Das Ministerium für Bildung und Kultur trauert um die saarländische Schriftstellerin Ulrike Kolb, die im Alter von 84 Jahren verstorben ist. Mit ihr verliert das Saarland eine bedeutende Autorin, die die deutschsprachige Literaturlandschaft über viele Jahrzehnte bereichert hat.
Kulturministerin Christine Streichert-Clivot: „Mit Ulrike Kolb verlieren wir eine herausragende Schriftstellerin und eine ebenso präzise Beobachterin ihrer Zeit. Sie war eine Frau des Saarlandes und eine gesellschaftspolitische Autorin mit klarer Haltung. Mit schonungsloser Offenheit stellte sie sich der historischen Vergangenheit des Saarlandes, der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts und dem Holocaust. Die literarische Aufarbeitung dieser Geschichte hat sie über viele Jahre begleitet und ihr Werk entscheidend geprägt. Dabei rückte sie immer wieder weibliche Erfahrungen und Perspektiven in den Mittelpunkt. Gerade heute ist dieses literarische Erinnern wichtiger denn je: Ulrike Kolbs Texte mahnen uns, genau hinzusehen, Geschichte nicht zu verdrängen und Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen. Erst im vergangenen Jahr durften wir sie für ihr beeindruckendes literarisches Lebenswerk mit dem Kunstpreis des Saarlandes ehren. Ihr Tod erfüllt mich mit großer Trauer. Meine Gedanken sind bei ihrer Familie, ihren Freundinnen und Freunden und allen Menschen, die ihr nahestanden.“
Ab 1979 arbeitete Ulrike Kolb journalistisch. Unter anderem verfasste sie Kolumnen für die „Frankfurter Rundschau“. 1984 veröffentlichte sie ihr erstes Buch und arbeitete fortan als freie Schriftstellerin. Seit 2010 lebte und arbeitete sie in Berlin.
Im Zentrum ihres literarischen Schaffens standen die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Bedeutung persönlicher und gesellschaftlicher Erinnerung sowie die Frage, wie Vergangenheit bis in die Gegenwart hineinwirkt. In ihrem Werk „Schönes Leben“ setzte sie sich am Beispiel ihrer saarländischen Heimat eindringlich mit der deutschen Nachkriegsgeschichte auseinander.
Ulrike Kolb hinterlässt ein vielfältiges und beeindruckendes literarisches Werk, das von historischer Verantwortung und einem besonderen Gespür für weibliche Perspektiven geprägt ist. Ihre Stimme wird in der Literatur des Saarlandes und darüber hinaus weiterwirken.