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Saarbrücken

Pilot­pro­jekt zum Schutz von Katzen

Neu­es Gesetz – neue Richt­li­ni­en und Schutz­me­cha­nis­men für die häu­fig auch ver­wil­dert auf­tre­ten­den Tie­re – Im Zuge des kürz­lich im Saar­land in Kraft getre­te­nen neu­en Kat­zen­schutz­ge­set­zes der Lan­des­re­gie­rung hat der Mim­ba­cher Orts­rat mit Unter­stüt­zung einer Tier­freun­din eine Initia­ti­ve gestartet

Wenn es um Kat­zen­ret­tung geht, so blickt die Mim­ba­che­rin Susan­ne Rus­sy bereits auf gut 20 Jah­re Akti­vi­tä­ten zurück. Enga­giert im aus­schließ­lich über Spen­den finan­zier­ten „Ver­ein der Kat­zen­freun­de Wad­gas­sen“ (https://www.katzenfreunde-wadgassen.de), der in Ober­würz­bach sein „Kat­zen­haus“ unter­hält, kennt sie die The­men und Fak­ten rund um das belieb­te Haus­tier zur Genü­ge. Ins­be­son­de­re ver­wil­der­te Kat­zen sind ein Pro­blem, auf das man vie­ler­orts stößt, nicht nur in Blie­skas­tel. Scheu, ver­ängs­tigt und krank leben sie meist auf abge­le­ge­nen Grund­stü­cken, haben Ver­let­zun­gen und sind nicht mehr in der Lage sich Nah­rung zu suchen. Durch unkon­trol­lier­te Ver­meh­rung spitzt sich die Situa­ti­on immer wei­ter zu. Doch auch die häu­fig am Stra­ßen­rand tot auf­ge­fun­de­nen Streu­ner beschäf­ti­gen die pas­sio­nier­te Kat­zen­freun­din. Teils han­delt es sich bei auf­ge­fun­de­nen Tie­ren durch­aus um Haus­kat­zen, also um Frei­gän­ger, die eigent­lich ein fes­tes Zuhau­se haben und im täg­li­chen Aus­lauf eben mal auf Erkun­dungs­tour in ihrem Revier unter­wegs waren. Die wer­den dann spä­tes­tens am Abend oder am dar­auf­fol­gen­den Tag von ihren Hal­tern ver­misst und die Unge­wiss­heit kann einem schon zuset­zen, wenn der Ver­bleib des gelieb­ten Tie­res unge­wiss ist. Schon daher emp­fiehlt sich eine Regis­trie­rung sei­ner Kat­ze, um deren Auf­fin­den zu erleich­tern. War es frü­her noch eine Täto­wie­rung im Ohr, so wird heut­zu­ta­ge ein mil­li­me­ter­gro­ßer Chip im lin­ken Nacken­be­reich der Tie­re ein­ge­setzt. Dar­auf hat man sich inter­na­tio­nal fest­ge­legt, um die Pro­ze­dur zu ver­ein­fa­chen. Per Scan­ner und Soft­ware kön­nen bereits regis­trier­te Tie­re dann per Daten­bank des Lan­des­am­tes für Ver­brau­cher­schutz (LAV) unter Ein­hal­tung der Daten­schutz­richt­li­ni­en leicht zuge­ord­net und über die vor­ab hin­ter­leg­ten Kon­takt­da­ten ihre Besit­ze­rin­nen bzw. Besit­zer benach­rich­tigt werden.

Enga­ge­ment in Mimbach

Im Zuge des kürz­lich im Saar­land in Kraft getre­te­nen neu­en Kat­zen­schutz­ge­set­zes der Lan­des­re­gie­rung hat der Mim­ba­cher Orts­rat nun mit Susan­ne Rus­sys Unter­stüt­zung Initia­ti­ve ergrif­fen, mit Orts­rats­mit­teln zwei ent­spre­chen­de Hand­scan­ner ange­schafft und an den Bau­be­triebs­hof der Stadt Blie­skas­tel über­ge­ben. Die­ser wird jähr­lich immer wie­der mit her­ren­lo­sen oder tot auf­ge­fun­de­nen Tie­re kon­fron­tiert. Frau Rus­sy und ihre enga­gier­te Mim­ba­cher Tier­schutz­grup­pe arbei­ten hier nun bei etwa­igen Fund­tie­ren eng mit dem Bau­be­triebs­hof zusam­men. Sie behal­ten nicht nur die Kat­zen­po­pu­la­ti­on im Stadt­teil im Auge, son­dern fan­gen gege­be­nen­falls auch ver­wil­der­te Kat­zen ein und brin­gen sie zur medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung zur Tier­ärz­tin bzw. zum Tier­arzt, wo etwa­ige noch nicht regis­trier­te Tie­re auch gleich einen Chip erhal­ten. Sofern die Tie­re nicht voll­ends ver­wil­dert und damit noch „men­schen­ver­träg­lich“ sind, erhal­ten sie anschlie­ßend eine rea­lis­ti­sche Chan­ce zur Ver­mitt­lung in ein neu­es Zuhau­se. Wild­tie­re hin­ge­gen wer­den nach der Regis­trie­rung wie­der aus­ge­setzt. Dies ent­spricht der Vor­ge­hens­wei­se des neu­en Kat­zen­schutz­ge­set­zes. Die Kos­ten zur Durch­füh­rung des Pilot­pro­jek­tes trägt das Ministerium.

