Tag 1+2 K(ontakt-er)L(eichterungen mit) M(aske)

Schüler am TG BBZ in Dillingen/Saar
Foto: (c) Saarland Today/Willi da Silva Borges

Erwachtes Leben mit Trauerfall

(gew). Klingelzeichen – Unterrichtsbeginn – Pause. Dieses Vokabular gehört eindeutig in den Bereich „Schule“. Diese oder „umschrieben „Der Ernst des Lebens“ wurde für rund 26.000 saarländische SchülerInnen ab Montag wieder zum Lebens- und Lernmittelpunkt. Allerdings rückten nur die Abschlussklassen ein, die Daheimgebliebenen werden weiterhin online unterrichtet. Auch beim Lehrpersonal gab es Aktive und Passive, Letztere, weil sie zur Gruppe der Risikopatienten aus Altersgründen oder wegen Vorerkrankungen gehören.

Es war ein Kraftakt für Lehrpersonal und Hausmeister: Einrichten von Desinfektionsstationen, Maskenausgabe, Beschilderungen, Wegweiser, Umstellen von Tischen und Bänken – kurzum: Die jahrzehntelange Infrastruktur wurde auf den Kopf gestellt oder verändert, zwangsweise. Dennoch stellte man sich dieser Mammut-Aufgabe und der Chronist kann feststellen: „Hausaufgaben sehr gut gemacht!“

 

Lange nicht gesehen und trotzdem mit Maske noch erkannt. Das ist nur ein kleiner Aspekt der schrittweisen Normalisierung an der pädagogischen Front. Die Gestaltung des „neuen“ Schulalltags ist bundes- wie landesunterschiedlich, je nach Schultyp. Während am TGBBZ Dillingen ein Vier-Schichtenbetrieb eingerichtet wurde, endet an anderen Schulen der Unterricht nach der vierten Stunde. Toilettengänge sind stets in allen Schulen einzeln zu absolvieren. (Hier fällt dem Chronisten aus eigener Schulzeit ein, dass vornehmlich Damen, schon in jungem, zarten Alter stets zu zweit einen gewissen solidarischen Drang zum gemeinsamen Toilettengang verspüren. Dies sei damit zu erklären, erinnert sich der ehemalige Schüler, dass auf der Toilette auch Schminkzeug gegenseitig ausgetauscht werde. Aha, merkt der Chronist an, wer schöner ist als ich, der ist geschminkt.)

Auch die Anzahl der SchülerInnen in einem Raum ist unterschiedlich, maximal dürfen jedoch nur bis zu 15 SchülerInnen anwesend sein. Sportunterricht fällt aus. Pfeile markieren die Wege, Aus- und Eingänge sind getrennt zu passieren.  Das Betreten von Kantine/Caféteria wird organisiert, so wie man es in den Supermärkten an Fleisch- und Backwarenabteilung praktiziert.

Und was sagen altgediente Pädagogen? „Die Kinder müssen erst mal wieder Strukturen bekommen.“ Na ja, so schlimm ist’s ja auch nicht. Experten verweisen darauf, dass größere SchülerInnen keine Probleme haben, die Regeln einzuhalten, längere Zeit eine Maske zu tragen. Unterricht mit Maske sei pädagogisch nicht sinnvoll und über längere Zeit nicht zumutbar. Wie aber soll man sich sonst schützen? Das wirkt fast wie ein „Problemchen“ wenn man hört, dass zum Beispiel ein Schüler wegen des Schichtbetriebes am TGBBZ in Dillingen fast drei Stunden im ÖPNV unterwegs ist, bis er erst mal im Unterrichtssaal sitzt. Die Kids selbst freuen sich („Hab‘ mich auf meine Freunde gefreut.“) oder fühlen sich aus dem Rhythmus der letzten sieben Wochen gerissen („Es ist anstrengend, ich kann nicht mehr ausschlafen.“) Dieser letztzitierten jungen Dame sei gesagt, dass sie später im Berufsleben ohne „Anstrengung“ nix bringen und in 100 Jahren genug schlafen kann.

