Samstag, 8. Oktober 2022
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    Prü­fen-Rufen-Drü­cken

    Grund­schü­ler ler­nen lebens­ret­ten­de Maß­nah­men auf spie­le­ri­sche Weise

    Mit einem lau­ten „Bumm“ lässt sich Jan auf den Boden fal­len. Er ist Schü­ler der Klas­se 3c in der Pes­ta­loz­zi-Grund­schu­le, Depen­dance Has­sel. Jan möch­te Schau­spie­ler wer­den und wur­de von Dr. Clau­dia Mey­er-Lang auf­ge­for­dert, so zu tun, als sei er ohn­mäch­tig. Der Grund für die­ses klei­ne Schau­spiel? Dr. Mey­er-Lang erklärt den Kin­dern ein­fühl­sam und gleich­zei­tig ein­präg­sam, was in einem Not­fall zu tun ist, also wenn sie eine leb­lo­se, bewusst­lo­se Per­son vor­fin­den. „Wor­an erkennt ihr, ob die Per­son viel­leicht nur schläft?“, fragt sie. „Rich­tig: Der ers­te Schritt heißt ‚Prü­fen‘. Sprecht die Per­son an, rüt­telt sie an der Schul­ter oder zwickt ihr in den Arm. Wenn sie sich bewegt, ist sie nicht bewusst­los.“ Jan kichert, als sie ihn am Arm schüt­telt. Aber dann wird es ernster.

    Und wenn die Per­son sich nicht bewegt? Dann kommt der zwei­te Schritt und den ken­nen die Kin­der bereits gut: „Wir rufen 112, also den Ret­tungs­dienst an!“, rufen sie laut durch­ein­an­der. „Rich­tig pri­ma! Der zwei­te Schritt heißt ‚Rufen‘“, lau­tet das Lob der Not­ärz­tin und Chef­ärz­tin der Anäs­the­sie im Kreis­krank­haus St. Ing­bert. Dann folgt der drit­te Schritt: „Drü­cken“ und der ist gar nicht so ein­fach. An eini­gen Dum­mys ler­nen die Kin­der nun, meh­re­re Minu­ten im Rhyth­mus 100-mal pro Minu­te fest auf den Brust­korb zu drü­cken. Denn es kann meh­re­re Minu­ten dau­ern, bis das Herz wie­der schlägt und das Gehirn wie­der mit Sauer­stoff ver­sorgt wird. Dabei sin­gen sie das Pip­pi-Lang­strumpf-Lied, so prä­gen sie sich die Tätig­keit und der Rhyth­mus per­fekt ein. Erst wenn der Ret­tungs­dienst ein­trifft, dür­fen die Kin­der mit dem Drü­cken aufhören.

    Notärztin Claudia Meyer Lang drückt auf der Übungspuppe und erklärt den Kindern der 3 c spielerisch die Wiederbelebung. Im Hintergrund: v.l.n.r. Peter Zwirner, Geschäftsführer Kreiskrankenhaus, Lehrerin Frau Engler, stellv. Schulrektorin Petra Röser und Beigeordneter für Sicherheit & Ordnung und Ortsvorsteher, Markus Hauck - Foto: © G.Faragone
    Not­ärz­tin Clau­dia Mey­er Lang drückt auf der Übungs­pup­pe und erklärt den Kin­dern der 3 c spie­le­risch die Wie­der­be­le­bung. Im Hin­ter­grund: v.l.n.r. Peter Zwir­ner, Geschäfts­füh­rer Kreis­kran­ken­haus, Leh­re­rin Frau Eng­ler, stellv. Schul­rek­to­rin Petra Röser und Bei­geord­ne­ter für Sicher­heit & Ord­nung und Orts­vor­ste­her, Mar­kus Hauck

    Das Pro­jekt ist Teil der Vor­ga­ben aus den Leit­li­ni­en der deut­schen und euro­päi­schen Gesell­schaft für Wie­der­be­le­gung. „In den letz­ten Jah­ren hat sich gezeigt, dass Deutsch­land im Bereich der Lai­en­ani­ma­ti­on noch „Ent­wick­lungs­land“ ist, da nur ein gerin­ger Teil der Bevöl­ke­rung weiß, was bei einem Kreis­lauf­still­stand zu tun ist“, erklärt Dr. Mey­er-Lang. „Die Fach­ge­sell­schaf­ten for­dern daher zuneh­mend, bereits Grund­schü­ler an Wie­der­be­le­bungs­maß­nah­men her­an­zu­füh­ren.“ Sie selbst kam mit die­sem Pro­jekt zu ihrer Zeit am Saar­brü­cker Win­ter­berg-Kran­ken­haus in Kon­takt und trägt ihre Begeis­te­rung dafür bis heu­te wei­ter. So ent­wi­ckel­te sie das Pro­gramm „Prü­fen-Rufen-Drü­cken“ (PRD) und stell­te es Bür­ger­meis­te­rin und Grund­schul­rek­to­rin Nadi­ne Backes vor. Die­se mach­te sofort in allen Grund­schu­len St. Ing­berts dafür Wer­bung. Das Kreis­kran­ken­haus St. Ing­bert ist eben­falls von der Bedeu­tung des Pro­jekts über­zeugt und finan­zier­te die Anschaf­fung der not­wen­di­gen Übungs­phan­to­me. „Dank des Enga­ge­ments von Frau Dr. Mey­er-Lang und mit der Unter­stüt­zung der Stadt St. Ing­bert kom­men wir damit gemein­sam den For­de­run­gen der Fach­ge­sell­schaf­ten vor­bild­lich nach“, bekräf­ti­gen der Geschäfts­füh­rer des Kreis­kran­ken­hau­ses St. Ing­bert Peter Zwir­ner und Ärzt­li­cher Direk­tor PD Dr. med. Oli­ver Adam einstimmig.

    Das Pro­jekt muss­te coro­nabe­dingt ver­scho­ben wer­den, wur­de nun aber in der Grund­schu­le in Has­sel gestar­tet und wird für alle 3. Klas­sen in St. Ing­bert ange­bo­ten. Damit sei St. Ing­bert ihres Wis­sens nach zumin­dest saar­land­weit die ers­te Kom­mu­ne, in der alle Schü­ler einer Klas­sen­stu­fe zum The­ma Wie­der­be­le­bung geschult wer­den, fügt die Ärz­tin hin­zu. „Es wäre schön, wenn es gelän­ge, alle Schü­ler bun­des­weit zu errei­chen, es in jeder Jahr­gangs­stu­fe zu wie­der­ho­len und auch in ande­re Fächer ein­zu­bin­den“, hofft die enga­gier­te Not­ärz­tin. Und betont lachend: „Was Häns­chen schon lernt, wird Hans per­fekt können!“

    „Das ist wirk­lich wich­tig. Und die Kin­der haben gar kei­ne Berüh­rungs­ängs­te“, staunt Mar­kus Hauck, Orts­vor­ste­her von Has­sel. „Dank die­ses Pro­gramms wer­den sie sich die lebens­ret­ten­den Maß­nah­men bis ins Erwach­se­nen­al­ter mer­ken.“ In Ver­tre­tung von Rek­to­rin Nadi­ne Backes sind Kon­rek­to­rin Petra Röser und Klas­sen­leh­re­rin Frau Eng­ler bei der ers­ten Schu­lung im Rah­men des Pro­gramms dabei. Bei­de freu­en sich dar­über, dass Dr. Mey­er-Lang bei die­sem wich­ti­gen The­ma einen so guten Draht zu den Kin­dern habe.

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