Gesundheitsministerium und Knappschaft Kliniken stellen wegweisendes Konzept für die Versorgungsstruktur im Nordsaarland vor.
„Das Ziel der saarländischen Landesregierung bei der Krankenhausplanung ist klar: eine verlässliche, wohnortnahe Versorgung,
die sich konsequent am Bedarf der Menschen orientiert. Damit auch die Menschen im Nordsaarland wohnortnah medizinisch versorgt werden können, setze ich mich dafür ein, dass im Hochwald eine neue Versorgungseinrichtung entstehen kann. Die Entwicklung und Umsetzung
eines innovativen sektorenübergreifenden Versorgungsangebots (SüV) am Standort Wadern ist möglich. Ich freue mich, dass wir mit den Knappschaft Kliniken einen Träger gefunden haben, der ein solches Angebot gemeinsam mit uns umsetzen möchte“, erklärt Gesundheitsminister
Magnus Jung anlässlich der heutigen Pressekonferenz im saarländischen Gesundheitsministerium.
Kern des Projekts ist eine bedarfsgerechte Anlaufstelle für die Menschen vor Ort, die eine leistungsfähige ambulante Versorgung
sicherstellt und bei Bedarf durch pflegerische sowie niedrigschwellige stationäre Angebote ergänzt wird. Im Einzelnen sieht das Konzept der Knappschaft Kliniken folgende Punkte vor, die auch in einem Letter of Intent festgeschrieben wurden:
·In Wadern soll eine medizinische Einrichtung geschaffen werden, die medizinische und pflegerische Versorgung bedarfsgerecht bündelt,
ambulante Behandlung gezielt verbessert und sektorenübergreifend mit einem stationären Versorgungsangebot ergänzt wird.
·Das stationäre Leistungsangebot in Wadern soll die Fachbereiche Innere Medizin und Geriatrie umfassen.
·Neben einem stationären Angebot soll das SüV auch weitere Leistungen, wie ambulantes Operieren, telemedizinische Leistungen sowie Leistungen
der Übergangs- und Kurzzeitpflege ermöglichen.
·Darüber hinaus soll ein POCT-Labor für patientennahe Sofortdiagnostik vorgehalten werden.
Die neue Versorgungsform eines SüV wurde durch die Lauterbach-Krankenhausreform neu geschaffen. Erst vor wenigen Wochen haben
sich die Spitzenverbände der Krankenkasse und die Deutsche Krankenhausgesellschaft über die Rahmenbedingungen der Finanzierung geeinigt.
„Als Knappschaft Kliniken tragen wir Verantwortung für eine verlässliche und zukunftsfähige medizinische Versorgung in der
Region. Für uns ist dabei entscheidend, Versorgung nicht nur neu zu denken, sondern auch verlässlich umzusetzen. Mit unserer medizinischen Exzellenz, den bestehenden Strukturen und der engen Anbindung an unsere Standorte in Sulzbach und Püttlingen bringen
wir dafür sehr gute Voraussetzungen mit. Der geplante Standort in Wadern bietet die Chance, ambulante, stationäre und präventive Angebote sinnvoll zu bündeln und so eine tragfähige Versorgungsstruktur für die Menschen im Nordsaarland aufzubauen“, erklärt Stephan
Kolling, Geschäftsführer der Knappschaft Kliniken Saar GmbH.
„Wir glauben aus voller Überzeugung an das Konzept einer sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung in Wadern. Nach vielen
Jahren intensiver Arbeit sind wir dankbar, dass unsere gemeinsamen Bemühungen jetzt entscheidende Schritte in die richtige Richtung möglich machen. Mein besonderer Dank gilt Gesundheitsminister Dr. Magnus Jung und Stephan Kolling, die sich als verlässliche
Partner erwiesen haben. Bei Grundstücksfragen und der Bauleitplanung setzt die Stadt Wadern auf eine enge und konstruktive Zusammenarbeit. Jetzt kommt es darauf an, aus der Theorie Praxis werden zu lassen und dieses ambitionierte Projekt möglichst rasch und
umfassend zu realisieren“, erklärt Jochen Kuttler, Bürgermeister der Stadt Wadern.
„Mit der Vereinbarung über ein medizinisches Konzept zur Entstehung einer neuen Versorgungseinrichtung im Nordsaarland schaffen
wir die Grundlage für eine zukunftsfähige Versorgung in der Region.
Wir gehen neue Wege, indem wir ambulante, pflegerische und stationäre Leistungen eng verzahnen. Vor Ort bestehende Versorgungsangebote werden dabei ausdrücklich berücksichtigt und sinnvoll in die neue Struktur integriert“, so Minister Jung abschließend.
Mit der Vereinbarung können die Planungen in die nächste Phase gehen. Dazu gehören Grunderwerb und Erschließung, Bauleitplanung
und Bauplanung. Gleichzeitig sollen die Planungen am Konzept detailliert und mit den Kassen abgestimmt werden.
Hintergrund
Die Gesundheitsversorgung im Nordsaarland steht seit einigen Jahren unter Druck: Stationäre Angebote mussten aufgrund geringer
Auslastung und fehlender wirtschaftlicher Tragfähigkeit an mehreren Standorten reduziert werden. Jüngste Entwicklungen in der Umgebung verstärken diese Dynamik zusätzlich, sodass niedrigschwellige stationäre Versorgungsangebote zunehmend weniger verfügbar
sind. Gleichzeitig drohen bereits heute erhebliche ambulante Versorgungslücken – insbesondere durch unbesetzte Hausarztsitze. Der demografische Wandel und absehbare Praxisaufgaben werden diese Situation weiter verschärfen.