Samstag, 8. Oktober 2022
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    Graf­fi­ti-Kunst am Thu­me Eck

    Schön ist der Platz am Thu­me Eck gewor­den, aller­dings sind die Bäu­me noch klein und die an- und ein­gren­zen­den Mau­er­wän­de etwas farb­los. So kam der Ing­ber­ter Graf­fi­ti-Künst­ler Fabio Kuhn auf die Idee, bei der Stadt nach­zu­fra­gen, ob er an dem Platz sein eige­nes Kunst­werk anbrin­gen dürf­te. Die Mau­er des ehe­ma­li­gen Edel­weiß-Hotel bot sich an, weil sie glatt ist und bereits mit grau­er Far­be getüncht war – nach eini­ger Prü­fung der idea­le Unter­grund für ein Graf­fi­ti. Daher stimm­te die Stadt sei­ner Idee zur Erwei­te­rung des Thu­me Eck um ein far­ben­fro­hes Kunst­werk gern zu.

    Der 23-jäh­ri­ge Fabio Kuhn ist Stu­dent der Hoch­schu­le für Bil­den­de Küns­te (HBK) in Saar­brü­cken. Nach einem Fach­hoch­schul-Abschluss an der Fach­ober­schu­le für Design in Saar­brü­cken-Mal­statt absol­vier­te Kuhn zunächst ein Archi­tek­tur-Stu­di­um. „Ich habe schon als Kind viel gemalt und gezeich­net. In der Jugend hat­te ich den Bezug zur Kunst ein biss­chen ver­lo­ren. Aber im Archi­tek­tur-Stu­di­um habe ich mei­ne Lie­be zum Zeich­nen wie­der­ent­deckt“, erzählt der Künst­ler. Da er auch einen guten Draht zu Kin­dern und Jugend­li­chen hat, geht die Rei­se nun in Rich­tung Lehr­amts­stu­di­um wei­ter. An der HBK wur­de Fabio Kuhn auf­grund sei­ner über­zeu­gen­den Map­pe zunächst für „Freie Kunst“ auf­ge­nom­men. Nun hat er auf ein Lehr­amt­stu­di­um Kunst und Sport gewech­selt, denn Sport ist sei­ne zwei­te Lei­den­schaft: Skate­boar­den und Kraft­sport mit eige­nem Kör­per­ge­wicht bie­ten für ihn den idea­len Aus­gleich zum künst­le­ri­schen Schaf­fen und zum Studium.

    St. Ing­ber­ter Graf­fi­ti-Künst­ler Fabio Kuhn

    Neben klas­si­schen Kunst­for­men wie Akt- und Gesichts­zeich­nen, Aqua­rel­lie­ren usw. sucht sich Kuhn sei­ne Kunst­rich­tung an der Hoch­schu­le ganz frei aus. „Graf­fi­ti war für mich schon immer span­nend. Ich arbei­te mit Buch­sta­ben (Let­te­ring), aber auch die abs­trak­ten For­men fas­zi­nie­ren mich“, berich­tet er. Zum Werk am Thu­me Eck habe ihn die klas­si­sche Moder­ne inspi­riert, „aber eigent­lich habe ich mein eige­nes Ding gemacht“, fügt er hin­zu. Mit Sprüh­fla­schen in lila, blau­en, grü­nen und gel­ben Farb­tö­nen hat er Frei­hand ein Bild über die gesam­te Brei­te des Hau­ses geschaf­fen. Frei­hand – das heißt, alle Lini­en sind ohne Line­al und Scha­blo­nen gezo­gen. Ledig­lich den obe­ren Rand und die Kan­te zum Boden hat er abge­klebt. „Zwar habe ich mir vor­ab ein Grund­kon­zept über­legt, aber kei­ne fer­ti­ge Skiz­ze gemacht. Das Bild ist beim Sprü­hen ent­stan­den. Ich mag die ‚unsau­be­ren‘ Lini­en, das ent­spricht mehr mei­nem Cha­rak­ter“, so Kuhn. Drei Tage hat die Arbeit gedau­ert, am Anfang kam auf­grund einer Anzei­ge die Poli­zei vor­bei – aber die­se Street Art war und ist geneh­migt. Sie soll nicht pro­vo­zie­ren, son­dern ver­schö­nern, erwei­tern und Raum für eige­ne Ideen geben. Neben der Skulp­tur „Nes­sie“, dem Stahl­kunst­werk des Metall­bild­hau­ers Hans Peters, und den Bän­ken ist der Platz damit zu einem gesel­li­gen Ort mit­ten in der Stadt geworden.

    Kuhns Kunst­werk ver­leiht dem Thu­me Ecke mehr Far­be und Per­sön­lich­keit – ein Gemäl­de, das nicht im Muse­um zu bewun­dern ist, son­dern im Kon­text des urba­nen Raums im Spiel mit Licht und Schat­ten eine ganz indi­vi­du­el­le Inter­pre­ta­ti­on durch den Betrach­ter erlaubt. Es ist die ers­te gro­ße Wand­ma­le­rei von Fabio Kuhn. „Aber die­ser jun­ge, ideen­rei­che Künst­ler wird St. Ing­bert sicher noch mehr Kunst­wer­ke besche­ren“, so Orts­vor­ste­he­rin Ire­ne Kai­ser, die sich für die Arbeit am Thu­me Eck ein­ge­setzt hat. Eini­ge pri­va­te Auf­trä­ge unter­schied­lichs­ter Art (ein Kin­der­zim­mer, einen Anhän­ger usw.) hat Kuhn schon ange­nom­men und natür­lich hofft er, dass das Graf­fi­ti mit­ten in St. Ing­bert für ihn zu einem Aus­hän­ge­schild wird. Der­zeit ist er dabei, sei­ne eige­ne Web­site zu ent­wi­ckeln. Wer unter­des­sen Inter­es­se an einem indi­vi­du­el­len Werk von Fabio Kuhn hat, kann ihn per Tele­fon unter 0152 2636 5299 oder per E‑Mail unter  erreichen.

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