Aufgelockerte Juni-Wochen

Blühende Wiese im Juni mit Fluß
Foto: (c) Pixabay

Alles Corona oder was?

Schon ist er vorbei, der halbe Juni, das Jahr fliegt dahin, der Chronist ist nicht verstummt. Was gab es in Zeiten der Corona-Einschränkungen alles zu berichten!? Vergangen, archiviert, vergessen?

Man hat den Eindruck, dass kaum noch einer weiß, wie das Wort „Corona“ geschrieben wird. Eher neigt man dazu, es wie in alten Zeiten der bekannten Biermarke zuzuschreiben. Einziges Relikt dürfte wohl der Mund-Nasen-Schutz sein, die „berühmte“ Maske, die auch wohl so schnell nicht aus dem Alltagsgeschehen verschwinden wird. Was in Japan gang und gebe ist, gehört inzwischen auch hierzulande zum Erscheinungsbild. Allerdings nur beim Einkaufen. Bei größeren Menschenansammlungen sollte ebenfalls eine „Maske“ getragen werden, Beobachtungen zeigen jedoch, dass „Maskenträger“ entweder zu den Ausnahmen gehören oder als Exoten bezeichnet werden können. Ein Restaurant/eine Kneipe soll man „maskiert“ betreten, ebenso den Toilettengang absolvieren, zum Essen und Trinken muss man den Mundschutz wieder abnehmen. Auch soll man Abstand halten. Nur wenig davon hat der Chronist zwischen St. Wendel, Saarlouis, Saarbrücken, Saarburg und Trier in den vergangenen zwei Wochen seit Öffnung der Gastronomie beobachtet. Leute aus verschiedenen Haushalten saßen/sitzen wie einst in normalem Abstand nebeneinander, Toilettengänge wurden nicht separat durchgeführt (in Schulen wird diesbezüglich kontrolliert!). Und in Saarlouis hat man offensichtlich nichts dazugelernt – zwei Altstadtlokale hatten wegen Nichteinhaltung von Bestimmungen geschlossen werden müssen.

Eins (oder auch zwei) ist jedoch aus dem alltäglichen Erscheinungsbild so gut wie verschwunden: das Händeschütteln. Besonders die jüngere Generation, eigentlich weniger taktil eingestellt wie die Älteren, pflegt den Faust-Gruß, während man in „gehobenen“ Kreisen (solche, die sich dazu zählen) mehr der Ellenbogen-Gruß bevorzugt wird. Der mehr sportliche Fuß-Shake hat sich hingegen nicht durchgesetzt, was bei manchen sich Begrüßenden auf defizitäre Motorik oder fehlende „tänzerische“ Qualitäten zurückzuführen sein dürfte. (Bei einigen Mitmenschen bringen überschüssige Kilos den Körper bei dieser ungewohnten Begrüßungsart ins Wanken.) 

Gratulation! Der FCS ist Deutscher Meister! Langsam, langsam – im Tischtennis. Waren noch am 9. Juni die blau-schwarzen Kicker wegen ihres DFB-Pokal-Halbfinalspiels gegen Bayer Leverkusen  in aller bundesdeutschen Munde, so haben Patrick Franziska, Shang Kun, Dargo Jorgic nunmehr erstmals den Meisterpokal in die Landeshauptstadt geholt. Übrigens gewann das Team gegen die Mannschaft aus dem baden-württembergischen Ort mit dem klangvollen Namen Ochsenhausen. Übrigens dürfte es den FCS-Fußballern nicht gefallen, dass sie a) ihr Stadion später als geplant in Betrieb nehmen können und im Stadion des FSV Frankfurt spielen sollen/dürfen/müssen (dann kommt FCS-Fan Markus mit den seinen Fan-Freunden auch mal hinaus in die hessische Main-Welt), b) noch eine Weile auf die Aufnahme des Spielbetriebs in der nächsten Dritten-Liga-Saison warten müssen, c) nicht wissen, ob Markus Mann 2021 noch „ihr Mann“ ist und d) die Kaderplanung abwarten müssen.

