Wenig nimmt seinen gewohnten Lauf

Saarpfalzkreis
Foto (c) Saarland Today

Zusammenrücken – aber bitte nicht im wörtlichen Sinne – dazu werden die Menschen in dieser Zeit der Corona-Pandemie über viele Kanäle aufgefordert. Das ist leichter gesagt, als getan, wenn die Expertenmeinungen und die regelmäßig vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten Prognosen zu steigenden Infektionszahlen mit dem Coronavirus weltweit für die kommenden Wochen und Monate nicht wirklich Gutes verheißen.

Das Gesundheitsamt des Saarpfalz-Kreis vermeldet derzeit 40 Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Einige infizierten sich während des Skiurlaubs oder während eines Aufenthaltes in anderen Risikogebieten. Nur bei wenigen konnte das Gesundheitsamt die Infektionskette (Ort/Ereignis der Infektion) nicht nachvollziehen. Das betrifft jene Personen, die sich nicht in einem Skigebiet oder in einem anderen Risikogebiet aufgehalten haben, und denen kein direkter Kontakt mit einer bereits infizierten Person nachgewiesen werden konnte. Die Ermittlung der direkten Kontaktpersonen verlief bislang lückenlos.

Angst und Verunsicherung in der Bevölkerung, wie sie sich beispielsweise in Hamsterkäufen äußern,  lassen sich wohl im Moment genauso schwer eindämmen wie das Virus selbst. Wie alle anderen Verwaltungen bewegt sich auch die des Saarpfalz-Kreises auf nie dagewesenem Terrain. „Wir mussten Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, zu denen es keine Alternativen gab oder gibt“, betont Landrat Dr. Theophil Gallo und verweist auf die Schließung der Schulen, der Kitas und der Kreisverwaltung für den Kundenverkehr: „Bei den Umstrukturierungen in der Kreisverwaltung sind nach wie vor alle Mitarbeitenden gefordert, denen ich für ihren Einsatz und ihre Bereitschaft, gute Lösungen für alle zu finden, herzlich danken möchte. Da wir uns in einem sehr dynamischen Prozess befinden, und es selbstverständlich auch um den Schutz unserer Belegschaft geht, bitte ich die Bevölkerung um Verständnis, dass nicht alle Dienstleistungsgeschäfte in der gewohnten Form abgewickelt werden können.“

Wenig nimmt derzeit seinen gewohnten Lauf, auch nicht die geplanten Veranstaltungen, die dem Coronavirus zum Opfer gefallen sind. „Die Kontaktvermeidungsstrategie ist die einzig Sinnvolle, wenn wir die Verlaufskurve der Infektionen niedrig halten möchten – oder besser – müssen“, unterstreicht der Landrat.

Geselligkeit und Unterhaltung treten nun in den Hintergrund – dafür zeigen sich vielerorts Nachbarschaftshilfe und gegenseitige Unterstützung.

„Mich beeindruckt sehr das Aufkommen von privaten Initiativen, die sich vor allem um Seniorinnen und Senioren, die nun mal zur Risikogruppe zählen, in dieser herausfordernde Zeit kümmern möchten. Da schließen Solidarität und Verantwortungsbewusstsein den Kreis. Auch dafür möchte ich Danke sagen“, so der Landrat und setzt fort, „wobei wir beim Thema Verantwortung wären. Da bekommt die Aussage des 1943 hingerichteten Widerstandskämpfers Willi Graf im aktuellen Kontext ganz neues Gewicht: ‚Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung‘. Wir müssen in verstärktem Maße Verantwortung uns selbst gegenüber und gegenüber unseren Mitmenschen walten lassen. Hamsterkäufe adé – zu einer Lebensmittelknappheit in Deutschland aufgrund von COVID19 wird es nicht kommen, höchstens dann, wenn über Gebühr viele Menschen die Regale leer räumen und die Nachlieferung dem nicht Schritt halten kann. Wir haben hocheffiziente Logistik- und damit Versorgungsketten. Dieses unnötige, über den wirklichen Bedarf hinausgehende Horten kann diese Logistik tatsächlich überfordern. Das müssen die Menschen einfach verstehen und sich diszipliniert verhalten. Getreu dem Spruch: Wenn jeder sich etwas zurückhält, ist genug da für alle. Und wir sind nicht in der Situation, dass nicht genug da wäre, im Gegenteil. Also absolut kein Anlass zu hamstern oder zu horten. Das körperliche Abstandnehmen von anderen Menschen, auch wenn wir es nicht gewohnt sind, ist von jetzt auf gleich umzusetzen. Und dass die zwingende Beachtung der Hygienevorschriften kein wohlgemeinter Ratschlag darstellt, ist nach meinem Empfinden in den vergangenen Wochen mehr als deutlich gemacht worden. Das ist genau der Weg, den wir gemeinsam gehen sollten – ohne Panik, besonnen und respektvoll.“

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