu sein
Dienstag, 23. März 2021 - 15:19
Symbolfoto

(gew/Narrhalla) Stellt Euch vor, Ihr Narren: Es ist Faasend – und keiner geht hin! Die so genannten „tollen Tage“ beginnen. Fetter Donnerstag, Weiberfastnacht ist angesagt. 2020 und vorher: Landauf, landab hat man sich am Vorabend auf die Rathausstürme vorbereitet. Anklagereden gegen die politischen Oberen erhielten den letzten Schliff, in den Rathäusern zitterten die Allmächtigen vor der Machtübernahme durch die närrischen Heerscharen. Mancherorts wurden städtische Angestellte zu Bodyguards umgeschult, wie zum Beispiel früher in St. Wendel die „Griffelspitzer“, die heimlich übten, wie man das Bouillon'sche Rathaus vor dem Narrensturm schützen könnte. Sitzungssäle wurden zu Empfangsräumen für die närrischen Truppen umfunktioniert - Eroberer muss man gut aufnehmen. Ketten, Gitterwagen waren bereitgelegt bzw. -gestellt, um das Stadt- bzw. Gemeinde-Oberhaupt nach der Verurteilung festsetzen und abführen zu können. Der Stadtschlüssel war aufpoliert und die Stadtkasse nach vorheriger Steuererhöhung prall gefüllt – es galt die Nnärrischen Okkupanten gnädig zu stimmen. Nach manchem Rathaussturm in den vergangenen Jahren wurde bei schönem Wetter draußen gefeiert, hier und da heizten Bands den Narren bis zum Einbruch der Dunkelheit ordentlich ein – die winterliche Kälte war vergessen. War’s allzu kalt, feierte man indoor, wie es modern heißt. Die Lokale waren proppevoll, manche Säle abends auch. | | In Saarwellingen lagen die Gräsen auf der Lauer. Es war jahrzehntelang Kult, den legendären Gräsenball zu besuchen. Aber wehe, wenn um Mitternacht die Maske der Gräse gelüftet wurde…..hier schweigt des Narren Höflichkeit.Die Chefs in den Betrieben zogen ihre hässlichste Krawatte just am Fetten Donnerstag an, wohlwissend, dass die weiblichen Bediensteten den Halsstrick ratzfatz mit der Schere kürzen würden. Ja, es war richtich scheen an Weiwerfassend…. Und 2021? Geister-Faasend. Keiner geht hin, weil nix stattfindet und somit keiner hingehen kann. Veranstaltungsverbot. Lockdown. Die Faasend findet virtuell statt – der Narr geht nicht zur Veranstaltung, die Veranstaltung kommt zu ihm. De Becker Heinz däht sahn: „Mol was Anneres!“ | | Ja, es ist anders. Und wer hätte das gedacht? Kein Rathaussturm. In Brandenburg und Berlin ist die Serie der Rathauserstürmungen anders programmiert, nicht am Fetten Donnerstag. Und dort, in der Mark Brandenburg hat zum Beispiel der Falkenseer Karnevalklub 2000 gerade noch Glück gehabt und im November unter Einhaltung der Auflagen das Rathaus gestürmt. Viele saarländische Karnevalsvereine und -clubs haben sich was einfallen lassen. Aber es ist eben nicht live und in Farbe, nix zum Anfassen. Der Narr braucht direkte Kommunikation, Auge in Auge, er braucht Tuchfühlung, zum Busseln, zum Schunkeln und auch zum Ordens- oder Pinaustausch. Allenfalls kann in dieser verflixten Coronakampagne live der Schlips abgeschnitten werden. Doch wer hat schon so recht Faasendlaune im Büro, wenn Homeoffice angesagt ist und der Chef 30 Kilometer weiter an seinem PC sitzt? Sei’s drum! Ein Narr ist nicht sauer, er hat genug Humor, auch mit schwierigen Situationen umzugehen. Ein Narr denkt positiv, auch wenn er derzeit nirgendwo hingehen und ausgelassen seine Faasend feiern kann. Ein Narr weint nur an Aschermittwoch, wenn die Faasend begraben wird. Aber bis dahin sind ja noch ein paar Tage. Wir haben ja erst FETTEN DONNERSTAG, WEIBERFAASEND! P.S.: Das Foto oben bitte genau anschauen! Der Aufruf zum Rathaussturm in St. Wendel stammt aus dem Jahre 2005! Nicht, dass eine/r morgen hinrennt! |

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