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Saarbrücken
Neunkircher Filmpreis verliehen.

Der Gün­ter Rohr­bach Film­preis 2022 geht an „Die Wannseekonferenz“

Weitere Preise des 12. Günter Rohrbach Filmpreises 2022 gehen an Marlene Burow, Sabin Tambrea, David Schütter, Karoline Herfurth, Peter Keller, Stefan Sarazin und Regina Tiedeken.

Der zwölf­te Gün­ter Rohr­bach Film­preis, den die Gün­ter Rohr­bach Film­preis Stif­tung in Zusam­men­ar­beit mit der Kreis­stadt Neun­kir­chen all­jähr­lich ver­gibt, geht an das Dra­ma „Die Wann­see­kon­fe­renz“. Die mit 10.000 Euro dotier­te Aus­zeich­nung wur­de am Frei­tag, 4. Novem­ber in der Indus­trie­kul­tur-Kulis­se der Neu­en Geblä­se­hal­le Neun­kir­chen im Rah­men einer fest­li­chen Gala verliehen.

Gemein­sam mit dem Regis­seur Mat­ti Geschon­neck wer­den die Pro­du­zen­ten von „Die Wann­see­kon­fe­renz“, Rein­hold Elschot, Frie­de­rich Oet­ker und Oli­ver Ber­ben (Con­stan­tin Film), ausgezeichnet.

Die Dar­stel­ler­prei­se gehen an Mar­le­ne Burow, Sabin Tam­brea und David Schüt­ter für ihre Leis­tung in „In einem Land, das es nicht mehr gibt“.

Der Preis des Saar­län­di­schen Rund­funks geht an Karo­li­ne Her­furth für ihre Gesamt­leis­tung in ihrem Film „Wun­der­schön“.

Den Preis der Saar­land Medi­en GmbH konn­ten Peter Kel­ler und Ste­fan Sara­zin für ihr Dreh­buch von „Nicht ganz koscher – Eine gött­li­che Komö­die“ entgegennehmen.

Der Preis des Ober­bür­ger­meis­ters geht an die Kos­tüm­bild­ne­rin Regi­na Tie­de­ken für 
„In einem Land, das es nicht mehr gibt“.

Der Gün­ter Rohr­bach Film­preis 2022

Der dies­jäh­ri­ge Haupt­preis, der mit 10.000 Euro dotiert ist, geht an den Fern­seh­film „Die Wann­see­kon­fe­renz“. Gemein­sam mit dem Regis­seur Mat­ti Geschon­neck wer­den die Pro­du­zen­ten Frie­de­rich Oet­ker, Rein­hold Elschot und Oli­ver Ber­ben ausgezeichnet.

Der Film ent­stand anläss­lich des 80. Jah­res­ta­ges der his­to­ri­schen Wann­see­kon­fe­renz, die von den Natio­nal­so­zia­lis­ten abge­hal­ten wur­de. 15 füh­ren­de Ver­tre­ter der SS, der NSDAP sowie der Minis­te­ri­al­bü­ro­kra­tie kom­men am Mit­tag des 20. Janu­ar 1942 in einer Vil­la am Gro­ßen Wann­see in Ber­lin zusam­men. Ein­ge­la­den hat Rein­hard Heyd­rich, Chef der Sicher­heits­po­li­zei und des SD, zu einer „Bespre­chung mit anschlie­ßen­dem Früh­stück“. In der etwa 90 Minu­ten dau­ern­den Bespre­chung wird der mil­lio­nen­fa­che Mas­sen­mord an der jüdi­schen Bevöl­ke­rung Euro­pas geplant und orga­ni­siert. Der Film „Die Wann­see­kon­fe­renz“ folgt dem von Adolf Eich­mann ver­fass­ten Bespre­chungs­pro­to­koll, von dem nur ein Exem­plar erhal­ten ist und das als Schlüs­sel­do­ku­ment der Juden­ver­nich­tung gilt.

Regis­seur Mat­ti Geschon­neck und die Pro­du­zen­ten haben gro­ßes Kön­nen und gro­ße Ent­schlos­sen­heit bewie­sen. Ihr Film über die Pla­nung des Völ­ker­mor­des an den Juden ist ein sach­lich-küh­les Kam­mer­spiel ohne Musik in Echt­zeit. Die Bil­der muten doku­men­ta­risch an, sie zei­gen mit uner­bitt­li­cher Genau­ig­keit die 15 männ­li­chen Teil­neh­mer die­ser Kon­fe­renz. Die wer­den nicht als Mons­ter dargestellt,sondern als durch­aus gebil­de­te Büro­kra­ten. „Die Wann­see­kon­fe­renz“ ist Fik­ti­on ent­lang his­to­risch beleg­ter Tat­sa­chen und gro­ße Kunst. Sie macht deut­lich, wozu Men­schen fähig sein kön­nen, gera­de in Diktaturen.