Insgesamt werden die Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln beachtet. Beobachtet wurde allerdings am Montagmorgen, dass SchülerInnen des Schulzentrums In den Fliesen Saarlouis kurz nach Verlassen des Schulgebäudes flugs die Maske vom Gesicht rissen (brauchen morgen eine neue) und wie einst ohne Abstandswahrung der Fußgängerampel zustrebten, wo sie ihren vertrauten Small Talk nicht dicht an dicht, aber auch nicht in gebührendem Abstand fortsetzten. Es waren nur einige SchülerInnen …. die meisten wurden mund-geschützt gesichtet.

Bei allem Stolz und Lob auf Seiten der Schulträger und Schulleitungen - es bleibt die Frage: Wie geht’s weiter? Zumindest eins ist schon mal beschlossene Sache: Es gibt in diesem Schuljahr kein „Sitzenbleiben“.

Ortwechsel nach Saarbrücken und Neunkirchen: Dort sind die Zoos geöffnet und haben auch schon Zuspruch (Wer kann schon am Montagmorgen in den Zoo gehen?). Allerdings sind alle Tiere nur im Freien zu bestaunen. Geführt wird das Publikum in einer Art Einbahnstraßensystem, schön gemäß den Hygienebestimmungen. „Es ist wie ein Spaziergang im Stadtparkt“, meint ein Besucher, „und es ist nicht überfüllt.“

Weiter geht’s auch bei Ford – das ist besonders erfreulich, denn weder Affen, Giraffen noch Elefanten basteln am Focus, der in Saarlouis montiert wird. Sechs Wochen standen die Bänder still. Nur 70 Prozent einer normalen Tagesproduktion werden erreicht. Das Wirtschaftsleben muss wieder in die Gänge kommen. Ein spezieller Tag für die Mitarbeiter, aber ca. 40 Prozent bleiben noch in Kurzarbeit.

Montags haben Frisörläden eigentlich geschlossen – wäre da nicht Corona, nicht als Kundin, sondern als Anlass, ab sofort wieder Haare zu schneiden, zu föhnen, auf Dauer zu wellen, zu trocknen, zu färben. Ist dem/der geneigten Leser/in eigentlich schon mal aufgefallen, dass die seit einigen Wochen uns im TV informierenden Politikerinnen, Expert/Inn/en und Sonstige fein gestylt im Studio sitzen und das gemeine, inzwischen barttragende, immer langhaariger werdende, sich in Eigenversuchen selbst färbende Volk informieren und mit Maßnahmen überschütten? Sehen wir noch menschlisch aus? Zurück zu den Hairdressern: Die haben einen Überhang an Terminen - ohne Anmeldung läuft gar nix -  und montags neuerdings geöffnet. Mundschutz, Handschuhe, Desinfektionsmittel müssen allerdings reichlich vorhanden sein. „Was soll ich mit 100 ml Desinfektionsmittel?“, fragt eine Dame aus der Branche. (Es sei auf den Australier verwiesen, der mehrere 100 Liter hortete und sie wieder zurückgeben wollte. Wir berichteten.)  

 

Beim Einkauf im Globus steht am Montagmorgen wieder ein Zerberus vor dem Eingang, gegen 18 Uhr ist er verschwunden, am Dienstag „unsichtbar“. Einkaufswagen ist neben Maske-Tragen Pflicht. So würde der Abstand eingehalten. Unsinn, spätestens im Ladeninneren verlässt der Kunde/die Kundin ein paarmal den Wagen und strebt vom einen Obst- und Gemüsestand zum anderen, wuselt sich ohne Wagen durch die Gänge  gekühlten Käse- und Wurstsorten – dort kann man gar keine 2- Meter Abstand zur Seite halten. Und bei Alphatec muss man ein Körbchen nehmen, ebenfalls bei Rossmann in Lebach. (Nein, das Einkaufen geht hier nicht nach Körbchen große, sondern nach Hygienebestimmungen.) Die kommen aber ins Wanken, da man ein nicht desinfiziertes Körbchen von einer freundlichen Einweiserin in Empfang nimmt.) Bei Kaufland in Lebach war zumindest am Morgen weder ein Einkaufswagen noch ein Körbchen zugewiesen.