Man regt sich über die Kosten für das neue Ludwigspark-Stadion (Inbetriebnahme mal wieder verschoben, das erinnert an den BER) auf, sollte sich aber gleichzeitig vor Augen halten, dass das denkmalgeschützte Gebäude der Rentenversicherung in Saarbrücken mit 37 Millionen Renovierungskosten zu Buche schlägt. Was übrigens so alles in Saarbrücken „denkmalgeschützt“ ist!? Liegt wohl an der jungen saarländischen Geschichte. Kaum Römer, ein paar Kelten, viele Beute-Germanen, noch mehr Pälzer. Vor dem Hintergrund solcher Vergangenheit muss eben der Denkmalschutz ran und vermeintlich „Historisches“ für die Nachwelt retten.

Sie nervt, besonders im Berufsverkehr – die Baustelle auf der A1 (Illtalbrücke) bei Eppelborn. Schon 2013 erweckte sie den Unmut aller Autofahrer, 2019 sollten die Bauarbeiten abgeschlossen, dann kam es zu Verzögerungen, 2020 begann man mit Asphaltierungsarbeiten. Änderungen beim Abrisskonzept der alten Brücke, zu große Toleranzen in der Höhe der neuen Betondecke sorgten für die Verzögerungen. Zwischendurch wurde auch noch Material gestohlen (schließlich liegt dort ja auch alles zum Klauen einladend herum). 13,4 Millionen beträgt der Kostenrahmen, für die Verzögerungen und zusätzlichen Arbeiten soll die ausführende Firma haften. Mal abwarten, ob diese Rechnung aufgeht! 800 Tonnen Stahl und 2500 Kubikmeter Beton sind hoffentlich schon bezahlt, verarbeitet sind sie. Ach ja, und wenn die Brücke in Fahrtrichtung Saarbrücken fertig ist, dann wird die „Schwesterbrücke“ Richtung Trier noch saniert -  soll dann bis in den Herbst 2021 dauern. Wer also dann endlich morgens flüssiger durch den Berufsverkehr kommt, der muss nach Feierabend mit Staus rechnen. Und: Soll ja einer was über die Verzögerung des BER in Berlin sagen!

Vieles läuft derzeit virtuell. Übersetz heißt dieses Wort: „Nicht echt, nicht in Wirklichkeit vorhanden, aber echt erscheinend.“ Also keine Fantasie, keine Fata Morgana. Tja, was ist diesen Tagen, Wochen, Monaten nicht alles virtuell?! Es gibt eine virtuelle Werkstatt in Saarbrücken, ein virtuelles Mikroskop in Homburg, wir sprechen von einer virtuellen Welt, von virtuellen Medien.  Es gibt virtuelle Beziehungen,  In den vergangenen Wochen hatten wir das virtuelle Klassenzimmer, in dem sich Millionen von SchülerInnen (ohne Maske und ohne Abstand, nur zum PC) tummelten, es gab virtuellen Theorie-Fahrschulunterricht. Inzwischen ist übrigens wieder Präsenz, persönliche Anwesenheit, angesagt.  Für’s Online-Shopping sind virtuelle Kreditkarten gedacht. Ja, es gibt sogar virtuelles Wasser. Nicht zu kurz soll jedoch die Zweisamkeit kommen: Wir kennen alle die „virtuelle Umarmung“, wir als Corona-Leidgeprüfte wissen ein Lied davon zu singen, FB- und WA-Freaks wissen schon länger damit umzugehen. Nur: Virtuelle Kinderproduktion, DAS geht (noch) nicht!

Hurra, sie kommt! 48 von 52 Städten und Gemeinden führen sie 2021 ein – die Gelbe Tonne. Der Gelbe Sack ist damit Geschichte. Es war aber auch Zeit! War es stürmisch, flogen die sorgsam abgestellten Gelben Säcke auf Gehwegen und Straßen herum, war es ruhig, pickten Krähen daran herum.  Der Aspekt der Sauberkeit war der Hauptgrund – endlich, muss man feststellen, denn andere Regionen hatten die Gelbe Tonne schon lange eingeführt. Die Tonnen werden übrigens vom Entsorger gestellt, das Selbstbesorgen beim Bürgeramt entfällt in sechs Monaten. 