Dar­stel­ler­prei­se:

Als bes­te Dar­stel­ler wer­den das Schau­spiel-Trio Mar­le­ne Burow, Sabin Tam­brea und David Schüt­ter für ihre her­aus­ra­gen­den schau­spie­le­ri­schen Leis­tun­gen in dem Film „In einem Land, das es nicht mehr gibt“ mit einem Preis­geld von jeweils 2.000 Euro geehrt.

Dem star­ken DDR-Dra­ma merkt man den Tief­gang mit komö­di­an­ti­schen Ein­schlag durch­weg an: Kurz vor dem Abitur fliegt Suzie (gespielt von Mar­le­ne Burow) von der Schu­le und muss sich im Kabel­werk Ober­spree als Arbei­te­rin bewäh­ren. Ein zufäl­li­ges Foto in der Stra­ßen­bahn öff­net ihr die Tür in die gla­mou­rö­se Welt der Mode. Sie lan­det auf dem Cover des Mode­jour­nals Sibyl­le, der „Vogue des Ostens“, und erhält so die Chan­ce, dem sozia­lis­ti­schen Fabrik­all­tag viel­leicht doch noch zu ent­kom­men. Suzie taucht ein in die schil­lern­de Sub­kul­tur des Ost­ber­li­ner Under­grounds, wo der schwu­le Rudi (gespielt von Sabin Tam­brea) und sei­ne Freun­de mit lei­den­schaft­li­cher Fan­ta­sie ihre eige­ne Mode aus Dusch­vor­hän­gen und sons­ti­gem ver­füg­ba­ren Mate­ri­al erfin­den. Sie ver­liebt sich in den rebel­li­schen Foto­gra­fen Coyo­te (gespielt von David Schüt­ter), des­sen Bil­der alle ver­zau­bern, aber trotz­dem nicht unter sei­nem Namen gedruckt wer­den dür­fen. Auf sei­ner „Indi­an“ brau­sen sie zusam­men ans Meer, und Suzie erlebt die Frei­heit, von der sie immer geträumt hat.

Mar­le­ne Burow, Sabin Tam­brea und David Schüt­ter ver­kör­pern drei völ­lig unter­schied­li­che Figu­ren, die­ein magi­sches Drei­eck bil­den, in dem alles mög­lich erscheint. Das Spiel des Tri­os wirkt frisch, leicht und doch kunst­voll. Sie haben ihre Rol­len mit gro­ßer Hin­ga­be und Lei­den­schaft ange­nom­men, mit Ein­füh­lungs­ver­mö­gen und beacht­li­cher Aus­drucks­stär­ke gefüllt.

Preis des Saar­län­di­schen Rundfunks:

Mit dem mit 5.000 Euro dotier­ten Preis des Saar­län­di­schen Rund­funks wird Karo­li­ne Her­furth für ihre Gesamt­leis­tung bei dem Film „Wun­der­schön“ ausgezeichnet.

WUNDERSCHÖN – ein Film nah am Leben, ehr­lich und hoff­nungs­voll. Einem Ide­al­bild nach­zu­ei­fern, kennt fast jeder von uns. Müt­ter, Töch­ter, Män­ner, Alt und Jung ste­cken im per­ma­nen­ten Optimierungswahn.Herfurth schlüpft bei dem Epi­so­den­film nicht nur in eine der Haupt­rol­len, son­dern ist auch für die Regie und das Dreh­buch ver­ant­wort­lich. Der Film zeigt mit Humor und Sen­si­bi­li­tät in loser Ver­knüp­fung fünf Frau­en im Span­nungs­feld zwi­schen ange­kratz­tem­Selbst­bild­und ver­meint­lich not­wen­di­ger­Selbst­op­ti­mie­rung. Mit Leich­tig­keit wer­den kon­tro­vers dis­ku­tier­te The­men erzählt und bewir­ken bei der Ziel­grup­pe Erkennt­nis und befrei­tes Lachen.

Karo­li­ne Her­fuhrt gelingt mit ihrem Film etwas, was gera­de im deut­schen Kino äußerst sel­ten ist: Ein Spa­gat zwi­schen Unter­hal­tung und Tief­gang, Feel-Good-Movie und Beschäf­ti­gung mit gesell­schaft­lich wich­ti­gen The­men. Offen und ohne ideo­lo­gi­sche Scheu­klap­pen geht sie zur Sache. Ein viel­schich­ti­ger Film zwi­schen Humor und Kla­mauk, Melan­cho­lie und Verzweiflung.

Preis der Saar­land Medi­en GmbH:

Peter Kel­ler und Ste­fan Sara­zin erhal­ten für ihr Dreh­buch von „Nicht ganz koscher – 
Eine gött­li­che Komö­die“ den mit 3.500 Euro dotier­ten Preis der Saar­land Medi­en GmbH.