Der Chronist möchte eine Stunde vor Ladenschluss noch einen Brief bei der Poststelle im Globus St. Wendel loswerden. Die hat aber schon seit 18:30 Uhr geschlossen. Der Zerberus ist auch schon verschwunden. Wäre auch zu seltsam gewesen, wenn wegen eines Briefes ein Einkaufswagen hätte genommen werden müssen.

 

Es besteht Grund zur Trauer: Am 18.04.20 wurde die Blitzersäule im Lebacher Stadtteil Knorscheid (ja, die in der Senke) an der B 268 „niedergemacht“. Dieses schwarze, allseits gefürchtete Monstrum, dem der Chronist selbst zweimal (völlig unberechtigterweise) zum Opfer fiel, liegt seither eingehüllt in eine Plane am Straßenrand. Im Jenseits darf es der Trauer und Anteilnahme gewiss sein: Drei Grabkerzen zeugen davon, dass der Tod jegliches Negative erlöschen lässt. Übrigens: Der zunächst unbekannte Fahrer hat sich wenig später gestellt. Eine neue Blitzersäule kostet je nach Typ zwischen 65.000 und 250.000 Euronen.  

Hertha BSC gehört nicht zu den Spitzenteams der Fußball-Bundesliga und kam durch das (unnötige) Trainer-Intermezzo von „Klinsi“ zum Jahreswechsel ins Gerede. Jetzt gibt’s einen neuen Kalauer (oder noch viel schlimmer) aus Berlin dank Salomon Kalou. Der offenbarte in einem (unnötigen) Handy-Video, wie ernst man Tests, Hygienebestimmungen und Abstandsregeln beim Hauptstadtclub nimmt: Wer genau im Video hinschaut, sieht, dass da weder Handschuhe noch Mundschutz getragen wurden, geschweige denn Abstand gehalten wurde, auch war weit und breit kein Desinfektionsmittel zu sehen. Vielleicht hat die Klinsmann-Aktion so viel Geld verschlungen, dass für die Anschaffung des Schutzmaterials nix mehr vorhanden war. Schlechtes Image im Dunstkreis des Mäzens und Investors Windhorst.     

Der Leserschaft ist die Redewendung „Viel um die Ohren haben“ bekannt. Wie sehr sich das derzeit tagtäglich realisiert, kann man beim Einkauf beobachten. Es reicht schon, wenn Brillenträger an der Brille herumwischen, um „nebelfrei“ die Ware erkennen zu können. Wer als Brillenträger zudem noch eine Hörhilfe hinters Ohr geklemmt hat, der mutet seinem Hörorgan im Außenbereich wahrlich viel zu: Brillenbügel plus Hörgerät plus Ziehgummi der Schutzmaske …. da geht manches Ohr in die Knie und lässt den Besitzer als Schlappohr in Erscheinung treten.

 

Die Personen-Schifffahrt ruht noch bis 31. Mai. Indes will Bayern ab Monatsmitte schrittweise die Gastronomie öffnen, Leberkäs‘, Brezen und Bier können dann wieder in Biergärten mit Abstand (und Anstand) verzehrt werden. Kein Wunder, die Gastronomiebranche macht Druck. Da wird das Saar-Gourmet-Land sicher bald auch nachziehen geschwenkt wird ja schon in heimischen Gärten.

Aber bis dahin fließt noch viel Wasser die I-SAAR hinunter.

In eigener Sache: Die übliche Abkürzung für KLM (siehe Überschrift) ist vielleicht Flugtouristen bekannt:  Die nationale Fluggesellschaft der Niederlande heißt Koninklijke Luchtvaart Maatschappj – Kürzel KLM.

Und: Der Chronist berichtet ab sofort nur noch alle zwei Tage – die fast „neue“ Normalität.

 

Neuen Kommentar hinzufügen