Tag 3+4 (Kontakt-er)L(eichterungen mit)M(aske)

Menschen
Foro: (c) Pixabay

Leichtes Aufatmen oder Wettlauf in den Übermut?

Das Volk jubelt, einigen Geschäftsbranchen fällt ein Stein vom Herzen und alles ist wieder in Ordnung. Nicht wahr? Wären da nicht Masken, Abstände von mehr oder weniger zwei Metern, keinem Menschen käme das Wort „Corona“, geschweige denn „Pandemie“ über die Lippen.
Seit Mittwochnachmittag ist die Bundesregierung, nein, sind die Länderregierungen dem Wunsch der Nation nach Freiheit nachgekommen, die Forderung des Staates nach Sicherheit bleibt.

Die Entscheidungen vom Mittwoch haben gezeigt, das einheitliche Vorgehen von Bund und Ländern hat ein Ende. Die Bundesländer sind flügge geworden. Nicht mehr der Bund bestimmt das weitere Vorgehen während der Corona-Pandemie (ist’s eigentlich noch eine Pandemie? Pan ist Griechisch und heißt „alles“ …. Alle haben was? Was haben nun  alle?), die Länder haben ihr Vorgehen selbst in die Hand genommen. Einerseits wird dies als Stärke des Förderalismus gewertet, andererseits wird nun der Kanzlerin Schwäche vorgeworfen.

Wie geht’s denn nun weiter im Saarland? Lang ist die Liste des schrittweisen Vorwärtsgehens in geregeltes Leben. (Aber so ungeregelt war es doch nicht, oder!?)  Bis zu den Sommerferien sollen alle SchülerInnen in die Schule gehen. Ab 11. Mai muss die erweiterte Notbetreuung in den KiTa’s hochgefahren werden. (Das bedeutet dort: Mehr Personal.) Alle, aber auch alle Geschäfte werden geöffnet. Wer Angehörige in einem Pflegeheim hat, kann sie an frischer Luft mit Mundschutz und Einhaltung des Abstandes treffen. (Wenn’s aber plötzlich regnet, was dann?) Bis 31. August finden keine Großveranstaltungen statt. Personen aus verschiedenen (zwei) Hausständen dürfen sich besuchen (und zusammen ein Lokal besuchen). Doch wer kontrolliert, wer zu welchem Hausstand gehört? Dass das Training im Bereich Breiten- und Freizeitsport im Freien möglich ist, stellt eigentlich keine sensationelle Neuerung dar. Während der Pandemie sah man durchgängig Breiten- und FreizeitsportlerInnen radeln, skaten, wa

Kontaktfreie Sportarten unter freiem Himmel sind mit Distanz erlaubt, also Golf, Tennis, Leichtathletik. Anna aus Freiburg fragt: „Wie sieht’s mit Beach-Volleyball aus, wenn das nur zwei Personen spielen? Wenn zwei Mannschaften aus je einer Familie gegeneinander spielen, dürfen die dann hinterher zusammen im Restaurant essen?“  

Zu den  „dicksten Brocken“ der Serie von weiteren Lockerungen zählen zweifellos die Bereiche Gastronomie und Profisport (Fußball). Dass die 1. und 2. Fußball-Bundesliga ihren Spielbetrieb am 16. Mai wieder aufnimmt, tangiert das Saarland nur peripher, da es dort keinen Club hat; die Fans müssen vorläufig am TV oder im Stadion (noch) nicht zuschauen. Hier ist noch kein Konzept betreffend den Zutritt von Zuschauern bekannt.

 

Zur Zeit ist heimische Küche in allen (inter)nationalen Variationen angesagt. Der Chronist bevorzugt den „Handkäs‘ mit Musigg“, ist aber einem Steak medium plus oder rustikalen Bratkartoffeln mit Spinat und Spiegelei nicht abgeneigt.

Damit das Volk nicht endgültig den heimischen Genüssen verfällt, müssen von der Gastronomiebranche  „Hausaufgaben“ gemacht werden, d.h.: Es muss ein Konzept vorgelegt, um ab 18. Mai schrittweise öffnen zu können. Das gilt nicht nur für die reinen Bewirtungsbetriebe, sondern auch für Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen.

