Freitag, 7. Oktober 2022
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    Beson­de­re Ehre für Beau­ma­rai­ser Künst­ler Hans Nicola

    Sei es in der Stadt oder im Land­kreis Saar­lou­is, der gebür­ti­ge Beau­ma­rai­ser Hans Nico­la hat mit sei­nem umfang­rei­chen Werk aus Aqua­rel­len, Litho­gra­fien, Kal­li­gra­phien, Feder­zeich­nun­gen und Foto­gra­fien zahl­rei­che Spu­ren sei­nes künst­le­ri­schen Schaf­fens hin­ter­las­sen. Auf Anre­gung des Ver­eins für Mund­art und Geschich­te Beau­ma­rais ehr­te sei­ne Hei­mat­stadt ihn dafür nun mit einer ganz beson­de­ren Aus­zeich­nung und benann­te den Bereich vor dem ehe­ma­li­gen Jugend­heim gegen­über der Kir­che in Hans-Nico­la-Platz. Gefei­ert wur­de dies mit einem Gedenk­got­tes­dienst, einer offi­zi­el­len Fei­er­stun­de und einem anschlie­ßen­den Dorffest.

    „Ich freue mich sehr, dass wir zukünf­tig das Andenken von Hans Nico­la an so zen­tra­ler Stel­le im Ort wah­ren“, sag­te Ober­bür­ger­meis­ter Peter Dem­mer in sei­ner Begrü­ßungs­an­spra­che. Er beton­te, dass die heu­ti­ge Platz­ein­wei­hung auch eine wich­ti­ge sym­bo­li­sche Weg­mar­ke in einem lan­gen gemein­sa­men Pro­zess sei. Die Stadt habe die Kir­chen­ge­mein­de unter­stützt, das alte Jugend­heim zu ver­mark­ten. Im Gegen­zug wur­de der Platz an die Stadt über­tra­gen, die ihn gestal­ten, pfle­gen und der Öffent­lich­keit zur Ver­fü­gung stel­len wird.

    Jür­gen Baus, Vor­sit­zen­der des Ver­eins für Mund­art und Geschich­te, begrüß­te die zahl­rei­chen Gäs­te, unter ande­rem den frü­he­ren Ober­bür­ger­meis­ter Hans-Joa­chim Fon­tai­ne und den frü­he­ren Land­rat Dr. Peter Win­ter. Ein herz­li­ches Will­kom­men rich­te­te er an Hans Nico­las Toch­ter, Ger­lin­de Lau­rent, und an Ange­li­ka Kuckel-Schmitt, die 1. Vor­sit­zen­de der Frau­en­gemein­schaft Beau­ma­rais, deren Mit­glie­der sich vie­le Jahr­zehn­te inten­siv um die­sen Ort und ins­be­son­de­re das frü­he­re Pfarr- und Jugend­heim geküm­mert haben. Wei­ter berich­te­te Jür­gen Baus, dass es schon vor 12 Jah­ren, bei der Benen­nung einer Stra­ße nach der Beau­ma­rai­ser Dorf­chro­nis­tin Dora Dimel vie­le Anre­gun­gen gege­ben habe, das Andenken von Hans Nico­la in ähn­li­cher Wei­se zu wür­di­gen. Die­ser Tag sei heu­te gekom­men und gleich­zei­tig wer­de damit auch der lang­ge­heg­te Wunsch des ver­stor­be­nen Ver­eins­grün­ders Wal­ter Löff­ler wahr. 

    Vereinsvorsitzender Jürgen Baus begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste zur Einweihung des Hans-Nicola-Platzes - © Petra Molitor
    Ver­eins­vor­sit­zen­der Jür­gen Baus begrüß­te die zahl­reich erschie­ne­nen Gäs­te zur Ein­wei­hung des Hans-Nico­la-Plat­zes — © Petra Molitor