14. Juni war Weltblutspendetag. Es sei daran erinnert und appelliert, dass die Spende des Lebenssaftes nach wie vor wichtig ist, das hat man am Bedarf in „Corona“-Zeiten gesehen. Krebspatienten, nach Unfällen Schwerverletzte mit hohem Blutverlust sind auf Spenderblut angewiesen. Jeden Tag werden allein in Deutschland 15.000 Vollblutspenden benötigt. Schon 500 ml können Leben retten! „Corona“-Patienten dürfen übrigens vier Wochen lang nicht spenden, Personen zwischen dem 18. und 68. Lebensjahr dürfen es. Hierbei sei zu beachten: Mindestgewicht 50 kg, Frauen dürfen viermal, Männer sechsmal „abgezapft“ werden. Und warum ist das vorgenannte Datum zum „Internationalen Tag“ erklärt worden? Ganz einfach: Ein gewisser Karl Landsteiner, geboren am 14. Juni 1868, war der Entdecker der Blutgruppen.

14. Juni – Demo von Motorradfahrern. Die bangen um ein in der Diskussion stehendes Sonn- und Feiertagsfahrverbot. Kann man einerseits verstehen, Thema „Lärmbelästigung“. Andererseits stehen die Biker in der Kritik, weil einige ihrer  Hobbygenossen ihre schweren „Mühlen“ in einer unerklärlichen Art von Rausch gerade dort aufheulen lassen, wo’s nicht angebracht ist – zum Beispiel in städtischen Wohngebieten. Mit Unfallzahlen kann nicht argumentiert werden, gab es doch laut Statistischem Bundesamt in den ersten elf Monaten des Jahres 2019 bei den getöteten KraftradnutzerInnen (Motorrad, Moped, Motorroller) mit minus 15,1 % (minus 105 Getötete) den stärksten prozentualen Rückgang. Dagegen stieg die Zahl der Pedelec-Nutzer um 32,6% (=28 Getötete). Die Saarländische Landesregierung plant übrigens keine zeitlich begrenzten Fahrverbote. Man appelliert vielmehr an die Hersteller, leisere Maschinen herzustellen.

In Saarbrücken stritten sich ADFC und ADAC über Radverkehr. ADAC-Vorstand Pukallus hatte in der „SZ“ gefordert, dass Radwege nicht auf Hauptstraßen angelegt werden sollten. Dem widersprach der ADFC, schließlich lägen Geschäfte, Bürogebäude oder Schulen an Hauptstraßen. Hier meint der Chronist, selbst leidenschaftlicher Radler: Das Zusammenspiel von Auto- und Radfahrern klappt nicht überall, regional ist das sehr unterschiedlich. In Freiburg und Münster, den Fahrradstädten Nummer eins, funktioniert das. Diese Diskussion wäre überflüssig. Denn: In unseren Regionen gibt es leider beiderseits „Rambos“, die meinen, ihr Verweilen auf den Straßen rigoros durchsetzen zu müssen. (Siehe Foto: So halten verbotswidrig nur Zuliefer- und Paketdienste.) Dazu sei erwähnt: Von absoluter Dreistigkeit oder Dummheit muss eine Radlerin am vergangenen Donnerstag geschlagen gewesen sein, die munter auf der B41 von Ottweiler nach St. Wendel strampelte (und genügend Emissionen inhalierte). Lenkerentzug, sofort!

Völlig untergegangen ist, dass die Saarbrücker Guss-Werke schließen nach 264 Jahren. „Innovation ist unser Antrieb.“ heißt es (immer noch) auf der firmeneigenen Homepage. Einst aus Halbergerhütte bzw. dem VEB Metallgusswerk Leipzig präsentierten sich die Automobilzulieferer als europäischer Marktführer bei der Entwicklung und Produktion von gegossenen Kurbelwellen. Nun ist Ende Juni ausgekurbelt, es gibt im Marktsegment Zylinderkurbelgehäuse zwei starke (und überlebensfähigere) Mitbewerber.  Fürst Friedrich Wilhelm von Nassau-Saarbrücken, 1756 Initiator des Schmelz- und Hammerwerks Halberger Werck am Fuße des Halbergs würde sich im Grabe herumdrehen, wüsste er, welchen Werdegang das Werk und die spätere Halbergerhütte nahmen. 

