Wie wollen wir erinnern? Wem geben wir einen Platz in unserer Erinnerungskultur und wer bleibt dabei möglicherweise unsichtbar?
Mit diesen Fragen haben sich Schülerinnen und Schüler des Technisch-Gewerblichen Berufsbildungszentrums I (TGBBZ I) Saarbrücken in dem Projekt „Wem würde ich ein Denkmal widmen?“ auseinandergesetzt. Nachdem die Ausstellung zunächst am TGBBZ I zu sehen war, ist sie nun bis zum 30. September 2026 im Ministerium für Bildung und Kultur zu Gast.
Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot: „Erinnerungskultur lebt davon, dass wir sie gemeinsam weiterentwickeln und besonders junge Menschen zu Wort kommen. Das Projekt ‚Wem würde ich ein Denkmal widmen?‘ Ist dabei ein großartiges Beispiel, denn es zeigt, wie Schülerinnen und Schüler sich mit Geschichte auseinandersetzen, eigene Perspektiven entwickeln und daraus Verantwortung für unsere Gesellschaft ableiten. Erinnerungsarbeit bedeutet nämlich nicht nur, zurückzublicken, sondern auch die Frage zu stellen: In welcher Gesellschaft wollen wir heute und in Zukunft leben? Besonders beeindruckt mich, dass die Schülerinnen und Schüler dabei nicht nur Haltung zeigen, sondern auch ihr fachliches Können einsetzen. Deshalb freue ich mich sehr, dass diese Ausstellung nun bei uns im Ministerium zu sehen ist.“
Ausgangspunkt des vom MBK geförderten Schülerprojekts ist das Denkmal „Nachhall“ im Saarbrücker Echelmeyerpark in unmittelbarer Nähe des TGBBZ I. Der Gedenk- und Erinnerungsort erinnert an die verfolgten und ermordeten saarländischen Sinti und Roma während der Zeit des Nationalsozialismus. Ausgehend von diesem Denkmal beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Frage, welchen Menschen, Geschichten und Themen sie selbst ein Denkmal widmen würden. Entstanden sind Schülerarbeiten, ergänzende Erläuterungen und ein Film, die unterschiedliche Perspektiven auf Erinnerung und gesellschaftliche Verantwortung zeigen.
Wolfgang Klein, Schulleiter am TGBBZ1 Saarbrücken: „Denkmäler müssen immer wieder neu befragt werden. Wenn sie nur noch wie Museumsstücke wirken, verlieren sie den Bezug zur Gegenwart. In diesem Projekt verbinden wir Theorie und Praxis: Die Auszubildenden denken über Erinnerungskultur nach und setzen ihre Ideen gleichzeitig gestalterisch um. So arbeiten Kopf, Herz und Hand zusammen."
Das TGBBZ I Saarbrücken engagiert sich darüber hinaus bereits seit mehreren Jahren in besonderer Weise für Erinnerungsarbeit und Demokratiebildung. Dazu gehört unter anderem das Projekt „Radeln & Erinnern“ im Rahmen des Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Eine entsprechende Tour zu diesem Projekt wurde zudem in der App „Erinnerungsorte“ im Rahmen des deutsch-französischen Austauschs mit dem Lycée Henri Nominé aus Saargemünd vorgestellt. Außerdem hat die Schule im letztem Jahr mit ihrer Aktion „Hüten und Erinnern – Schule hat ein Auge drauf“ symbolisch die Patenschaft für das Denkmal „Nachhall“ übernommen. Seitden sorgen Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte gemeinsam dafür, diesen Ort sauber zu halten.
Für dieses Engagement im Bereich der Erinnerungskultur wurde das Projekt „Wem würde ich ein Denkmal widmen?“ mit dem Hauptpreis des Esther-Bejarano-Preises 2026 in der Kategorie Sekundarstufe II ausgezeichnet. Der Preis würdigt junge Menschen, die sich kreativ und engagiert mit Erinnerungskultur, Demokratie, gesellschaftlichem Zusammenhalt und den Werten einer offenen Gesellschaft auseinandersetzen.