Als potentieller Gast fragt man sich, wie soll das funktionieren? Konzept? Saarland Today hatte es schon erwähnt: Wer will im Lokal kontrollieren, wer zur Familie, zum Hausstand gehört? Mit wem darf man an einem Tisch sitzen, Fremde hingegen haben den vorgeschriebenen Abstand zu wahren.
Glaubt man einer Studie, dann werden durch Belüftungs- und Klimaanlagen genügend Erreger durch die Luft und somit in den Einatmungsbereich „geliefert“ und schwupp ist man ohne Körperkontakt infiziert. Wird in Hotels und Pensionen das Frühstück auf’s Zimmer geliefert? („Spiegelturm“ Spandau, der Chronist kommt!)

Aktuellen Infos zufolge soll der Ministerrat des Saarlandes am Freitag über ein Konzept beraten. Inhalt: Öffnung aller Gastronomie- und Hotelleriebetriebe (innen und außen).

Es bleiben bis 5. Juni die Kontaktbeschränkungen bestehen, darüberhinaus die Hygienebestimmungen und die 2-Meter-Abstandswahrung. Und: Bis 31. August finden keine Großveranstaltungen statt.

Bei alledem darf man jedoch nicht vergessen: Sobald die Infektionszahlen steigen, wird die Notbremse gezogen!

 

5.943,00 €, in Worten: fünftausendneunhundertdreiundvierzig € (je nach Funktion kommen noch Zuschläge dazu), verdient ein saarländischer Landtagsabgeordneter– nur noch wenige Tage. Nein, niemand wird dort entlassen, im Gegenteil, es steht ab Juni eine automatische (!) Diätenerhöhung an. Angesichts der durch Corona verursachten Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit kann man da nur den Kopf schütteln. Während die Bundestagsabgeordneten auf eine Gehalts-(Diäten-)erhöhung verzichtet hatten, steht das in Saarbrücken nicht zur Debatte. Allenfalls eine „Spende“ wird von CDU, SPD, AfD empfohlen – das jedoch kann niemand kontrollieren, sagt die Linksfraktion. Auch wenn das Festhalten an der Erhöhung mit dem Automatismus der Anhebung begründet wird, kann man als Außenstehender nur den Kopf schütteln und muss sich fragen, welche MdL-Namen während der Corona-Krise sehr häufig, häufig oder gar nicht gefallen sind. Demnach muss mehr als das halbe Parlament durch Abwesenheit oder ganz einfaches Nicht-Vorhanden-Sein geglänzt haben. Der Mund-Nasen-Schutz muss wie einst bei Siegfrieds Begegnung mit Brunhild wie eine Tarnkappe gewirkt haben.

Oder: Man nennt das Home-Office.

Zwei Themen liegen dem Chronisten noch am Herzen:

 

Am 8. Mai eines jeden Jahres feiern die Sieger des Zweiten Weltkrieges den Triumph über das Nazi-Regime. In diesem Jahr gibt das Virus keine Gelegenheit für Paraden. Auch in Deutschland selbst finden keine Gedenkfeiern, keine Reden wie einst die historische des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker statt. Im Stillen sollte Jede/r aber einmal innere Einkehr halten, dass mit dem vorgenannten Datum zwölf Jahre dunkler deutscher Geschichte zu Ende gingen. (Im Ostteil Deutschland ging’s allerdings fast nahtlos weiter.)

Vorgestern wurde Innenminister Bouillon Opfer eines mutmaßlichen Anschlagsversuches (Radmuttern am Dienstwagen waren gelöst). Inzwischen ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Dies dürfte in der Geschichte des Saarlandes wohl einmalig sein. Bouillon hat sich als Bürgermeister von St. Wendel 1983 bis 2014 große Verdienste erworben, galt als „Macher“. Seit 2014 Innenminister stieß er nicht immer mit seinen Entscheidungen auf Gegenliebe. 2015 war er zu Gast in einer Diskussionsrunde von Günther Jauch mit dem Titel „Pöbeln, hetzen, drohen – wird der Hass gesellschaftsfähig?“ (u.a. mit dem umstrittenen AfD-Mann Höcke, mit dem Bouillon damals hart diskutierte). Fünf Jahre später hat ihn dazu die Realität eingeholt. Es herrscht Meinungsvielfalt. Feige Angriffe auf Leib und Leben anders Gesinnter sind jedoch auf’s schärfste zu verurteilen.

 

Neuen Kommentar hinzufügen