Lärmbelästigung in der Vauban-Anlage Neue-Brauerei-Straße 2 a bis b seit mehr als zwei Jahren. Nicht etwa von der Straßenseite aus, nein, von dem im Rücken der Wohnanlage liegenden  kleinen Parkanlage, die zum DRK-Krankenhaus gehört. Dieses hat wohl keine Kontrolle über ungebetene Gäste, die  sich zuweilen bzw. besonders in lauen Sommernächten dort tummeln und sich nicht gerade in Zimmerlautstärke unterhalten. Gläserne Relikte fröhlicher Trinkgelage sowie Müll zeugen von unerlaubten Zusammenkünften. In der Vergangenheit geriet auch schon mal ein Abfallbehältnis aus den Fugen. Anwohner der angrenzenden Wohnanlage fühlen sich gestört …. seltsamerweise im Krankenhaus wohl niemand. Dort juckt es das Personal recht wenig, wenn Anwohner anrufen und wegen des Lärmpegels Beschwerde vortragen. Oftmals kam es zu einer Polizeikontrolle, ganz abgestellt ist der Spuk jedoch nicht. Es verwundert zudem die Tatsache, dass ein leitender Angestellter des Krankenhauses als Eigentümer einer Wohnung (Vermieter) in Kenntnis des Sachverhalts kein Interesse daran zeigt, dass sein Mieter lärmfreie Wohnqualität geniest. Nach wie vor ist der Zugang zum Parkgelände offen wie ein Scheunentor und von Baumästen überhangene Verbotsschilder werden nicht wahrgenommen. Inzwischen ist die Angelegenheit ein Fall für die Justiz geworden. 

Haben wir etwas vergessen? Ungehindert darf man seit Montagnacht wieder die Grenze zu Frankreich passieren, die Strandbäder werden zeitnah öffnen, der Saarländische Volleyballverband wurde 50 Jahre alt (Bericht folgt) und mit Sorge verfolgt man das Zeitgeschehen in den USA.

Seit Montag dürfen Gaststätten bis 24 Uhr öffnen, reicht ja auch, um sich bei kühlen Temperaturen den Allerwertesten abzufrieren, Hauptsache, man trotzt Corona und sitzt draußen. Wer schwitzen möchte, kann wieder eine Sauna aufsuchen. Dürfte in manch enger Saunakabine jedoch ein Problem sein, Abstand zu halten – der gilt immer noch. Merkwürdig: Beim Aldi und Lidl, Kaufland oder Globus, DM und wie sie alle heißen, muss man eine Maske tragen, Abstand halten sowieso, in der Sauna splitterfasernackt ist’s wurscht, ohne Mundschutz wird geschwitzt, es werden zwar keine Körpersäfte ausgetauscht, aber mancher Schweißtropfen oder manches Atemtröpfchen fliegt umher. Schon seltsam, was man sich inzwischen alles erlauben oder nicht erlauben darf.

Auf ins Getümmel! Veranstaltungen bis zu 50 Personen in Räumen und bis zu 100 im Freien dürfen ebenfalls abgehalten werden. Dazu passt: Die gute Nachricht für die Freunde der Fünften Jahreszeit: Der Bund Deutscher Karneval (BDK) wird die närrische Session 2020/21 trotz Corona nicht absagen. „Die Entwicklung der Corona-Pandemie sei regional so unterschiedlich, dass jeder Karnevalsverein vor Ort selbst entscheiden muss, wie er auf die Lage reagiert.“, sagte BDK-Präsident Klaus-Ludwig Fess, (Bexbach). Neue Modelle und alternative Formen, Ideenreichtum und Flexibilität seien jetzt gefragt. „Orientierungshilfe“ gibt es dazu vom Verband. Am 11.11. beginnt bundesweit für mehr als 5300 Vereine und Zünfte die Session – aber wie? Eine Blitzumfrage von SaarlandToday ergab, dass sich eine Mehrheit für eine Absage der Session bzw. für passives Verhalten ausspricht. Die Kommentare reichen von „unverantwortlich“ über „zu gefährlich, besonders für unsere Kinder“ bis hin „es fehlt an Trainingseinheiten“. Der Chronist, bekanntlich seit 64 Jahren aktiver Fassenachter, erlebte drei Sessionsabsagen: 1962 (Grubenunglück Luisenthal) und 1991 (Golfkrieg). 1969 war für den dritten „Ausfall“ eines Einsatzes in der närrischen Rostra schlichtweg die Vorbereitung auf die anstehende Abiturprüfung ausschlaggebend.

Zu guter Letzt: Man kann ruhig ein bisschen irre sein – es muss nur Stil haben!

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