Ein Road­trip durch den Sinai, wie er absur­der nicht sein kann: „NICHT GANZ KOSCHER – Eine gött­li­che Komö­die“ ist ein eben­so tur­bu­len­ter wie nach­denk­li­cher Film um unter­schied­li­che Kul­tu­ren und Fra­gen nach dem The­ma Iden­ti­tät. Regie und Dreh­buch die­ser anrüh­ren­den Cul­tu­re-Clash-Komö­die ver­ant­wor­ten Ste­fan Sara­zin („Nit­sche­wo“) und Peter Kel­ler, die bereits 2011 für ihre Vor­la­ge den Deut­schen Dreh­buch­preis erhielten.

Die bei­den Dreh­buch­au­to­ren spie­len iro­nisch mit Vor­ur­tei­len und Kli­schees, über­zeu­gen mit köst­li­chen Dia­lo­gen und tref­fen stets den rich­ti­gen Ton. Ihnen ist mit ihrem Buch und auch mit dem fer­ti­gen Film ein stim­mungs­vol­les, hei­te­res, aber auch nach­denk­li­ches Plä­doy­er für Ver­stän­di­gung und Tole­ranz gelun­gen – in der Tat eine gött­lich schö­ne Komödie.

Preis des Oberbürgermeisters:

Mit dem Preis des Ober­bür­ger­meis­ters (2.500 Euro) wird Regi­na Tie­de­ken, die Kos­tüm­bild­ne­rin von „In einem Land, das es nicht mehr gibt“, geehrt.

In dem schwung­vol­len Dra­ma „In einem Land das es nicht mehr gibt“ von Ael­run Goet­te konn­te Regi­na Tie­de­ken ihre bei­den Lei­den­schaf­ten­Kos­tüm­bild und­Mo­de­de­sign mit­ein­an­der ver­bin­den. Mit Herz­blut und gro­ßer Lie­be zum Detail gelingt es ihr, neben der Mode auch die Prot­ago­nis­ten des Films umwer­fend gut aus­se­hen zu lassen.

Wei­te­re Ehren­gäs­te und Preis­trä­ger der Vorjahre:

In die­sem Jahr kom­plet­tie­ren vier ehe­ma­li­ge Preis­trä­ger, die in den Vor­jah­ren ihren Preis nicht per­sön­lich ent­ge­gen­neh­men konn­ten, die Rie­ge der Ehrengäste:

So konn­ten der Schau­spie­ler Alex­an­der Scheer, der 2018 den Dar­stel­ler­preis für sei­ne Rol­le in „Gun­der­mann“ aus­ge­zeich­net wur­de, eben­so wie Schau­spie­le­rin Rosa­lie Tho­mass, die den Dar­stel­le­rin­nen­preis 2019 für „Ruf­mord“ erhielt, ihre Prei­se in die­sem Jahr per­sön­lich entgegennehmen.

Außer­dem konn­ten den bei­den letzt­jäh­ri­gen Preis­trä­gern, der Schau­spie­le­rin Maria Hof­stät­ter (Dar­stel­le­rin­nen­preis „Fuchs im Bau“) und dem Kame­ra­mann Bene­dict Neu­en­fels (Preis des Ober­bür­ger­meis­ters „Ich bin dein Mensch“), ihre Tro­phä­en über­reicht werden.

Die Mode­ra­ti­on des Abends lag in den bewähr­ten Hän­den von Peter Loh­mey­er, der seit 2018 mit sei­ner unter­halt­sam-non­cha­lan­ten Art durch die Gala führt. Das musi­ka­li­sche Rah­men­pro­gramm kam von Schau­spie­le­rin und Sän­ge­rin Sere­na Gruß, die mit ihrer Band die Gäs­te unterhielt.

Die Aus­wahl:

Die Preis­trä­ger­ju­ry 2022 bestand neben der Jury­prä­si­den­tin Iris Ber­ben aus Andrea Etspü­ler (Saar­län­di­scher Rund­funk), Tho­mas Rein­hardt (Saar­brü­cker Zei­tung), Uli Asel­mann (die film gmbh), Ulrich Höcherl (Blickpunkt:Film) und dem Vor­sit­zen­den der Gün­ter Rohr­bach Film­preis Stif­tung, Jür­gen Fried.

71 Fil­me wur­den im Wett­be­werbs­jahr 2022 ein­ge­reicht. Die Vor­ju­ry um Gabri­el­la Ban­del, Ulri­ke Jacobs, Bar­ba­ra Wacker­na­gel-Jakobs, Chris­ti­an Bau­er und Mar­tin Hof­mann hat dar­aus acht Fil­me für die End­aus­schei­dung ausgewählt.

Wei­te­re Infos: www.guenter-rohrbach-filmpreis.de

Quelle:

Eigene Recherche

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