Tierbesitzer*innen nach neu­er Kat­zen­schutz­ver­ord­nung in der Verantwortung

Erfolg­te ein „Chip­pen“ für Katzenbesitzer*innen bis­lang noch auf frei­wil­li­ger Basis, so kann es im Zuge der neu­en, am 21. Janu­ar 2021 im Saar­land in Kraft getre­te­nen Kat­zen­schutz­ver­ord­nung auch zur Ver­pflich­tung wer­den, zumin­dest, wenn die in Besitz befind­li­chen Tie­re Frei­lauf haben und in einem bestimm­ten, als „Kat­zen-Hot-Spot“ dekla­rier­ten Gebiet unter­wegs sind. Das Gesetz regelt näm­lich, dass an Stel­len mit grö­ße­ren Kat­zen­po­pu­la­tio­nen in einem Umkreis von 2 km eine Chip- und Kas­tra­ti­ons­pflicht für frei­lau­fen­de Kat­zen in Kraft tritt. So soll gewähr­leis­tet wer­den, dass eine etwa­ig ange­trof­fe­ne Kat­ze nicht etwa als her­ren­los auf­ge­le­sen und für eine Ver­mitt­lung zurück­ge­hal­ten wird, wäh­rend ihre Fami­lie sie ver­misst und nach ihr sucht. Hier sind also Katzenbesitzer*innen zukünf­tig klar in der Ver­ant­wor­tung. Rund 25 bis 30 Euro fal­len für eine Chip-Akti­on beim Tier­arzt an, eine Kas­tra­ti­on liegt bei rund 60 bis 80 Euro.

Wel­che Area­le als „Hot Spots“ defi­niert wer­den, regelt die neue Ver­ord­nung. Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, Städ­te, Gemein­den oder Tier­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen kön­nen dem LAV als zustän­di­gen Voll­zugs­be­hör­de etwa­ige Ansamm­lun­gen ver­wil­der­ter Kat­zen mel­den. Die Vete­ri­när­be­hör­den vor Ort über­neh­men dann die Über­prü­fung und Bewer­tung der Situa­ti­on vor Ort und kom­mu­ni­zie­ren mit dem LAV, das im Anschluss, je nach Ergeb­nis, in Koope­ra­ti­on mit den ört­li­chen Tier­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen und Tier­ärz­ten die wei­te­ren Schrit­te ver­an­lasst, für Erfas­sung und Kas­tra­ti­on der Tie­re sorgt.

Das Saar­land und das Minis­te­ri­um für Umwelt und Ver­brau­cher­schutz haben mit der neu­en Kat­zen­schutz­ver­ord­nung eine bun­des­wei­te Vor­rei­ter­rol­le über­nom­men, indem man sich nun­mehr selbst um die Aus­wei­sung von Schutz­ge­bie­ten und das Leben frei­le­ben­der Kat­zen küm­mert. Vie­le Bun­des­län­der haben ihre Kat­zen­schutz­ver­ord­nung stat­tes­sen auf kom­mu­na­ler Ebe­ne gere­gelt, die The­ma­tik damit in den Zustän­dig­keits­be­reich der Städ­te und Gemein­den ver­la­gert, was mal mehr, mal weni­ger effek­tiv ist. Die neue Rege­lung ist ein Signal und bedeu­tet für Tier­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen eine wich­ti­ge Ent­las­tung. Zum einen, da man sich beim Fan­gen und Kas­trie­ren von Kat­zen bis­lang recht­lich gese­hen in einer Grau­zo­ne beweg­te, zum ande­ren auf­grund der teils immensen Behand­lungs- und Kas­tra­ti­ons­kos­ten, auf denen man bis­lang sit­zen blieb. (ub)

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