    Im wei­te­ren Ver­lauf sei­ner Rede berich­te­te Jür­gen Baus von der Ent­wick­lung die­ses Ortes, wo ab 1880 ein Schul­ge­bäu­de mit Schul­hof, nebst Schmie­de und Sprit­zen­haus standen.1956 ver­kauf­te die Stadt Saar­lou­is das Are­al an die Beau­ma­rai­ser Pfarr­ge­mein­de, die hier ein Pfarr­ju­gend­heim und ein Pfarr­haus errich­te­te. In den fol­gen­den Jahr­zehn­ten war das Jugend­heim mit dem Vor­platz und dem rück­wär­ti­gen Pfarr­haus mit Gar­ten wich­ti­ger Bestand­teil des Beau­ma­rai­ser Dorf­le­bens. Vie­le Ver­ei­ne, an ers­ter Stel­le die Frau­en­gemein­schaft des Eli­sa­be­then­ver­eins, nutz­ten und küm­mer­ten sich um das Objekt und sein Umfeld. Zahl­lo­se Fami­li­en­fei­ern aller Art fan­den hier statt. Auf dem Platz gab es das jähr­li­che Pfarr­fest, den Weih­nachts­markt und frü­her auch die Kir­mes. Der Ver­lust des Jugend­heims sei schmerz­lich, so Baus, trotz­dem sei man froh, dass der Hans-Nico­la-Platz künf­tig als öffent­li­cher Raum erhal­ten blie­be. „Hier­für bin ich allen Betei­lig­ten, beson­ders den Ver­tre­tern des Stadt­ra­tes, der Stadt und der Kir­chen­ge­mein­de sehr dank­bar“, sag­te Baus. Damit sei sicher­ge­stellt, dass die­ser Platz auch in Zukunft ein Raum für alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger sein kön­ne. „Was wir dar­aus machen, liegt an uns selbst“, so Baus.

    Nach den Gruß­wor­ten erfolg­te die Ein­seg­nung des Plat­zes durch Pas­tor Dr. Frank Klein­jo­hann. Sodann ent­hüll­te die Fami­lie von Hans Nico­la das neue Stra­ßen­schild. Bei dem anschlie­ßen­den Umtrunk mit den gela­de­nen Gäs­ten im Dorf­haus erin­ner­te man sich an frü­he­re Bege­ben­hei­ten und so man­che Anek­do­te gab Anlass zum Schmun­zeln. Die Fei­er­stun­de ging naht­los in das Beau­ma­rai­ser Dorf­fest über, wel­ches Anwoh­ner initi­iert hat­ten. Für das leib­li­che Wohl sorg­te die Feu­er­wa­che West.

    Zur Per­son:

    Der Maler und Gra­fi­ker Hans Nico­la wur­de am 8. Sep­tem­ber 1910 in der Haupt­stra­ße 36 in Beau­ma­rais gebo­ren. Er war das fünf­te von sechs Kin­dern des Stein­gut­ar­bei­ters und ehren­amt­li­chen Orts­vor­ste­hers Johann Georg Nico­la und sei­ner Frau Hele­ne. Schon früh beschäf­tig­te er sich mit Male­rei, zeich­ne­te Land­schaf­ten mit Blei­stift und Was­ser­far­ben. Als 14-Jäh­ri­ger begann er eine Leh­re als Litho­graf in der Gra­phi­schen Kunst­an­stalt der Astra-Wer­ke Saar­lou­is, dort ent­warf er unter ande­rem Wer­be­an­zei­gen und Urkun­den. Schon wäh­rend die­ser Aus­bil­dung besuch­te Hans Nico­la die Abend­schu­le für Male­rei des Saar­loui­ser Kunst­ma­lers Wil­li Hes­se. Nach Been­di­gung sei­ner Leh­re fand er eine Anstel­lung bei den Gra­phi­schen Wer­ken Saar­brü­cken. Sein Talent führ­te Nico­la 1932 an die Staat­li­che Kunst- und Gewer­be­schu­le in Saar­brü­cken, an der er sechs Semes­ter Male­rei stu­dier­te. Ab 1935 arbei­te­te er als Fahr­plan­zeich­ner bei der Deut­schen Reichs­bahn, 1941 wur­de er zur Reichs­ver­kehrs­di­rek­ti­on nach Minsk ver­setzt. 1945 folg­te die Rück­kehr nach Beau­ma­rais, wo sich der Künst­ler wei­ter­hin der Male­rei und einem neu­en Ste­cken­pferd, der Foto­gra­fie, wid­me­te. Hans Nico­la hei­ra­te­te die Wit­we Maria Böse, die mit ihren Töch­tern Ger­lin­de und Wil­trud eben­falls in Beau­ma­rais wohn­te. Aus den Vie­ren wur­de eine glück­li­che Fami­lie. Er starb am 25. Mai 1976 in Saarlouis.

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